Full text : Die Geschichte Württembergs.

14  I.  Urgeschichte  Schwabens  und  Württembergs.

(1125—  1138)  verzichtete  auf  dle  von  Heinrich  V.  im  Wormser  Konkordat  (1122)
erworbenen  Rechte,  die  Bischofswahlen  in  des  Katsers  Gegenwart  und  die  Investitur
  unmittelbar  nach  der  Wahl  des  geistlichen  Würdenträges  vornehmen  zu  lassen.
Damit  entließ  er  die  Geistlichkeit  aus  dem  Reichsverband  und  entzog  der  Krongewalt
  die  Güter,  über  die  sie  vorher  frei  verfügt  hatte.

Schwaben  hatte  von  917—  1080  fünfzehn  Herzoge,  die  aus
Schwaben,  Franken,  Sachsen  und  dem  Hause  Babenberg  stammten.
Sie  besaßen  neben  ihrem  herzoglichen  Amte  auch  einzelne  Grafschaften,  in  denen
sie  das  Amt  der  Gaugrafen  verwalteten.  Einige  vereinigten  sogar  zwei  Herzogthümer
  unter  ihrer  Herrschaft,  wie  Otto  I.  (973—992)  Herzog  von  Schwaben
und  Franken,  Konrad  und  Hermann  II.  Herzoge  von  Schwaben  und  Elsaß
waren.  Burkhard  II.  (954—973)  kämpfte  mit  Kaiser  Otto  I.  dem  Großen
in  der  Schlacht  auf  dem  Lechfelde  (955)  gegen  die  räubertschen  Ungarn.
Nach  Ottos  III.  (973—983)  Tode  bewarb  sich  auch  obengenannter  Herzog
Hermann  II.  von  Schwaben  (997—1003)  um  die  Krone;  aber  Heinrich
von  Bayern  wurde  zum  König  gewählt.  Dieser  fiel  in  Schwaben  ein  und
zwang  den  Herzog  zur  Nachgiebigkeit  und  Unterwerfung.  Hermanns  II.  Sohn,
Hermann  III.,  starb  bald;  seine  Schwester  Gisela  heiratete  Ernst  von
Oesterreich,  der  dadurch  Herzog  von  Schwaben  wurde  (1012  —1015).  Dessen
  Sohn  Ernst  II.  (1015  —  1030)  wurde  durch  eine  zweite  Heirat  selner  Mutter
  der  Stiefsohn  des  nachmaligen  Kaisers  Konrad  II.  (1024—  1039).  Ernst
glaubte  als  Sohn  der  Gisela  aus  erster  Ehe  auf  das  Erbe  von  Burgund  größere
Rechte  zu  besitzen,  als  Konrad,  obgleich  Rudolf  sein  Burgund  nicht  der  salischen  Familie,
  sondern  dem  Kalser  und  Reich  vermacht  hatte.  Ernst  verband  sich  mit  zwei  altschwäbischen
  Grafen,  Rudolf  Welft)  und  Werner  von  Kyburg,  seinem  treuesten
  Freunde.  Sie  fielen,  während  Konrad  in  Italien  war,  in  Burgund  ein,  sengten
  und  brannten  und  setzten  sich  in  Solothurn  fest.  Der  Kaiser  kam  eilig  zurück
und  hielt  zu  Ulm  großen  Reichstag  (1027).  Ernst  erschten  an  der  Spitze  vieler
schwäbischen  Dlenstleute  und  hoffte  mit  Trotz  sein  vermeintliches  Recht  durchzusetzen.
  Gisela  redete  zum  Frleden,  aber  vergeblich.  Wie  es  aber  zur  Entscheidung
kommer  sollte,  hatte  sich  Ernst  an  seinen  Schwaben  verrechnet.  Sie  erklärten  ihm,
daß  der  dem  ertog  geleistete  Schwur  sie  nicht  von  dem  für  Kaiser  und  Relch  geleisteten
  entbinde.  Wenn  also  Ernst  mit  dem  Reich  in  Fehde  liege,  so  seien  sie  zunächst
  diesem  verpflichtet.  So  ward  Ernst  zu  Ulm  verlassen,  entwaffnet  und  als
Reichsverräther  auf  der  Feste  Gibichenstein  in  Sachsen  gefangen  gesetzt.  Wolf
wurde  des  Landes  verwiesen  und  Werner  floh,  nachdem  er  mehrere  Monate  seine
Burg  heldenmüthig  vertheidigt  hatte.  Ernst  wurde  nach  dreijähriger  Gefangenschaft
  von  Konrad  wieder  freigelassen  und  erhielt  zugleich  das  Versprechen  der  Zurückgabe
  des  Herzogthums  Schwaben,  wenn  er  den  geheimen  Aufenthalt  Werners
verrathe.  Ernst  aber  rief  aus:  „Wie  sollte  ich  den  verrathen,  der  mir  einzig  treu
geblieben!“  Sofort  wurde  er  in  die  Reichsacht  erklärt.  Er  floh  zu  seinem
Freunde  Werner  und  führte  mit  diesem,  um  das  tägliche  Brod  zu  gewinnen,  im
Schwarzwald  ein  Räuberleben  (von  der  Feste  Falkenstein  bei  Schramberg  aus,
wo  sie  Adalbert  von  Falkenstein  in  Schutz  genommen  hatte).  Endlich  schickte  Bischof
  Wermann  von  Konstanz,  der  Verweser  des  Herzogthums,  den  Grafen

1)  Siehe  hierübe  Näheres  in  Menzels  Geschichte  der  Deutschen,  Bd.  I.,  S.  322  f.