Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Fritz  würde  anders  gehandelt  haben,  wenn  er  uns  geführt  hättel“  —  oder  welche
riefen:  „Was  Teufel  wollten  wir  denn  hier,  wenn  wir  nicht  schlagen  wollten!“  —
Die  Preußen  waren  nicht  geschlagen  worden,  das  ist  richtig;  aber  die
Folgen  des  Tages  von  Valmy  waren  schlimmer,  als  die  einer  verlorenen
Schlacht  es  hätten  sein  können.  Die  berühmten  kampfgeübten  Regimenter  des
großen  Friedrich  traten  vor  den  zucht=  und  ordnungslosen  Haufen  des  Revolutionsheeres
  den  Rückzug  an.  Der  Krieg  der  Verbündeten  gegen  das  revolutionäre
  Frankreich  verlor  seit  diesem  Tage  seine  Bedeutung  und  seine  sittliche
Berechtigung.  Friedrich  Wilhelm  II.  konnte  nicht  mehr  den  Anspruch  erheben,
mit  den  Truppen,  welche  den  Heerscharen  der  Revolution  unrühmlich  den  Rücken
gekehrt  hatten,  das  Königtum  retten  und  die  alte  Ordnung  in  Frankreich  herstellen
  zu  wollen.  In  Frankreich  aber  schritt  der  unter  dem  Eindrucke  der
von  außen  drohenden  Gefahr  und  unter  den  Auspizien  der  Schreckensherrschaft
zusammengetretene  Nationalkonvent  zwei  Tage  nach  der  Kanonade  von  Valmy
(22.  September)  zur  Abschaffung  des  Königtums  und  zur  Verkündigung  der
französischen  Republik  als  einer  „einen  und  unteilbaren.“  Die  junge  französische
  Republik  trat  alsbald  mit  der  Anmaßung  auf,  die  Revolution  auch  in
die  anderen  Staaten  Europas  zu  tragen  und  allen  Völkern  Europas  die  Befreiung
  von  ihren  „Tyrannen“  zu  bringen.  Der  von  Frankreich  zur  Abwehr
der  Einmischung  der  Fremden  in  seine  inneren  Angelegenheiten  begonnene
Krieg  verwandelte  sich  so  in  einen  offen  ausgesprochenen  Eroberungskrieg.
„Krieg  den  Palästen,  Friede  den  Hütten!“  lautete  der  Wahlspruch  der  jungen
Republik,  seine  Übersetzung  in  die  historische  Wirklichkeit  nach  J.  Scherr  aber  so:
„Was  wir  in  den  Palästen  vorfinden,  das  nehmen  wir,  und  das  in  den  Hütten
auch.  Dann  nehmen  wir  die  Paläste  und  Hütten  selber  und  endlich  alles  Land,
worauf  sie  stehen.  Im  übrigen  Freiheit,  Gleichheit  und  Brüderlichkeit!“  —
Dumouriez  suchte  die  Losung  der  Republik  zunächst  durch  Eroberung  der
österreichischen  Niederlande  zu  bewähren  und  für  diesen  Zweck  Preußen  von
dem  Bündnis  mit  Osterreich  abzuziehen  und  zum  Frieden,  vielleicht  zum
Bündnis  mit  Frankreich  zu  verlocken.  Er  knüpste  schon  am  Tage  nach  Valmy
dahin  zielende  Unterhandlungen  mit  dem  Herzoge  von  Braunschweig  an,  auf
welche  dieser,  längst  des  Krieges  müde,  um  so  lieber  einging,  weil  er  dadurch
die  Zeit  gewann,  um  die  Armee  aus  einer  üblen  Lage  herauszuziehen;  denn
durch  die  schlechte  Witterung,  welche  die  Gebirgswege  vollständig  aufweichte
und  in  Verbindung  mit  der  mangelhaften  Verpflegung  dazu  beitrug,  die
herrschende  Ruhrkrankheit  immer  mehr  unter  den  Truppen  zu  verbreiten,  wurde
der  Rückzug  der  Preußen  durch  die  Champagne  immer  beschwerlicher.  Schon

*Tagebuch  des  Generallieutenants  von  Massenbach,  Generalquartiermeisters  der  Armee.