Full text : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

Er  hatte  seine  Freude  dran,  daß  mit  dem  kopflosen  Wüten  in
Dentschland  gegen  England,  weit  über  die  alldeutschen  Kreise
hinaus,  die  Geschäfte  der  französischen  Revanchepolitiker  besorgt
wurden.

Bülow  hatte  es  nicht  so  bequem,  die  Politik  strenger  Neutrali—
tät  im  Burenkriege,  die  einzige,  die  vernünftig  war,  vor  dem
Lande  zu  verteidigen.  Einen  besonderen  Anreiz  bekam  die  Partei—
nahme  für  die  Buren  noch,  als  im  Herbst  1899  bekannt  wurde,
daß  der  Kaiser  mit  der  Kaiserin  und  zwei  Prinzen  einen  schon
im  Frühjahr  zugesagten  Besuch  bei  der  greisen  Königin  Victoria
ausführen  werde.  Auch  die  Hamburger  Nachrichten  befanden  sich
unter  den  Blättern,  die  heftig  dagegen  protestierten,  daß  den  Eng—
ländern  durch  eine  solche  angeblich  familiäre  Reise  politisch  und
moralisch  ein  Vorteil  gewährt  werde.  Der  Besuch  wurde  natürlich
nicht  abgesagt  und  hatte  auch  keineswegs  ungünstige  Folgen.  Am
30.  November,  am  Tage  nach  der  Abreise  der  kaiserlichen  Herr—
schaften  von  London,  erklärte  Chamberlain  in  Leicester:  „Jeder
weitblickende  Staatsmann  hat  längst  gewünscht,  daß  wir  nicht
dauernd  auf  dem  Kontinent  isoliert  bleiben  sollten,  und  ich  denke,
daß  die  natürlichste  Allianz  die  zwischen  uns  und  dem  Deutschen
Reiche  ist.“

In  Reichstagsreden  des  Fürsten  Bismarck  und  in  Artikeln  der
Norddeutschen  Zeitung  kann  man  nachlesen,  mit  welcher  Schroff—
heit  er  sich  zur  Zeit  der  Battenbergiade  in  Bulgarien  über  die
Verquickung  von  Moral  und  Politik  und  über  die  deutsche  Neigung
ausgesprochen  hat,  den  Allerweltsschulmeister  zu  spielen.  Auch  in
der  ägyptischen  Frage  war  er  scharf  gegen  unverantwortliche
Zeitungsangriffe  auf  England  vorgegangen,  und  die  Besetzung
des  Nillandes  durch  die  Engländer  hatte  doch  gewiß  für  die  euro—
päische  Lage  viel  größere  Bedeutung  als  der  englische  Kampf  gegen
die  Unabhängigkeit  der  Burenrepubliken  in  Südafrika.  Bülow  hat
den  Stier  lieber  bei  den  Ohren  als  an  den  Hörnern  gefaßt,  d.  h.
die  Alldeutschen  in  seinen  Reden  immer  mit  einer  gewissen
Schonung,  mehr  launig  als  streng,  behandelt.  Nicht  bloß  deshalb,
weil  er  den  Beifall  ihres  Anhangs  unter  den  Parteien  der  Rechten
und  den  Nationalliberalen  ungern  missen  mochte.  Mit  der  un—
vergleichlichen  Autorität  Bisniarcks  konnte  Bülow  gegen  die  Ge—

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