so hatte er doch vor den Augen Europas und unter der Garantie einflußreicher
Großmächte eine unwiderlegliche pofitive Berücksichtigung für sein Haus gewonnen.
Der neue Besitz bot ihm Mittel zur Vermehrung seiner Kräfte, sein Genie die
Gewähr zur glücklichen Benutzung derselben.
Ganz entgegengesetzt, und eben so richtig von ihrem Standpunkte aus,
fühlte Maria Theresia. Allerdings war das Opfer der vorgeschobenen Grenz-Provinz
verhältnißmäßig ein nur kleiner Theil ihrer weitausgedehnten Besitzungen,
welche sie durch den Friedensschluß fast als gefichert ansehen durfte, aber dennoch
wies fie den Glückwunsch der befreundeten Gesandten unwillig mit den Worten:
„Nicht gratuliren, condoliren sollten Sie mir“ zurück; denn sie fühlte sehr wohl,
welche Wunde ihr durch den Triumph eines vor Kurzem noch so unbedeutenden
Gegners geschlagen, welcher Nebenbuhler in dem europäischen Staatensystem,
besonders aber in Deutschland, durch diesen Ausgang des Krieges für sie erwachsen
war. Das neue Königreich der Vandalen, welches man gar nicht hatte entstehen
lassen, nun aber, da es einmal entstanden, in engsten Schranken erhalten
wollen, begann dennoch sich jetzt zu entfalten, mit einer größern Zukunft, als
je vormals ein anderer protestantischer Staat des Continentes für sich in Anspruch
nehmen durfte. Ja Deutschland hatte, und nur auf den kecken Vorgang des
jungen Emporkömmlings gestützt, gewagt, dem Erben des Hauses Habsburg ihr
altes Vorrecht in Deutschland streitig zu machen, wie durfte also Maria Theresia
anders als mit dem tiefsten Groll auf einen Vertrag sehen, welcher diesen glücklichen
Gegner mit gewinndrohendem Erfolge krönte? — An den befreundeten
Höfen jedoch lautete ihre Sprache natürlich minder verletzend, denn sie machte
den Abschluß der Präliminarien bekannt, mit dem Bemerken, daß sie allerdings
große Opfer gebracht habe, doch nur, um die arglistigen Absichten der
Franzosen zu vernichten, welche darauf ausgingen, Deutsche durch Deutsche zu
Grunde zu richten.
Außer der höchst unsichern politischen Lage, in welcher sich Friedrich vor
dem Abschluß des Breslauer Vertrages befand, hatte ihn noch ein anderer,
wichtiger Grund zum Frieden gestimmt, nämlich die Erschöpfung seiner Geldmittel,
denn er hatte zu jener Zeit nur noch 150,000 Thaler in seiner Kasse.
Gleichwohl arbeitete er auch nach dem Eintritte der friedlichen Verhältnisse für
die Vertheidigung des Landes mit eben der Sorgfalt, als ob der Kampf für
ihn noch fortdauerte; das Heer wurde wieder um 18,000 Mann verstärkt,
so wie für die Befestigung passender Plätze in den alten und neuen Besitzungen
gesorgt.
Eine wichtige Aufgabe für Friedrich war die Regelung der Verwaltungs-Angelegenheiten
in seiner neuen Provinz. Sie wurde nicht der Leitung des
General-Direktoriums unterworfen, sondern erhielt in Ludwig Wilhelm von
Münchow, dem Sohne des Kammerpräsidenten von Küstrin, unter welchem
Friedrich seine ersten Studien im Verwaltungswesen gemacht hatte, einen
besonderen Vorstand. Er war Präfident zugleich für die Glogauer und Breslauer