Volltext : Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft. Neunter Band. Jahrgang 1853. (9)

Die  amtliche  Statistik  in  Königreich  Sachsen.  275

3  bei  F.  W.  Vogel  in  Leipzig,  die  übrigen  im  Selbstverlag  des  Vereins
erschienen)  und  in  einigen  gelegentlich  veröffentlichten  Tabellen,  Marktund
  Orts-Verzeichnissen  niedergelegt.  Während  die  früheren  dieser  Mittheilungen
  die  verschiedensten  Zweige  der  vaterländischen  Statistik  umfassen
und  mit  grösserer  oder  geringerer  Gründlichkeit  behandeln,  beschränkt  sich
der  Inhalt  der  späteren  nur  mehr  auf  die  Bevölkerungsstatistik,  so  dass  diese
seit  1840  fast  ausschliesslich  in  den  Vordergrund  tritt,  mit  Ausnahme  der
im  Jahre  1849  erschienenen  letztenLieferung,  welche  die  nach  vorgeschriebenen
preussischen  Schematen  erhobene  Statistik  der  Gewerbe  Sachsens  enthielt.

Nach  Innen  beweist  das  reichhaltige  Material  in  den  Acten  und  angelegten
  Büchern,  dass  der  Verein  ganz  besonders  in  der  ersten  Zeit  seines
Bestehens  nach  den  verschiedensten  Richtungen  hin  gesammelt  hat  und  zu
sammeln  bestrebt  gewesen  ist,  mit  vieler  Umsicht  und  Thätigkeit  gearbeitet
hat  und  so  den  Grund  zu  einer  vollständigen  positiven  und  vergleichenden
Statistik  des  Landes  gelegt  haben  würde,  wenn  nicht  sehr  bald  nach  dem
Tode  des  Herrn  von  Schlieben  leider  viele  der  eingeleiteten  Beziehungen
mit  dem  In-  und  Auslande  uncultivirt  geblieben  wären.  Darin  soll  durchaus
kein  Vorwurf  gegen  den  Verein  und  seine  nachherigen  Leiter  liegen,  denn
bei  allem  Eifer  und  aller  Befähigung  dieser  und  der  Mitglieder  des  Vereins
war  es  doch  eine  unausbleibliche  Folge  der  steigenden  Anforderungen  an
Vollständigkeit  und  Präcision  statistischer  Leistungen  und  an  Einheit  der
Ideen  und  der  Leitung,  dass  der  Verein  selbst  mit  Unterstützung  des  Staats
diesen  Anforderungen  nicht  genügen  konnte.  Dazu  fehlten  ihm  eben  so  sehr
die  austeichenden  finanziellen  Mittel  als  er  sich  auf  der  andern  Seite  der
nachhaltigen  Wirksamkeit  seiner  vielen  intellectuellen  Kräfte  durch  den  Umstand
  beraubt  sah,  dass  nach  der  eingetretenen  Reorganisation  von  1842  (auf
Grund  welcher  der  Verein  nur  aus  12  ordentlichen,  den  höchsten  und  hohen
Staatsämtern  des  Landes  angehörigen  Personen  fortbestand)  die  durch  die
vielen  Berufsgeschäfte  in  Anspruch  genommene  und  reichlich  erfüllte  Zeit  der
Mitglieder  nicht  mehr  ausreichen  und  diesen  gestatten  wollte,  sich  mehr  dem
Vereine  zu  widmen  als  es  nur  eben  dieser  Rest  von  Zeit  zuliess.  Natürlich
musste  sich  bei  den  übernommenen  Verpflichtungen  der  unausgesetzten  Pflege
gewisser  Zweige  der  Statistik  des  Landes  dadurch  die  Last  der  Directorialmitglieder
  dergestalt  vergrössern,  dass  sie  von  Seiten  des  Vereins  alsbald  Veranlassung
  ward,  den  Antrag  an  die  Staatsregierung  zu  stellen:  „es  möge
diese  selbst  die  statistischen  Arbeiten  des  Landes  in  die  Hände  nehmen  ;*
ein  Antrag  welcher  unter  so  bewandten  Umständen  und  gegenüber  der  Thatsache
  dass  in  den  meisten  andern  Ländern  solches  bereits  der  Fall  war,
vollkommen  gerechtfertigt  erscheint.

Diesem  Antrag  ward  durch  obenerwähnte  Verordnung  vom  2.  August
1850  entsprochen.  Unter  Uebernahme  sämmtlicher  Materialien,  des  Lokals
und  eines  grossen  Theils  des  Personals  wurde  am  gedachten  Tage  das  Bureau
des  statistischen  Vereins  aufgelöst  und  an  dessen  Stelle  als  unmittelbare
Dependenz  des  Ministeriums  des  Innern  und  unter  der  Leitung  eines  Ministe-18

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