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Seitdem die Pacifichahn vollendet wurde, die den Atlantischen mit
dem Stillen Ozean verbindet, sind Ost und West ganz nahe gerückt
worden. Auf diesem 700 Meilen langen Eisenwege von Neuyork
bis St. Franzisko durchrast der Dampfzug in 6—7 Fen die
endlos scheinenden Prärien, wo ehemals der Büffel hauste, die
dichten Urwälder, in denen der Indianer jagte, übersteigt Höhen
von 2500 m, überfliegt auf kühnen, turmhohen Brücken reißende
Ströme und unzugängliche Abgründe. Die Stationen wachsen mit
Riesenschritten zu großen Städten empor, und das Land rechts und
links verwandelt sich wie durch Zauber in fruchttragende Felder.
Das gesamte Eisenbahnnetz der Erde umfaßte bereits zu Ende
des Jahres 1908 nach statistischen Berechnungen etwa 1 Million km
und hat sich seitdem noch bedeutend entwickelt. Von den europäischen
Staaten hat Deutschland die meisten Eisenbahnen, nämlich 60000 km.
In bezug auf die Dichtigkeit des Eisenbahnnetzes steht Belgien
obenan.
Die Eisenbahnen, dieser Triumph des menschlichen Geistes,
haben eine wesentliche Veränderung in dem gesamten Kulturleben
des Menschen und der Völker hervorgebracht. Sie haben dem
Handel und dem Verkehr sowie auch der Industrie eine ganz
andere Gestalt gegeben, indem sie das Reisen und das Versenden
der Waren bedeutend erleichtern, es viel schneller, wohlfeiler, regelmäßiger
und pünktlicher bewerkstelligen. Sie bringen die Erzeugnisse
und Waren des Südens nach dem Norden und die Produkte
der nordischen Gegenden nach dem Süden, bewirken dadurch eine
Ausgleichung der Preise und machen Teuerungen und Hungersnot
selten. Die Eisenbahnen überwinden die Hemmnisse des Raumes
und der Zeit, bringen die Menschen in ihrem Denken und Empfinden
einander näher und fördern dadurch den Austausch der Ideen,
erweitern den Anschauungskreis der Menschen und sind somit die
Träger der Kultur und Zivilisation. Die Wehrhaftigkeit und militärische
Stärke eines Landes wird durch ein zweckmäßig angelegtes
Eisenbahnnetz wesentlich vergrößert, der Transport großer Truppenmassen
wird beschleunigt, die großen Schwierigkeiten der Ernährung
und Versorgung großer Armeen werden überwunden, die Beförderung
von Kriegsmaterial und die Fortschaffung von Kranken und Verwundeten
ungemein erleichtert.
Derartige nützliche und weitverbreitete Einrichtungen wie die
Eisenbahnen, die nur durch das regste Zusammenwirken der verschiedenen
Kräfte zustande kommen können, müssen unsere Bewunderung
in höchstem Maße hervorrufen. Man denke nur an die
oft geradezu großartigen Bauwerke, die menschliches Genie ersann