Volltext : Bismarck und das päpstliche Rom.

Der  Regierungsantritt  König
Wilhelms  I.

Mit  dem  Hingang  Friedrich  Wilhelms  IV.,  dessen  Ideale
im  Mittelalter  lagen,  schienen  ‚‚die  Tage  von  Aranjuez‘  für  das
päpstliche  Rom  im  Preußischen  dahin.  Auch  Wilhelm  I.  wollte
den  Frieden  und  die  weitgehendste  Kirchenfreiheit,  allein  nicht
auf  Kosten  der  Staatshoheit  und  der  Evangelischen.  Er  selbst
bekannte  sich  zum  Apostolikum  und  war  entschieden  kirchlich
gesinnt,  zugleich  aber  auch  ein  begeisterter  Freimaurer,  der  auf
Geistes-  und  Gewissensfreiheit  hielt.  Er  war  solcherweise  persönlich
  für  die  Vorfechter  des  päpstlichen  Rom  schwer  zugänglich.
  Um  so  zugänglicher  schien  den  römischen  Eiferern  dafür,
gleich  eingangs,  seine  Gemahlin,  die  spätere  Königin  und  Kaiserin
Augusta,  die  nicht  umsonst  jahrelang  zu  Koblenz  am  Rhein
in  der  ‚‚Pfaffengasse‘‘  residiert  hatte.  Es  galt  nunmehr,  möglichst
  geschickt  an  diese  heranzukommen.

Augusta,  Prinzessin  von  Preußen

Der  kluge  Kölner  Erzbischof  v.  Geissel,  hatte  bei  seiner
Fahrt  zur  Huldigung  nach  Berlin  die  Prinzessin  von  Preußen
dort  nicht  angetroffen.  Dafür  wartete  er  ihr  in  Koblenz  auf.
Seitdem  behandelte  die  Prinzessin  die  Kölner  Eminenz  bei  jeder
sich  darbietenden  Gelegenheit  mit  besonderer  Aufmerksamkeit
und  Auszeichnung.  Im  Laufe  der  Zeit  meinte  Geissel  annehmen
zu  dürfen,  daß  es  sich  dabei  um  mehr  als  nur  landesherrliche
Huld  handle.  Als  die  Prinzessin  im  November  1855  das  Protektorat
  über  das  Hospital  der  Barmherzigen  Schwestern  zu
Ehrenbreitenstein  übernahm  und  bei  der  Eröffnung  des  Spitals
einen  Kelch  mit  Patene  und  Löffelchen  stiftete,  entsandte  sie