Neuere oberſtrihterliche Erkenntniſſe. 283
Allein daraus folgt nicht, daß das bayer. Ldr.
bei Bürger8- und Bauersleuten die Unkenntniß des
poſitiven Rechts unter allen Umſtänden ſc<on kraft
des Geſeßes al8 entſ<uldbar betrachtet wiſſen will,
weil das Geſeß ganz allgemein vorſchreibt, das Vorhandenſein
der ignorantia ſei nach Geſtalt der Perſon
und Umſtände zu bemeſſen, und weil, wenn
au< die Anmerkungen annehmen, daß man Bürgern
und Bauern die Kenntniß des poſitiven Rechts
nicht zumuthen könne, hiebei immerhin vorausgeſekt
wird, daß ſich dieſes Recht als ſchwierig oder zweifelhaft
darſtelle, oder in fremder Sprache abgefaßt
ſei, ſo daß in Fällen, da dieſe Vorausſeßungen nicht
gegeben ſind, auc< bei den bezeichneten Perſönlichfeiten
die Annahme der ignorantia juris vincibilis
nicht ausgeſchloſſen iſt.
Wenn daher auc< das Berufungsgericht angenommen
hat, daß auf den der Landbevölkerung angehörigen
S. die geſeßlichen Beſtimmungen über die
ignorantia juris vinecibilis Anwendung fänden, ſo
kann doch von einer unrichtigen Auslegung bezw.
Anwendung der betreffenden Geſeßesſtelle nicht geſprochen
werden, während die thatſächliche Feſtſtellung
des Berufungsrichter8, der Beklagte habe von
der Exiſtenz und dem Inhalte des Geſ. v. 26. März
1859 genügende Kenntniß gehabt, mit der Nichtigkeit8beſchwerde
nach Proz.-O. Art. 791 nicht angefochten
werden könne. Urth. v. 26. März HVNr. 5838.
Militärpenſionsanſprüche. Anſtellung
und Beamteneigenſc<aft. Sergeant D. war
am 4. September 1868 und der Ober-Kanonier B.
am 21. April 14870 penſionirt, es waren Beide vom
1. Juni 1872 an als Diener am bayeriſchen National
- Muſeum angeſtellt, und in deſſen Folge war
vom 14. Januar 1874 an die ihnen bis dahin bewilligte
Militärpenſion eingezogen worden. Sie