Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

1.  Nov.

26.  Dez.

172  Zweites  Buch.  V:  Die  Wiedererlangung  Bayerns.

nur  Bewittung  bei  seiner  Anwesenheit;  die  Stiftung  zu  Bosau  war  zwar
Gerold  treu  geblieben,  aber  besaß  selbst  keine  genügenden  Mittel.  So  sauer
es  auch  Gerold  wurde,  er  sah  sich  genötigt,  sich  an  seinen  Gegner  Hartwich
zu  wenden.  Dieser  ließ  ihn  zuerst  gar  nicht  vor.  Dann  grüßte  er  ihn  mit
keinem  Worte,  und  als  Gerold  zu  reden  begann,  fiel  ihm  der  Erzbischof  ein,
machte  ihm  bittere  Vorwürfe  über  seine  Reise  nach  Rom  und  zeiate  ihm
einen  Brief  des  Papstes,  in  dem  dieser  Hartwichs  Oberhoheit  über  Gerold
von  neuem  anerkannte.  Endlich,  auf  die  demütigen  Bitten  des  Bischofs  und
aus  Furcht  vor  dem  herannahenden  Herzoge  Heinrich  gab  der  Erzbischof  nach
und  schloß  sogar  mit  Gerold  ein  förmliches  Freundschafts-,  Schutz=  und  Trutzbündnis").


Und  allerdings  kam  der  gefürchtete  Herzog  nach  Bremen,  und  zwar  als  strafender
  Rächer'").  Zuerst  an  dem  Erzbischof  selbst,  dem  auf  den  ronkalischen
Feldern  die  Lehen  abgesprochen  worden  waren,  ebenso  wie  dem  Bischofe
Ulrich  von  Halberstadt“““).  Heinrich  dem  Löwen  war  jetzt  die  Exekution
dieses  Spruches  anbefohlen.  Obwohl  sich  Gerold  für  seinen  —  ihm  jetzt  befreundeten
  —  Erzbischof  eifrig  verwandte,  ließ  sich  Heinrich  doch  von  seiner
Pflicht  und  seinem  Rachegelüste  gegen  den  hartnäckigen  Gegner  nicht  abwendig
  machen,  belegte  alle  Schlösser  und  Besitzungen  Hartwichs  sowohl  wie
Ulrichs  mit  Beschlag.  Er  lieferte  die  bremischen  Güter  und  Einkünfte  aber
nicht,  wie  er  es  hätte  tun  sollen,  dem  kaiserlichen  Fiskus  aus,  sondern  zog  sie
für  sich  ein.  Auch  ließ  er  sich  von  den  Bürgern  Bremens,  ebenso  wie  vor
kurzem  von  denen  Regensburgs,  den  Huldigungseid  als  Lehnsherr  schwören.
So  hatte  er  sich  das  ganze  Bremer  Erzstift  unterworfen  —  eine  bedeutende
Ausdehnung  seiner  Macht  im  Sachsenlande,  wo  er  die  herzogliche  Gewalt
nicht  minder  unbedingt  zur  Herrschaft  bringen  wollte,  als  sie  es  schon  in
Bayern  wartf).  Aber  noch  einen  zweiten  Akt  der  Vergeltung  übte  er  zu
Bremen  aus.  Die  ditmarsischen  Friesen  hatten  sich  wieder  befreit  und  natürlich
  nun  unausgesetzt  dem  Herzoge  feind  gezeigt;  so  hatten  sie  schon  im  Jahre
1153  viele  Sachsen  erschlagensf).  Deshalb  hegte  Heinrich  beständig  Rachegedanken
  gegen  sie.  Da  aber  die  Jahreszeit  zu  weit  vorgerückt  war,  um  noch
etwas  ernstliches  gegen  sie  zu  unternehmen,  begnügte  er  sich,  die  zur  Messe
nach  Bremen  gekommenen  friesischen  Kaufleute  gefangen  zu  nehmen  und
ihre  Güter  mit  Beschlag  zu  belegen.  Nachdem  er  seine  Macht  an  der  Unterweser
  unangreifbar  aufgerichtet,  ging  der  Herzog  mit  Bischof  Gerold  nach
Braunschweig  und  feierte  dort  das  Weihnachtsfest.  Beide  nährten  große
Entwürfe  gegen  die  friesischen  und  slawischen  Länderf#t).

)  Helm.  I,  83  u.  a.:  Et  his  dictis  statuerunt  ad  invicem  amicitias,  Promittentes
alterutrum  in  necessitatibus  operam  vicariam.
½%½%)  Krit.  Erört.  Va.
5%%%%  Siehe  S.  154.
)  Hierüber:  Weiland,  Herzogtum,  117.

)  Chronogr.  Saxo,  p.  304.  —  Chr.  Mont.  Ser.,  p.  150.  —  Theod.  M.  Pal.,  p.  88.
ff100  Helm.  I.  83.