52 Die österrelchische Presse und die Bedeutung der Salzburger Zusammenkunft.
daß er damit wohl nur die österreichische Presse meinen könne, und namentlich auf
die Wiener Seitung „Die Debatte“ bingewiesen. Es ist aber nicht allein diese letztere,
sondern es sind sämtliche Seitungen, deren Berbindung mit der Kaiserlich Öfsterreichischen
Regierung nicht bezweifelt wird, und die für von Wien aus inspiriert und offifiös gelten-
den Korrespondenzen fremder Seitungen gewesen, welche mit einer seltenen Übereinstimmung
plötzlich jener, ursprünglich durch perfönliche Sympathien motivierten Susammenkunft eine
politische Bedeutung beilegten und von Ergebnissen derselben sprachen, welche in der
Tat geeignet waren, die volle Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung auf sich zu zieben.
Wir selbst haben jener Zusammenkunft von Anfang an nicht diese Bedeutung beigelegt
und baben keine Besforgnisse irgendeiner Art daran geknüpft, weil wir zu sehr davon über-
Jeugt waren, daß die gegenwärtige Lage in Curopa nicht dazu geeignet sei, für Kombina-
tionen eine Grundlage darzubieten, welche der Kaiserliche Reichskanzler selbst als absurde
Gerüchte bejeichnet. Ich bitte Ew. pp. aber, dem Freiherrn von Beust in öhren mündlichen
Unterbaltungen nicht zu verbehlen, daß wir selbst einigermaßen durch diese, allerdings
vorübergegangene Pbase in der für inspiriert angesehenen Journalistik in Berwunderung
gesetzt worden, um so mehr, da es uns nicht unbekannt geblieben, daß um dieselbe Seit
von franzölischen Agenten in anderen Teilen Deutschlands während weniger Tage auf ein
gegebenes mot d’ordre eine ganz ähnliche Sprache geführt worden, worauf dann wieder im
Sinn des französischen Zirkulars vom 25. Auguft infolge neuer Weisung eine berubigende
Sprache gefolgt sei. Auch auf die Übereinstimmung der österreichischen Journale in Ver-
breitung der absurden Gerüchte über preußisch = rufsische Allianz gegen Österreich werden
Sw. pp. binweisen können und durchblicken lassen, daß wir Urfache haben, dies nicht für ein
Ufälliges Zufammentreffen mit der Salzburger Entrevue m halten. Ew. pp. wollen aber
binmfügen, daß wir um go mehr befriedigt seien durch die politiven Erklärungen des Grei-
herrn von Beust; und Sie wollen den Aeichs kanzler erkennen lassen, daß wir diese Ver-
sicherungen in der Tat für aufrichtig halten, weil wir überzeugt sind, daß der leitende
österreichische Minister nicht geneigt ist, die für Osterreich möglichen Beziehungen zu uns
und zu Deutschland um der Vorteile willen zu opfern, welche eine Allianz mit GFrankreich
in einem gegen Deutschland feindlichen Sinne darbieten könnte.
*866. Votum für das Dreußtsche Staatsminsstersum.
[Kontept von der Hand des Vortragenden Rats Wagner.]
Im April 1867 batte Kultusminister v. êMühler dem Staatsministerium den Entwurf
einer Königlichen Verordnung vorgelegt, nach der für die künftigen Regierungsbejirke Kassel
und Wiesbaden ein gemeinsames Konjistorium, Drooinziellchulgolegium und Medizinalkollegium
eingerichtet werden sollte. Dagegen war von Dismarck in einem Votum vom §. April Ein-
spruch erhoben worden. Der Widerspruch stützte sich einmal darauf, daß über die ZSusammen--
legung von Hellen und Nassau zu einer rovin) noch kein definitiver Beschluß gefaßt war,
sodann auf die Aotwendigkeit, u einer Veränderung in der Kirchenverfassung nicht obne
vorige Anhörung der Beteiligten zu schreiten. Es bieß in Bejzug auf letzteren Dunkt in dem
Berunte: Ich babe mich schon früher ous politischen Gründen dagegen ausgesprochen, ur Zeit
auch nur für das vormalige Kurfürstentum Hessen ein Konsistorium zu bilden. Je schärfer
die kirchlichen Gegensötze sich in Kurhessen gegenüberstehen, um so dringender ist es gedoten,
eine Veränderung der bisherigen Kirchen-Versassung und Inltitutionen nicht ohne den Beirat
und die Mitwirkung der Beteiligten ins Werk zu setzen. Es tritt binzu, daß man auch in
Nassau an erfter Kee. ein 7 Konsiskorium wünscht und eventuell die Vereinigung mit
Koblen; der mit Kassel vorjußie
en scheint: ein Wunsch, der um so weniger ohne weiteres von