Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

ummer  166

EAI

Sonntag,  22.  Juli  1917

 

 

d  darauf  legte  auch  Abg.  Osel  ein  Hauptgecht
  —  verlangt,  dah  die  Ergänzung  der  bayechen
  Gesandtschaft  in  Berlin  durch  Abordnun
ser  mit  dem  bayerischen  Wirtschafteliben  beders
  vertrauten,  wissenschaftlich  und  handelelitisch
  geschulten  Persönlichkeit  (Wirtschaftstache)
  in  Erwägung  gezogen  werde.  Die  Einhrung
  staatlicher  Mon-pole  soll  nur  insoweit
wogen  werden,  als  oringende  Staatsnotwen--gleiten
  zur  Gesundung  unserer  Finanzen  diese
tbedingt  erheischen.  Bezirksamtmann  Tr.
chmelzle  wies  darauf  hin,  dah  die  baherische
egierung  bereits  bisher  im  Sinne  der  ersteren
nregung  gehandest  habe  und  auf  entsprechende
ertretung  Bayerns  im  Berrat  dis  Reichskomissars
  für  Uebergangswirtschaft  hingearbeitet
ibe.
Aus  den  Nachmittagsderhanolungen  sei  vor
lem  die  Behanolung  der  Frage  der  Kohlen--rsorgung
  der  bayer.  Industrie  erwähnt,  über
e  der  Syndikus  der  Regensburger  Hanoelsmmer,
  Dr.  Clarus,  berichtete.  KohlengroßhändiP'
  Nast-München  verbreitete  sich  eingehend  über
e  Kohlenzufuhr.  Die  böhmische  Kohle  iit  uns
sperrt,  weil  schlesische  Kohlen  nscht  mehr  nach
esterreich  ausgeführt  werden  oürsen  und  inlgedessen
  Oesterreich  seine  Kohlen  (elbst  braudt.
in  Antrag,  durch  den  u.  a.  die  Staatsregierung
sucht  wird,  alle  geeigneten  Maß  nahme  n  zut
ersorgung  der  bayerischen  Industrie  mit  Kohe
  zu  treffen,  wurde  einstimmig  angenommen.
inmutig  sprach  sich  der  Handelslammettag  nach
m  Referate  des  Getreidegrohhändlers  Hms
surr  München  gegen  em  Grohhandelem?o#
:  die  Minislerien  des  Aeußern  und  des  Innr
  sollen  gebeten  werden,  die  Wünisthe  des
terischen  Getreide-  und  Futtermilttelhandel?
rrlorpert  im  „Behag“  in  dieser  Beziehung  zu
rrücksichtigen.  Für  ein  Getreidehandelsmon#p#
hlen  alle  Erfahrungen;  Nutzen  daven  hatte
emand.
Weitere  Reserate  wurden  nech  erila't:t  her
,Ba  -Oestrechische  Arbeitsgemeinschaft
vu  di  Ausgestaltung  d#r  Donau-Wasserstraße“
ud  über  „Kohlenmonopol“  Berichterflatterin
c  CnssocFtmnnw  Ncgnsbnkqulhtkc
seferat  wurde  led  glich  zur  Kenntnis  ge  nommen,
ne  Stellungnahme  dazu  nicht  getroffen.  Junizu
  Häberleln  von  der  Handelslammer  P  assau
serierte  über  die  Kosten  der  Schiedsgerichte  bei
en  Handelskammern,  Dr.  K  tiel-Würzburg  über
ic  weite  Tagung  der  Vereinigung  sudwestdentbter
  Hindelskammern  in  He  delberg.  Das  Nal
  uber  „Ausbreitung  der  Aluminium-Inuitrie
  in  Bayern“  wurd:  von  der  Tag:serdung
  abgesetzt.

Serschiedene  Nachrichten.

Sltuttgart.  20.  Juli.  Gegen  ungesunde
„runditückspekulationen  richtet  sich  ein  Erlaß  des
ci.  Generalkommandos  des  13.  (würktbg.)
Irmeeletps.  Danach  isl  der  Verlauf  zandwirtbeil.
  Grundstücken  von  wenigilens  3  Heltaren
ut  z.1  (Genehmiqung  der  Bezirtsbehörden  geartel,
  und  verboten,  wenn  cs  sich  um  HSanoelsdelusationen
  hemdelt.

Mmhlheim  (Ruhr),  20.  Juli.  In  der  Füllation
  der  Thyssenschen  Fabriken  wurden  durch
sne  Emtiadung  17  Arbeiterinnen  gelotet  und

5  verletzt
Verlin,  20.  Juli.  Im  „Merseburger  Taglau“
  erläßt  ein  Fräulein  M.  N.  solgende  aufillig
  gesetzte  und  hübsch  umrandete  Anzeige:
Fesualich  der  Anzeige  des  Monteurs  H.  St.

1  Merseburg,  daß  er  seine  Verlobung  mit  mir
ushebe,  erkläre  ich  hiermit,  dab  ich  jedem,  der
in  Interesse  darau  hat,  den  Brief  zur  Verfüung
  stelle,  in  dem  er  mir  mitteilt,  daß  das
lergnügen  einer  Kriegerwitwe  ihn  zwinge,  die
folgen  zu  tragen,  und  mich  biltet,  ihn  nicht  zu
ar#t  zu  verurteilen,  da  er  genug  bestraft  sei.“
Berlin,  20.  Juli.  Die  Spareinlagen  der
iesiden  Sparkasse  haben  im  Monat  Juni  um
0  Millionen  Mark  zugenommen  und  Petragen
#bt  422  Millionen  Mark.  Es  wurden  5100/  neue
sparbücher  ausgegeben.  in  Händen  der  Sparer
ofinden  sich  849  148  Stück.

#

 

Ein  Wucherernest  ausgehoben.
Berlin,  20.  Juli.  In  seinem  Kampfe  gein
  die  Lebensmittelschieber  hat  das  preußische
riegswucheramt  in  den  letzten  Tagen  durch
shel  ung  einer  oberschlesischen  Kettenhändlerntrale,
  deren  Ausläufer  bis  Berlin,  und  Dresl
  gingen,  einen  vollen  Erfolg  erzielt.  Es  lonnte
ne  Wucherergesellschaft  von  14  Personen  verftet
  werden,  weitere  Festnahmen  stehen  noch
vor.  Den  Verhafteten  wurden  Waren  im
ert  von  über  eine  Million  Mark  abgenommen.
s  Kriegswucheramt  ermittelte,  daß  der  Kaufun
  Gustav  Oberländer  aus  Berlin-Wilmersif
  seine  Eigenschaft  als  Aufkäufer  für  das
te  Kreuz  und  für  die  Werke  Orenstein  und
ppel  dazu  nußbrauchte,  Lebensmittelgeschäfauf
  eigene  Rechnung  zu  machen,  ohne  hierfür
Dandeeersaub  zu  besitzen.  Er  benutzte
den  lebhaften  Verkehr  mit  seinen  oberschle-In
  Vieferanten  einen  eigenen  Tekegramm
üssel.  An  verschiedenen  Orten  und  in  ver-#sedenen
  Lagern,  besonders  in  Beuthen,  Katitz
  und  Königshütte  konnten  folgende  Wabeschlagnahmt
  werden:  14  Zentner  bester
armelade,  70  Zentner  Kriegsmus,  72  Zentner
ssee-Ersat,  1  Zentner  reiner  Bohnemdafsee,

   
 
   
  
   
   
 
 
  
  
  
  

 

16  Jentner  russischer  Tee,  18  Zentner  Dörrgerüse,
  75  Jeutner  Sauerkraut,  2  Zentner  Pfefsergurten,
  5  Zentner  Nudeln,  10  Zentner  Graupen,
  3  Zentner  Mehl,  3000  Dosen  frische  Heringe
  und  Bismarckheringe,  1000  Dosen  Oelsardinen,
  2  Tomen  Salheringe,  500  Dosen  Fisch-Ilöse,
  13  Zentner  Edamerläse,  100  Dosen  kondensierte
  und  350  Dosen  sterilisierte  Milch,
23  000  Suppen-  und  Bonillonwürsel,  2  Itr.
Kunsthonig,  3  Zentner  graue  Erbsen,  320  Ztr.
Seife,  34  Zentner  andere  Waschmittel  und  etwa
100  Kilo  Tabak,  Streichhölzer  und  anderes.
Diese  zu  Wutterpreisen  gehandelten  Waren  ließ
das  Amt  in  seche  Waggons  versaden  und  dem
Wassen.  und  Munttionsbeschaffungsamt  zur
Verwertung  für  die  Schwerstarbeiter  der  staatlichen
  Rüstungswerke  überweisen.

Die  Ueutegelnn  der  Kohlen-Verellan


 

Für  die  Kohlenverteilung  im  Reiche  scheint
bercits  ein  durchgreifender,  völlig  neuer  Organisationoplan
  ausgearbeitet  zu  sein,  denn  auf
dem  in  diesen  Tagen  gehajtenen  außerordentliden
  Bayer.  Handelskammertag  machte  der  Syndilus
  der  Hundelskammer  Regensburg,  Dr.
Csarus,  unter  lebhafter  Zustimmung  der  Teilnehmer
  die  Mitteilung,  daß  die  Kohlenverteilung
  von  unten  her  für  das  ganze  Reich  neu  gerecelt
  werden  wird  und  daß  man  bereits  in
Boyern  mitten  in  der  Neuregelung  sei.

Wie  belkannt,  haben  wir  Reichskohlenkommislaliate
  in  Verlin,  Mannheim,  Dresden,  Halle
und  Katlowitz.  Dazu  kommt  eine  Kohlenausgleichsstelle
  in  München.  Wie  verzwickt  diese
an  sich  so  einfach  aussehende  Organisation  war
ersicht  man  daraus,  daß  Mannheim  auch
Bauern  mitzuversorgen  hatte,  während  die  eigene
  bayerische  Kohlenausgleichs#itelle  in  Munchen
  lediglich  für  Belieferung  Bayerns  mit  höhmiichen
  Kohle  in  Frage  kam.  Der  Kohlen-Großund
  Kleinhandel  war  so  ziemlich  ausgeschaltet.

Die  Suche  mustte  schief  gehen.  Wie  schief  sie  gegangen
  ist,  das  haben  wir  ja  im  Spätwinter  und
Kühjahr  1917  alle  erlebt.  Die  eine  verantwortliche
  Stelle  wälzte  die  Schuld  auf  die  andere
und  vor  lauter  Abwäslzen  blieb  die  eigentliche
Kohlenarbeit  liegen.  Huus  und  Hof,  Landwirtschajt
  und  Induktric,  Handel  und  Gewerbe  slanden
  sch  ließlich  vor  einer  Kohlentrifis.

Dic  Organisation  von  oben  her,  deren  unheilvol.e
  Folgen  man  doch  sattsam  bei  den  srüheren
Verteilungs-  und  Nationierungemethoden  reichlic=
  geung  kennen  gelernt  aber  trotz  alledem  auch
bei  der  Kohle  wieder  vorgenommen  hatte,  war
bei  der  Pleite  angelangt.  Nun  erit  dachte  man.
wie  wir  in  der  „M.-A.  A.“  lesen,  an  das  ein-Gig
  Ricktige,  *r  die  O#l-  uillen,  von  unten.
Daneben  lautet  die  Hauptforderung:  Mehr  Förderung!
  Im  Reiche  wie  auf)  in  der  Donau-Monarcki
  ie.  Denn  man  darf  es  nicht  vergessen,
daß  wir  infolge  des  verschäriten  U.Boot-Krieges
auck  an  gemisse  Neutrale  beträchtliche  Kohlenmengen
  abgeben  müssen.  Soweit  es  die  Verhältnisse
  geslatlen,  wird  jeder  Bergarbeiter  von  der
Kronl  Frückgezogen.  In  der  Donau-Monarchie
Dat  man,  so  heißt  es.  sämtjiche  Hreresdienst  leisiende
  Bergleute  heimgeschickt,  ob  die  deutsche
Hecleslestung  dies  auch  tun  wird,  steht  noch  dahin,
  tatsächlich  sind  schon  sehr  weitgehende
Schritte  unternommen.

Die  bisherigen  Reick.  skohlenlommissariate  werden
  ausgehoben  und  dafür  ein  Reichskohlenbetiiebsamt
  in  Berlin  errichtet  werden.  Wie  denkt
man  sich  nun  die  Verteilung  der  Kohlen  durch
das  Kohlenbetriebsamt?  Da  iilt  man  auf  den
einzig  rick  ligen  Plan  verfallen  so  teilte  es
wenigstens  Dr.  Clarus  mit  „netzartig,  richtiger
  stationsartig  das  ganze  Neich  mit  Kob#-len--Otts-
  und  Kohlenbegzirksstellen  zu  überzie
hen.  In  dieser  Arbeit  ist  man  schon  mitten
drin.

Eine  Jweiteilung  der  Arbeit  wird  wohl  wieder
  bei  den  Ortsstellen  in  Frage  kommen,  nämtlic,
  die  Kohlenversorgung  des  Familienstandes
und  die  Kohlenversorgung  von  Handel,  Gewerbe
  und  Industrie.  Da  a  Fe  bereits  Regensburg
einen  begrüßenswerten  Vorschlag  gemacht.  Mae#strat
  und  Handelskammer  teilen  sich  in  die
Aohlenversongung,  der  Magistrat  sorg#  für  den
Hausbrand,  die  Handwerkslammer  für  die  Industrie.
  Das  Bindeglied  aber  zwischen  Verforgungsstelle
  und  Kohlenwerbraucher  kann  nur
der  Kohlenhandel  sein.  Ohne  den  Kohlenhanoel
ist  die  ganze  Organisation  ein  Schlag  ins
Wasser.  Je  tatkräftiger  man  den  Kohlenhandel
mit  heranzieht,  desto  besser  wird  die  Kohlenversorgung
  gehen.

Weitere  Betriebseinschränlung  wird  nicht  zu
Um  gehen  sein.  Die  Donau-Monarchie  tann
kaum  mehr  als  350  000  bis  400  000  Tonnen
böhmischer  Braunkohle  monatlich  an  Deutschland
  abgeben.  Von  dieser  benötigt  allein
Bayern  mindestens  200  000  Tonnen.  Wo  öleiben
  die  andern?  Bayern  muhß  auf  diesem  Onanlum
  bestehen,  denn  die  bayer.  Industrieanlagen
sind  in  ihren  Rostverhältnissen  nur  auf  böhmische
  Braunkohle  angewiesen.  Zudem  versagen
die  Pilsener  Steinkohlenreviere  die  sächsischen
Biikettwerke  liefern  an  Bayern  mit  jedem  Tage
weniger  und  aus  Schlesien  und  dem  Ruhrkohlengebiel
  erhält  Bayern  nur  ein  bestimmtes
Quantum  nach  der  Aufstellung  der  schlechteiten
Kohlenzeit,  nämlich  vom  1.  April  bis  1.  Juli

1914.  Daher  auch  die  ganz  besondere  Kohlennolt
  in  Bayern,  die  nirgends  sonst  in  Deutschland
  so  groß  ist.

Hofsentlich  verwirklichen  sich  die  Hoffnungen
al  c,  die  man  jetzt  an  die  Neuregelung  der  Kohleuverleilung
  knüpft.

Mäche#eNeigtue.

münchen.  20.  Juli.  Zum  Ritter  des  Mililär-Max
  Joseph  Ordens  wurde  der  Leutnant
d.  N.  Hi#ns  Neubert,  Bataillonsadjutant  im  1.
Jägerbataillon  ernannt.  Der  neue  Ordensrittei
  i#t  aus  Ansbach  gebürtig  und  Sohn  eines
bereite  verstorbenen  Regierungsboten;  er  sieht
im  120.  Lebensjahre.  Im  Jahre  1911  befland  er
die  Seminar-Anstellungsprüfung  und  wurde  im
Mai  1913  als  Hilfslehrer  an  die  Vollksschule
in  den  Plinganferstraße  in  München  berufen.
Sei  November  1919  ist  er  Leutnant  d.  R.  Das
Eneine  Kreuz  1.  Klasse  und  der  Militärver-=dienstorden
  mit  Szwerten  schmücken  bereits  seine
  Brufl.

München.  20.  Juu.  In  der  heutigen  Sitzung
  des  ftädtischen  Lebensmittelversorgungsausschusses
  kam  es  zu  einer  scharsen  Aussprache
wegen  der  in  der  Magistratssitzung  in  Augsburg
erhobenen  Vorwürfe,  daß  der  Münchner  Lebensmittelversorgungsausschuß
  das  ganze  Obst  wegkaufe
  und  verteuere.  Oberbürgermeister  Dr.  v.
Borscht  betonte,  daß  bei  der  Fortdauer  solcher
Angriffe  nichts  anderes  übrig  bleibe,  als  in
öffentlicher  Magistratsfigung  zu  ertlären.  daß
auf  die  gemeinsame  Arbeit  mit  solchen  Gemeinwesen
  im  bayerischen  Städtetag  verzichtet  werden
müßte.  Es  wurde  beschlossen,  daß  München
eine  Anfrage  an  den  Magistrat  Augsburg  richte,
welche  Angriffspunkte  in  Frage  lämen.

TMünchen.  20.  Juli.  Die  1.  „Bayernfahrt"
nad.  dem  Otcn,  iveziell  zur  Heresgruppe
Woyrich,  hat  am  Donnerstag  mit  der  Rückletn
  der  neun  Teilnehmer  nach  Munchen  ihr
Ende  gesunden.  Unter  Führung  des  Hertn
Haurtmanns  Semmelmann  vom  Bayerichen
Kriegeministerium  fuhren  die  He#ren  von  München
  aus  über  Berlin  und  Thorn  nach  Alcrandriowo
  und  Warschau,  besuchten  hauptsächlich
Bieit-  Sitowsl.  Baranowitschi.  Slonim,  das  Sto
belew-Lager,  Lesnaja,  Kriwosckin,  die  Beresniwitsch
  i-  Slellung,  Olrom,  Rogatschi,  Juchowil-(#i
  und  Pinsk,  wo  sie  überall,  sowohl  bei  den
Tiuppenteilen,
Die  lehten  2  Tage

 

 

wie

freudigie  Aufnahme  fanden.
galten  dem  Besucke  von  Warschau,  wo  die
Cheso  der  einzelnen  Verwaltungsabteilungen
Vorträge  hielten.  Es  war  Gelegenheit  geboten,
das  Lagerseben  und  die  Frontüellungen  in  oen
alervorderiten  Schützengräben  wie  im  Zumpfgelande
  zu  besichtigen  und  sich  uber  die  Haltung
und  den  tie  flchen  Ge  it  der  Führe-  wie  oer  en.
sod.en  Soldaten  zu  erfreuen.  Die  Herren  waren
jeweils  bei  den  Divisions-  oder  Brigadeflähen
zu  Tische  geladen,  auch  beim  Stabe  der  Heeresgruppe
  Woyrsck.

München.  20.  Juli.  Die  Stadt  München
hat  einen  bedeutenden  Grundkesitz,  dessen  Betricb
  nach  Möglichleit  den  kriegswirtschaftlichen
Anforderungen  angepaßt  wurde.  So  in  viel
Hedland  umgepflügt  bew.  kultiviert  und  in  den

D  enst  der  ans#ernalln  gestellt  worden.
zm  Schloßgut  Jemanning  sind  67  Schweizer-Milchtühe
  aufgestellt  worden,  täglich  werden
weit  uber  50  Liter  Milch  nach  München  eliefert.
  Das  Torfwerk  Jemgermoos  liefert  Torf
um  rechnet  man  heuer  mit  einem  Ertrag  von
60  u000  zentnern  Preßtorf  und  etwa  50  000
Zentuern  Stichtorf

München.  20.  Juli.  Die  behordlichen  Erbebungen
  über  die  umfsangreichen  Kartendiebnohse
  im  Eleltrizitätswerk  haben  ergeben,  daß
dabel  Kaiten  für  mehrere  hunderte  Zentner
Mehl  entwendet  wurden.  Einer  der  Kartenverlaufen
  dot  allein  in  einer  Wirtschaft  der  inneren
  Stadt  Karten  für  50.00  Kilogramm  Mehl
seil.  Daß#  der  Kaufmann  Joseph  Eberle,  der  bei
der  Verbrennung  der  Karten  als  Ausfsichtsbeamler
  wallen  sollte,  planmäßig  die  Diebstähle  betrieben
  hat,  erhellt  aus  der  Tatsacke,  daß  er  sich
bereite  schwer  beitrafte  Leute  zu  Mitarbeitern
Detaussu#e.  Eberle  hatte  ein  Taggeld  von  4

Marl  bezogen.  Die  Verbrennung  der  ungebrauckien
  Karten  wird  nunmehr  durch  die

Schutzmannschaft  überwacht.

München.  20.  Juli.  IJn  einem  Gaßthause  im
Tal  herrsckte  Aufregung  wegen  der  neuen  Bierverordnung.
  Besonders  ein  Stammgast,  der  Baufuhrer

  Holzenberger,  eregte  sich  ungemein.
.  Sckand  war's“,  sagte  er,  „und  a  Spotr,

wenn  ma  bei  dera  Hitz  nôöt  gnua  Bier  kriagn
tal.  Und  zwar  a  Bier,  dös  wo  ma  trinken  kann!
J  brauch  jetzt  im  Sommer  koa  Einheiz-Bier,  u.
im  Winter  heiz  i  mit  Kohlen.“

Bayerische  Nachrichten.

Vom  Walchensece,  20.  Juli.  Montag  und
Dienstag  fand  eine  Begehung  der  Baufieslen  des
Walchenseewertes  durch  die  Vertreter  der
Slaatsregierung  und  die  Vertreter  der  mit
dei  Ausführung  betrauten  Baufirmen  unter  Zubehung
  sach  verfständiger  Berater  statt.  Alsle  Benleiligten
  waren  der  Ansicht,  daß  die  ortlichen
Verhältnisse  für  den  Ausbau  des  Walchensee- 



 

lechnische  Schwierigkeiten  un  Bau  und  Betrieb

weikes  auherordentuich  gunstig  sind,  und  daß

 

dieles  großen  Unlernehmens  nicht  zu  befürchten
lind.

Garmisch,  20.  Juli.  In  München  wurden
wei  Holtelbedienuele  aus  Garmisch  verhaftet,  die
in  einem  Hotlel  in  Garmisch  Gäsle  um  Sachen
im  Werte  von  mehreren  tausend  Mark  bestohlen
hatien.  Ein  Teil  der  gestohlenen  Gegenstände
lonnte  den  Verhafteten  in  München  abgenommen
  werden.  Einer  der  Beteiligten  iit  ein  fah
neuflück  tiger  Soldat,  der  die  Stellung  in  Garmisck
  unter  einem  salschen  Namen  angetreien
balte.  Man  glaubt,  daß  noch  mehr  Personen
an  den  Diebtählen  beteiligt  waren.

Augsburg,  20.  Juli.  Auf  Antrag  des  Reserenten
  Recktsrats?  Seiderer  bewilligte  der  Macistrot
  einitimmig  zum  Ankauf  von  Beeren  einen
  Kred.t  von  500,0  Mark  und  zur  Eindeckung
mit  Eiern  für  den  Winterbedarf  einen  jsolchen
von  150700  Mark.  Wie  der  Reserent  darlegt.

wird  cs  gut  sein,  menn  die  Bevollerung  sich  nicht
allzu  großen  Ho##nungen  in  4  Bezug  auf  Frulb--fartoĩjelverĩorgung
  hingibt.  Die  in  Aussicht  geilellte
  Menge  reicht  laum  zu  einer  zweimaligen
Betleifung.  Im  weiteren  Verlauĩ  seiner  Ausfüh—
kungen  beiprict  Referent  mit  erfrischender  Deullicleil
  die  Lebenemittelversorgung  Augsburgs
und  die  Behandlung  durd  die  bayer.  Lebensmittelstellen
  besonders=  bei  Käse-  und  Wildbret?.
daun  das  wenia  gemeinfinnige  Norgeben  der  Lebensmiltelgesellsckait
  Munchen.  Bekannt  sei,  daß
die  Geiellich  ait  Abichlusse  mache,  die  preisverteuelnd
  fur  andere  Slädte  wirten  mussen.  Er
bewier  dies  durd  interessame  Borgange  beim
Obflauflauf.  Derartige  Manipusationen  lasse
sich  Augel  urg  lunsti  in  keiner  Weise  mehr  gefallen.
  Der  Referent  wurde  in  der  anschließe  *7
den  Ausiprade  gut  unterftützt.  zum  Schlusse
richleie  der  Reserent  unter  dem  Beisall  des
Magittratslollegiums  eine  erne  Mahnung  an
die  Gärtner  wegen  des  Gemusemarkies.

Forchheim.  20.  Julk.  Der  Ertrag  der  die:-sahrigen
  Kirichenei:  ne  in  den  Bezirken  Forchheim,
  (Gräfenberg  und  Ebermanmadt  hat  alle
Erwartunpen  ubertroffen,  er  werd  auf  212  bi
3  Millionen  Mart  heickanz,  Einzelne  Orschaften
haben  zmischen  707.0)  und  100000  Mark  fur
die  Kirschen  einaenommen.,  einzelne  Besitzer  von
Kirschengärlen  bie  zu  4/00./0  Mark.  Es  in  die
reickite  Kirschenernie  seilt  einem  Jahrzehnt.

Regensburg,  20.  Julsi.  Der  Stadimagiitrat
  hat  aud  die  bieher  bewilligten  Teucrungozulagen
  der  flädtischen  Beamten  und  Arbeiter
mil  Rückwirkung  bis  1.  Juli  erhöht.  Die  Beamten
  und  Lehrer  sowie  die  sonstigen  iländigen
Angestelten  mit  Monats  beiugen  soweit  ihr  Jallreseinkommen
  0300:  Mark  nicktüberteigt,  erhe  l
tcndieitnnttichenZittjetnitthtiinnhtnedkrk
digen  und  kinderlos  verwitweten  Beamten,  de—
ren  seitberine  zulage  auf  18.00  Mark  erhoht
wiid.  Tie  Arbeiter  erhallen  unter  Einzug  der
bisber  gewahrten  uonatlichen  Teuerunge  zur-Slammlohn
  arbeits  etagliche  Lohn-Vlacen
  und  zwar  die  Manner  75  Pig.,  die
Frauen  50  Pig.  Auwerdem  erbasten  dee  verbeiratelen
  Arbeiter  für  jedes  Kind  unter  15  Jah--ren.
  in  Ausnahmesällen  bis  zu  18  Jahren.  eine
arbenslaglicke  Kinderzulage  von  je  20

Uürnberg,  20.  Juli.  Eine  n
Uhrenerofhandlersfrau,  die  jeiu  5  Wochen  von
ihrem  Manne  gelreun  leble,  wurde  in  der  Zuche
  ihrer  Wohnung  am  Hühnerplatz,  mit  Leuch!
gas  vergiftel  let  aufgefunden.  Nach  Angabe  ibrer
  Angehorigen  wollte  die  Frau  heute  srub
mit  ihren  zwei  Kindern  in  die  Sommerfrische
abreisen.  Die  Kriminalpolizei  nahm  die  Verhaflung
  des  Cheman  nes  vor.

ürnberg.  20.  Juli.  Da#s  Gemeindctollegium
  ilimmte  dem  Magiktratobeschlu  zu.  wonach
vom  1.  September  an  auf  alle  Ssbomrechnun  ae
des  Eseltriz'tatswerfes  ein  1prozentiger  uschlaa
  erhoben  werden  ĩotll.  Es  wurde  hierbei
bemerti,  daß  die  außerordenklide  ledauerliche
Etrhebunn  eine  mur  groe  Bela  Nung  der  (#-schaitslenite
  daritelle,  da  sie  eine  Mehreinnahme
von  155½  ½  Marl  eu  Jahr  erbringen  solie.
daß  sic  aber  unter  den  gegelenen  Verbaltnisseals
  ein  „bitlete  Muß-  betrachtet  und  hingenommen
  werden  muse.  "“

Hirmasens,  277.  Juli.  Jn  die  gebeimnis
vohe  Mordangelegenbeit  des  Kaufmame  Lowenthal
  aus  Berlin  scheint  nunmehr  Licht  zu
dringen,  nachdem  die  u.  a.  als  Hauptmörder  verhafteten
  Kaufleute  Gebhardl-Sohn  und  Gel
hardt-  Bater  die  bieher  geübte  „Vorsicht“  sal
len  ließen.  Bekanntlich  dreht  es  sich  bei  demn:
Raubmord  auch  um  eine  verschwundenc.  von  der
Pfalzer  Bank  abgeholene  Summe  von  41  01#½)
Mark.  Cs  konnte  nunmehr  von  Pol  #zeibeamten
ein  sog.  „Kassiber“  (Mitteilung  in  Gaunerschrift)
  abgefangen  werden,  in  dem  der  in  Unterjuck
  ungshajt  besindsiche!  junge  (Gebhardt  seinen
ebensalls  verhafteten  Rater  nach  dem  Verlie
der  bewußten  41  0.0  -  befragt.  Ebenso  wurde
  in  dem  Betriebe  der  Famisie  Gebhardt  in
Pirmasens  ein  Stuck  Leder  gefunden,  an  dem
Menschenblmut  kledt,  das  von  dem  Mord  herrühten
  dürfte.  Die  Leiche  Lowenthals  selbst  lonne
noch  immer  nicht  endeckt  werden.  Man  vermutet,
daß  dieselbe  zerstüdelt  worden  ist  und  die  einzelnen
  Teile  vielleickt  verbrannt  wurdeit.

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Innsbruck.  20.  Juli.  Im  Siechenhause  am
Innrain  llarb  die  103  Jahre  alle  Luzia  Bet-