334 Disziplinär ahndungswürdige Prävarikation.
2.
Disziplinär ahndungswürdige Prävarikation.
Agl. Seuff ert's Komm. über die baver. GO. Aufl. II Bd. 1
S. 358 lit. b Note 55.
Dem Advokaten eines Klägers wurde von diesem
kurz vor Erlassung eines Erkenntnisses das Mandat
gekündet und wurden ihm die Manualakten abgenommen.
Nach Verkündung des Erkenntnisses,
gegen welches Kläger appellirte, wandte sich Beklagter
an den früheren Anwalt des Klägers und dieser
fertigte die Nebenverantwortung, welche der Beklagte
später bei Ertheilung förmlicher Vollmacht genehmigte.
Das 2 G. ertheilte dem Advokaten einen
Verweis, da dieses Verfahren durch GO. Kap. II
§. 5 Nr. 6 verboten sei. Der Anwalt ergriff hiegegen
unter Berufung auf die Anmerkungen zur angeführten
Stelle der GO. lit. x Nr. 5 den Rekurs,
wurde jedoch mit demselben abgewiesen, weil, wie
der oberste Gerichtshof ausführte, das Verbot des
Uebertrittes zur Gegenpartei in §. 5 Nr. 6 a. a. O.
so unbedingt und uneingeschränkt aufgestellt sei, daß
dagegen die Aeußerung Kreittmayr's in den Anmerkungen
dazu nicht in Betracht kommen könne.
OAGErk. v. 10. Septbr. 1861. RNr. 1242 5%1
77.
3.
Die durch 8. 15 des Ediktes Beil. IX zur VU. festgesetzten
Rekursfatalien sind auch bei Rekursen gegen solche Erkenntnisse
einzuhalten, welche geringere Disziplinarstrafen, die
nicht zur Vorgerichtstellung führen, aussprechen.
Ueber die in der Aufschrift berührte Frage war
früher die Ansicht der Gerichte und des obersten
Gerichtshofes selbst getheilt. Von der einen Seite