Deutschland. 49
26. Febr. (Schleswig-Holstein). Delegirtenversammlung der Schleswig-Holstein-Vereine
beider Herzogthümer in Rendsburg. Von 149
Vereinen sind 120 durch 208 Delegirte vertreten. Der (einem
engeren Anschluß an Preußen geneigte) engere Ausschuß des Gesammtvereins
hatte die Einberufung der Delegirtenversammlung
Anfangs abgelehnt, war aber durch den Altonaer Verein, der den
förmlichen Antrag dazu stellte und sofort die nöthige Unterstützung
bei andern Vereinen fand, dazu genöthigt worden. Der engere
Ausschuß enthält sich demgemäß, der Versammlung irgend einen Entwurf
von Resolutionen seinerseits vorzulegen.
Einer Vorversammlung am 25. Febr. liegen folgende Anträge
vor:
1. Antrag des Reinbecker Vereins: „I. Wir constatiren, daß das
Land den Anschluß an Preußen in militärischer, maritimer und diplomatischer
Hinsicht als dem allseitigen Interesse entsprechend betrachtet und daher denselben
aufrichtig wünscht; wir halten fest daran, daß aber die preußischen
Forderungen der gesetzlichen Landesvertretung zur Berathung über die Art
und Weise der Ausführung der einzelnen Punkte vor ihrer Inkrafttretung
vorgelegt werden. II. Wir halten unverbrüchlich fest und wahren, soweit es
in unserer Macht steht, die innere Selbständigkeit des Landes unter Herzog
Friedrich VIII."
2) Antrag des Altonaer Vereins: „Das schleswig-holsteinische
Volk protestirt auf das entschiedenste gegen die vielfach aus Unkenntniß
oder Perfidie verbreitete Anschuldigung, als gebe sich in einem Theile des
schleswig-holsteinischen Volks eine particularislische Störrigkeit gegen
die Sache des Gesammtvaterlandes zu erkennen. Jederzeit bereit, für ein
Herbeiführung eines wirklichen Bundesstaats, für die Einsetzung einer
kräftigen Centralgewalt mit Controle einer Volksvertretung aus allen Kräften
mitzuwirken, und keinem andern deutschen Volksstamme in der vollen Hingebung
an eine solchermaßen beschaffene deutsche Bundesgewalt irgend nachzustehen;
des Weiteren überzeugt, daß Herzog Friedrich VIII. treu und gewissenhaft
zu seinen Worten stehen und es in allen Stücken an Hingebung
für das Wohl des deutschen Gesam nicht fehlen lassen werde;
— empfindet das schleswig-holsteinische Volk eben deshalb in seinem Gewissen
die schwersten Bedenken dagegen der Entscheidung Deutschlands vorzugreifen
und die vollen Befugnisse einer künftigen Centralgewalt der jetzigen von Hrn.
v. Bismarck repräsentirten preußischen Regierung zuzusprechen, und dies um
so mehr, da es an jeder ausreichenden Bürgschaft fehlt, daß diese Befugnisse
nicht zur Unterdrückung der constitutionellen Freiheit in Schleswig-Holstein
und zum Nachtheile der Gesammtinteressen Deutschlands werden verwendet
werden“.
3) Antrag des Kieler Vereins: I. „Im Bewußtsein der Uebereinstimmung
mit dem Willen und der Rechtsüberzeugung der Gesammtbevölkerung
unseres Landes und in der Ueberzeugung, zum Besten unseres Vaterlandes
zu handeln, halten wir fest an der auf Grund des Rechts gelobten
Treue zu unserem Herzog Friedrich VIII., — halten wir fest: an der Forderung,
daß bei der zu beschleunigenden Ordnung unserer staatlichen Verhältnisse
sowohl im Innern als in Beziehung zu Deutschland dem Herzoge und
den gesetzlichen Vertretern des Landes eine entscheidende Stimme zusteht.
II. Wir erklären uns aber gleichzeitig bereit, unbeschadet der inneren Selbständigkeit
des Landes und auf Grund eines durch den Herzog unter gesetzlicher
Mitwirkung der Landesvertretung zu schließenden Vertrages eine engere Ver-4