Volltext : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

—  lei

Gütern  gekauft,  haben  Hunderttausende  erhalten,  sie  haben  es
aber  nicht  zwingen  können,  weil  unsere  kleinen  und  auch  die
größeren  Landwirte  der  dämoni  schen  Gewalt  der  Güterwucherer
nicht  widerstehen  können.  Sie  verheimlichen  den  Stand  ihrer
Verhältnisse  ihren  besten  Freunden  gegenüber.  Das  ist  ein  Krebsschaden,
  der  aufs  tiesste  zu  beklagen  ist.“  (Land  XIII.  227.)

Aus  der  Tätigkeit  der  Darlehnskassen  mögen  einige  Beispiele  folgen,
die  auf  das  dunkle  Treiben  der  Güterschlächter  ein  grelles  Licht  werfen.

Ein  Bauer  in  einem  Orte  Thüringens  berichtet:  Ein  Bauer,  der
allgemein  als  gutgestellt  galt  und  keine  Schulden  zu  haben  schien.  teilte
dem  Vorstand  des  Raiffeisenschen  Spar-  und  Darlehnokassenvereins  mit,

daß  es  aus  mit  ihm  sei,  denn  er  habe  sich  schon  seit  Jahren  heimlich
an  einen  Wucherer  gehängt,  der  ihm  jetzt  den  Garaus  machen  wolle,
indem  er  einc  neue  Verschreibung  mit  sehr  hohen  Zinsen  verlaonge.
Der  Vorstand  ließ  sich  alle  Verhältnisse  genau  beichten  und  berichten
Da  stellte  sich  dann  die  erschreckende  Tatsache  heraus,  da  das  Vermögen
  bon  rund  45  000  Mk.  an  Haus,  Hof  und  Grundbefitz  bis  auf
4000  Mk.  vollständig  verloren  war.  Seit  12  Jahren  hatte  sich  der  Bauer
mit  dem  Wucherer  eingelassen  und  nun  —  solch  ein  Ende!  Der  Vorstand
  trat  sofort  in  Tätigkeit,  denn  bisher  waren  nur  die  Wucherer
die  Herren  der  Lage  gewesen.  Sie  hatten  bis  zu  254  Gewinn
an  den  Kaufsummen  bei  Güterverkäufen  gemacht  und  jede  Einzelsorderung
  war  ein  Strick,  der  zum  Fangnetz  werden  konnte.  Daß  die
kleineren  Leute,  denen  bislang  barzellenweise  verkauft  worden  war,
unpünktlich  bezahlten,  war  den  Güterschlächtern  Gerabe,,  recht,  bekamen
sie  doch  dadurch  Gelegenheit,  weitere  Prozente  aus  dem  Geschäft  herausauschlagen
  und  den  Verkäufer  fester  an  sich  zu  ieben-  —  Der-  Noiffcisenverein
  verlangte  im  vorliegenden  Falle  von  dem  Wucherer  Rechnungslegung,
  und  da  besonders  aus  Vichwerkanssabschrüssen  dier  wucherischen
  wn,  und  da  i  herstammten,  so  wurden  die  An-  und  Verkäufe
genau  geprüft.  Da  lag  der  Hase  im  Pfeffer.  Die  Rechmung  stimmte
nicht.  Mit  Zuhilfenahme  des  Schultheißen,  des  Lehrers  und  des  Geistlichen
  des  Ortes  wurde  der  Wucherer  so  weit  Febracht.  daß  er  von
einer  Viehkaufgeldforderung  in  der  Höhe  von  9000  Mk.  4000  Mk.  nachlassen
  mußte,  denn  es  konnte  ihm  mit  Oilfe  der  .  des
Viehversicherungsvbereins  nachgewiesen  werden,  daß  er
falsch  aufgeschrieben  hatte.  Gerichtliche  Bestrafung  konnte  nicht  erfolgen
aus  ganz  sonderbaren  Gründen,  die  in  geschickten  Kniffen  des  Wuchecers
brruhten.  Nach  einer  genauen  Taxe  der  Grundstücke  wurde  mit  Hilfe
des  Kufsichtsrates  und  der  Gemeindevertretung  beraten,  welche  Grundstücke

  zu  veräußern  seien,  und  wer  etwa  darauf  bieten  könne.  Man
kerbanhunt-  mit  Grundstücksanliegern,  und  als  der  öffentliche  Verkaufstermin
  stattfand,  wurden  für  den  Grundbesitz  12  000  Mk.  mehr  erlöst.
so  daß  mit  Hilfe  der  naufnahme  einer  Hypothek  auf  der  Landeskasse  dem
Bauern  lein  Haus  und  noch  so  viel  Grundbesitz  verblich,  daß  er  ein

Veran  w“,  eine  ueriun  von  1½  *  “2½  für  ihre
vielfachen  Unkosten  und  Auslagen.  —  sind  in  dem  Orte  acht
solcher  Fristenderläufe  durch  die  Dorlehnskasse  erledigt  worden.  In
einem  Falle  hatten  wucherische  Glöubiger  den  Verein  beim  öffentlichen
Versteigerungstermin  recht  in  Schaden  bringen  wollen.  Die  Genossen
waren  aber  auch  helle  gewesen  und  ließen  die  Wucherer,  als  sie  sich