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verarbeiten, zunächst für das Betriebsjahr 1914/15 und später auch für das
Betriebsjahr 19 15/16 außer Kraft gesetzt worden sind. Neuerdings ist ferner
geplant, Spiritus aus Sulfitzelluloselaugen nach einem Verfahren, das sich
in Schweden bewährt hat, und aus Holz zu gewinnen.
Die außerordentliche Knappheit an tierischen und pflanzlichen
Fetten und Ölen sowie auch an mineralischen Ölen hat tief ein-
greifende Beschränkungen in der Verwendung dieser Stoffe nötig gemacht.
Der Verbrauch an Treib- und Schmieröl — sowie auch an Gummi —
ist schon frühzeitig durch die auf Verminderung des Verkehrs mit Kraft-
fahrzeugen abzielende Verordnung vom 25. Februar 1915 stark eingeschränkt
worden. Indem hierdurch für die im Verkehr befindlichen Kraftfahrzeuge
eine erneute Zulassung gefordert wurde, ist die Möglichkeit gegeben worden,
die Fahrzeuge, die sportlichen oder Vergnügungszwecken zu dienen bestimmt
waren, ganz auszuschalten, die dem öffentlichen Verkehr dienenden durch
Verweisung des Publikums an sonstige Transportmittel bedeutend zu ver-
mindern und dadurch die Zahl der Kraftwagen (rund 50 000) bis auf die
Hälfte herabzusetzen. In gleicher Weise ist zufolge einer Verordnung vom
20. Juli 1915 die Zahl der Motorboote um über 1000 vermindert worden.
Der solchergestalt verminderte Bedarf an Schmieröl wurde dadurch sicher-
gestellt, daß die Verwendung von Erdölpech zu andern Zwecken als zur Be-
reitung von Schmieröl untersagt wurde. Inbesondere war hierdurch die her-
stellung von Fußbodenöl verhindert. Außerdem wurde das Ölen der Fuß-
böden, wozu immer noch 15 000 bis 20 000 Faß Mineralöl verbraucht wurden,
überhaupt verboten. Alles Erdölpech ist, um seine Verwendung zur Her-
stellung von Schmieröl sicherzustellen, an die Berliner Schmierölgesellschaft
m. b. B., eine unter Mitwirkung sämtlicher großen Erdölgesellschaften auf
gemeinnütziger Grundlage errichtete Kriegsgesellschaft, zu liefern.
Nachdem durch diese Maßnahmen die bei Kriegsbeginn drohende
Schmierölnot im wesentlichen beseitigt war, konnte dazu übergegangen
werden, die Verwendung tierischer und pflanzlicher Fette und Öle zu
Schmier- und ähnlichen Zwecken aufs äußerste einzuschränken und dadurch
den so geringen Vorrat der zur menschlichen Ernährung bestimmten
Fette und Öle zu vermehren. Der unmittelbare Verbrauch dieser
Erzeugnisse, insbesondere von Rüböl und Talg, auch Tran, im Frieden
ist für Schmierzwecke auf jährlich 8300 Tonnen, für Brennzwecke auf
3500 Tonnen errechnet worden. Dieser Verbrauch kann unbederklich
durch Mineralölerzeugnisse ersetzt werden. Nicht ganz verzichtet werden
konnte auf die Verwendung pflanzlicher und tierischer Fette und Öle zur
Herstellung von Brenn- und Schmiermitteln, die Mischprodukte darstellen
und bei denen ein gewisser Fettgehalt unentbehrlich ist. Diesen Verhältnissen
ist dadurch Rechnung getragen worden, daß, während die unmittelbare Ver-
wendung pflanzlicher und tierischer Fette und Öle zu Schmier- und Brenn-
zwecken verboten wurde, ihre Beimengung zu Mischprodukten insoweit zu-
gelassen wurde, als deren Fettgehalt 25 % nicht übersteigt. Eine weitere
bedeutende Einsparung an Öl ist dadurch erzielt worden, daß die Verwendung
von Farben, die pflanzliche oder tierische Fette und Öle enthalten, zum