Volltext : Die parlamentarische Thätigkeit des Deutschen Reichstages und der Landtage von 1874-1876.

heißen,  die  er  gegen  keine  andere  Klasse  der  Gesellschaft  zu  beschließen
  gewagt  haben  würde.  An  den  Arbeitern  ist's,  für
dieses  Gesetz  bei  den  Wahlen  die  entsprechende  Antwort  zu  geben
und  die  Kleingewerbetreibenden  müssen  gemeinsame  Sache  mit
ihnen  machen,  wenn  sie  ihre  Stellung  begreifen.

Wie  ganz  anders  spricht  und  stimmt  dagegen  der  Liberalismus,
  wenn  sich's  um  Rechte  oder  gar  materielle  Vortheile  für
ihn  handelt.  Das  bewies  die  Berathung  des  Bankgesetzes.

Das  naturgemäße  Bestreben  nach  Konzentration  in  der  Produktion
  erweckt  auch  für  die  Bourgeoisie  das  Bedürfniß  nach
Konzentration  der  Reservoirs,  in  denen  die  Circulationsmittel,
welche  den  Austauschproceß  der  Waaren  vermitteln,  sich  ansammeln.
Diese  Reservoirs  sind  die  Banken.  Mit  der  Schaffung  der  Münz-(inheit
  war  der  Boden  für  die  Bankeinheit  geebnet.  Bei  aller
Einmüthigkeit  der  herrschenden  Klasse  gegen  ihren  gemeinsamen
Feind,  die  Arbeiterklasse,  ist  sie  doch  in  sich  selbst  in  Folge  von
Interessenverschiedenheit  gespalten.  Die  eigentlichen  Geldgeschäftemacher,
  die  Banquiers,  wünschten  die  Bankfreiheit,  weil  diese
ihrer  Ausbeutung  den  größten  Spielraum  läßt;  die  handeltreibende
  und  industrielle  neben  der  Grund  und  Boden  besitzenden
Bourgeoisie  wünschte  den  Bankzwang  oder  die  Bankbeschränkung,
um  der  Gefahr  des  Gerupftwerdens  durch  den  Bruder  Banquier
möglichst  zu  entgehen.  Die  vereinigten  Interessen  der  Letzteren
siegten  und  eine  Reichsbank  zu  gründen  wurde  beschlossen.

Statt  daß  aber  der  Staat  (also  das  Reich)  die  Bank  in
seine  Hände  nahm,  die  nöthigen  Betriebsfonds  sich  beschaffte  —
der  Kriegsschatz  von  120  Millionen  im  Juliusthurm  zu  Spandau
liegt  unberührt  und  unproduktiv  da,  und  daneben  giebt  es  viele
Hunderte  von  Millionen,  die  in  Unternehmungen  der  Bourgeeisie
angelcgt  sind,  —  und  den  Nutzen  der  Bank  zog,  deren  Erträge
von  einer  vernünftig  verwaltenden  Regierung  zur  Ermäßigung
von  Steuern  oder  zur  Förderung  wirklicher  und  wichtiger  Kultur-Interessen
  hätten  verwendet  werden  können,  beschafft  die  Bour.
geoisie  die  Mittel,  und  participirt  natürlich  auch  an  dem  Gewinn
der  Bank,  die  das  Reich  verwaltet,  und  die  voraussichtlich  sehr
bedeutend  sind.

Die  Reichsbank  ist  mit  einem  Wort  ein  unter  staatlicher
Verwaltung  stehendes  Privat-Institut,  dessen  Mitglieder  einige
Tausend  der  reichsten  Leute  sind,  und  deren  Institut,  zur  Sicherung
  eines  möglichst  großen  Gewinns,  der  Staat  mit  den  umfassendsten
  Privilegien  ausgestattet  hat.

Hören  wir  die  Hauptbestimmungen  des  Bankgesetzes:
.1)  Das  Grundkapital  besteht  aus  120  Millionen  Mk.,  das.
1  *  auf  Namen  lautende  Antheile  von  je  3000  Mk.  geeilt

  ist.