Metadata : Geschichte der Hohenzollern.

—  1013  —

Von  pofitiven  Folgen  der  ständischen  Provinzial-Verhandlungen  ist  die
von  den  ost=  und  westpreußischen  Ständen  vorgeschlagene,  von  dem  Könige
genehmigte  und  später  auch  von  den  anderen  Provinzen  angenommene  Einführung
  der  Schiedsrichter  zur  Vereinfachung  der  Justizpflege  besonders  hervorzuheben
  (1827).

Die  große  Bewegung,  welche  nach  dem  Sturze  der  älteren  Bourbonen,
im  Juli  1830,  einen  großen  Theil  Europas  ergriff,  war  dem  Fortschritte  der
ständischen  Institute  keinesweges  günstig.  Es  erwachte  von  Neuem  die  Besorgniß
  vor  zu  schnellem  Gange  der  Dinge.  Das  umsichtige  Benehmen  des  Königs
  in  den  politischen  Verwickelungen,  welche  aus  den  Juliereignissen  zu  folgen
drohten,  und  wiederum  einen  Beweis  für  den  durch  reiche  Erfahrung  gewonnenen,
  richtigen  Takt  gab,  erhielt  auch  im  Ganzen  und  Allgemeinen  die  Zufriedenheit
  in  dem  weiten  Umkreise  des  preußischen  Gebietes,  zumal,  da  mit
ununterbrochener  Thätigkeit  an  der  geistigen,  wie  materiellen  Cultur  redlich  und
gewissenhaft  gearbeitet  wurde.

In  dieser  stillen,  aber  segensreichen  Wirksamkeit  nahte  endlich  für  Friedrich
Wilhelm  III.  die  Stunde  des  irdischen  Scheidens.  Wer  erinnert  sich  nicht  mit
tiefer  Erschütterung  des  verhängnißvollen  Augenblicks,  wo  nach  kurzer  Krankheit
die  überraschende  Kunde  erscholl:  „Friedrich  Wilhelm  III.,  der  Gerechte,  ist
nicht  mehr.“  (vien  Juni  1840.)  Da  flossen  Thränen  der  wahrsten  und
tiefsten  Wehmuth.  Alles  drängte  sich,  um  noch  die  letzten  Reste  des  geliebten
Monarchen  zu  erblicken  und  sein  segnendes  Gebet  dem  zum  ewigen  Frieden
eingegangenen  Gerechten  nachzusenden  und  vom  Himmel  zu  erflehen,  daß  der
Geist  der  Weisheit  und  Liebe,  welcher  ihn  belebte,  fort  und  fort  über  seinem
Volke  walten  moöchte.

Friedrich  Wilhelm  Ul.  Charakter,  Königin  Lnise  und  die  königliche
Familie.

Friedrich  Wilhelm  III.  Segensspenden  für  das  preußische  Volk  würden
wir  nur  zur  Hälfte  begreisen,  wenn  wir  nur  die  Geschichte  seiner  Regierung
und  seine  öffentliche  Thätigkeit  in's  Auge  faßten;  denn  wie  heilbringend  diese
auch  immerhin  war,  so  wurde  sie  doch  von  dem  Einfluß  überboten,  den  das
schöne  Vorbild  eines  in  jeder  Beziehung  edlen  Lebenswandels  auf  sein  mit
treuer  Hingebung  zu  ihm  aufblickendes  Volk  ausübte.

Es  ist  eine  große  Sache  bei  einem  Regenten  um  einen  durchaus  sittlichen
Charakter;  er  ist  zwar  minder  glänzend,  als  Heldenthum  und  geniale  Herrschergröße,
  doch  sind  seine  Einwirkungen  oft,  wenn  auch  nicht  so  schlagend,
segensreicher,  denn  fie  schürzen  ein  unzerreißbares  Band  der  Liebe  und  des
Vertrauens  zwischen  Volk  und  Fürsten,  und  hierauf  gründet  sich  gewiß  die
sicherste  Hoffnung  auf  Festigkeit  und  Dauer  eines  Staates.  Eine  sittliche  Erscheinung
  der  Art  war  Friedrich  Wilhelm  III.  auf  dem  Throne,  nicht  nur