350 Siebentes Buch. Flinftes Capitel.
goner und Grenadiere von dem rechten gestoßen, so daß diese letzten
besonders zahlreich waren, vor den Wällen von Breslau an. Seine
Aufstellung war darauf berechnet, daß der volkreichen Stadt die Zufuhr
abgeschnitten werden konnte; im Nothfall war er entschlossen,
mit seinen Grenadieren einen Sturm gegen die wenig wehrhaften
und jetzt durch die zugefrorenen Gräben nicht mehr geschützten Wälle
zu unternehmen.
Aber die Bürger von Breslau dachten an keine Feindseligkeit.
Den Heranrückenden schickten sie Lebensmittel in die nächsten Dörfer
entgegen; mit Wohlgefallen sahen sie von den Thürmen und Wällen
zu, wie die brandenburgische Kriegsmacht in ihrer Ordnung auf dem
schweidnitzer Anger aufmarschirte und sich unter ihren Fahnen und
Standarten nach den verschiedenen Vorstädten vertheilte. Mit besonderer
Theilnahme bemerkt die Chronik, wie S. Maj. Fridericus 1I
an jenem Sonntag um halb neun Uhr herangeritten kam, und in
dem Seultetischen Garten seine Wohnung aufschlug. Seine militärische
Umgebung in ihren knappen Monturen, mit den funkelnden
Gewehren erregte die Bewunderung der Menge.
Es kostete der Stadt kein langes Bedenken, daß sie die Neutralität
einging, welche der König anbot, wobei er sich nur vorbehielt,
in einer Vorstadt ein Magazin anlegen und von seinen
Truppen beschützen zu lassen. Jedoch den Dom entriß er der Besatzung
der Königin: er selber war bei dem ersten Einmarsch. Den
Geistlichen, die ihm bei der Kreuzkirche zitternd ihre Schlüssel überreichten,
sprach er freundlich Muth ein.
Man könnte fragen, ob er nicht besser gethan haben würde, sich
seiner Uebermacht zu bedienen, und zu einer militärischen Occupation
auch der Stadt zu schreiten. Noch hielt er aber an dem ursprünglichen
Gedanken einer so viel möglich friedlichen Besitznahme fest.
Hat er doch abgeschlagen, Schutzwachen zuzugestehen, weil man diese
nur in einem feindlichen Lande zu ertheilen pflege. Schon die Neutralität
und seine Aufnahme in der Stadt bot ihm einen unendlichen
Vortheil dar.
Wie unbestimmt sich auch Alles noch anließ, so machte sich doch
das Gefühl Platz, daß eine Veränderung auf immer vor sich gehe.
Den König selber setzte die Theilnahme in Erstaunen, mit der er
empfangen ward. Die Bürger gaben ihm ganz unumwunden ihren
Wunsch zu erkennen, daß er ihr gnädiger Herr sein und bleiben
möge. Diese Stufen, sagte der bisherige Director des sofort aufgelösten
Oberamtes, Graf Schaffgotsche, indem er die Treppen seiner