Full text : Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

20  Erstes  Buch.  Der  Freiheitskampf  und  seine  Enttäuschungen.

deure  dem  König  oder  dessen  Stellvertreter  präsentierte.  Mit
dem  fertigen  Entwurfe  eilte  am  13.  Februar  Graf  Ludwig  Dohna
nach  Breslau,  um  des  Königs  Bestätigung  einzuholen.  An  die
Ausführung  aber  wurde  sofort  Hand  angelegt.

In  Breslau  strömten  inzwischen  begeistert  die  Scharen  der
Freiwilligen  zusammen.  So  gewaltig  war  der  Andrang,  daß
die  anfangs  gesetzten  Altersgrenzen  weiter  hinausgerückt  und
die  belassenen  Exemtionen,  namentlich  der  Beamten,  aufgehoben
werden  mußten.  Aber  der  Bewegung  des  Volks  zu  folgen,
konnte  der  König  sich  noch  nicht  entschließen.  Ein  Glück  war
es  daher  für  diese,  daß  die  Furcht  vor  einem  französischen
Gewaltstreich,  zu  dem  sich  das  von  den  Russen  bei  Kalisch  geschlagene
  Reyniersche  Corps  mit  denen  Greniers  und  des  von
Polen  heranziehenden  Poniatowski  vereinigen  zu  wollen  schien,
ihn  bestimmte,  am  12.  Februar  die  Mobilmachung  der  in
Schlesien  und  Pommern  stehenden  Truppen  anzuordnen  und
für  den  Fall  eines  Angriffs  unter  lobender  Gutheißung  des
von  ihm  Gethanen  York  zum  Oberbefehlshaber  in  Preußen
und  Pommern  zu  designieren,  mit  der  Weisung,  den  Krieg
im  Rücken  der  Franzosen  kraftvollst  zu  führen.  Aber  noch  nahm
auch  Hardenberg  den  schwächlichen  Gedanken  einer  Vermittelung
wieder  auf  und  bemühte  sich  um  einen  Waffenstillstand.  Wie
ein  klärendes  Gewitter  fuhr  in  dieses  Wirrsal  die  Kunde  von
der  Selbsthilfe  Ostpreußens.  Sie  sprach  den  Franzosenfreunden
das  Urteil.  Was  dort  gethan  war,  ließ  sich  nicht  ungeschehen
machen.  Frankreich  gegenüber  gab  es  da  kein  Zurück:  ging
der  König  nicht  mit,  so  ging  man  ohne  ihn  weiter,  und  sicher
folgten  dann  Brandenburg,  Pommern  und  Schlesien,  zumal,
wie  Scharnhorst  annahm,  in  diesem  Falle  England  und  Rußland
  alles  thun  würden,  um  Preußen  seine  Unterthanen  abspenstig
  zu  machen.  Der  Jubel,  mit  dem  am  20.  Februar
verwegen  streifende  Kosaken  bei  ihrem  Erscheinen  in  Berlin
begrüßt  wurden,  sprach  deutlich  genug.

Thatsächlich  waren  die  Zügel  der  Regierung  der  Hand
des  zaudernden  Königs  bereits  entfallen.  Eigenmächtig  traten
Heer  und  Volk  in  den  Freiheitskampf  ein.  York  brach  aus
den  Quartieren  bei  Elbing  auf.  Am  19.  Februar  ging  er