I. Die Abrechnung mit Oesterreich. 7
schuldig war, das heißt seine Ehre. Um keinen Preis wollte
er ähnlicher Mißachtung verfallen wie sein Vater. Dazu galt
es nicht bloß Kraft zu haben, sondern sie auch zu gebrauchen.
Unterhandlungen ohne gewaffneten Rückhalt bedeuteten nach
seiner Meinung nicht mehr als Noten ohne Instrument. Mit
einem solchen aber war die Diplomatie recht sein Element:
obgleich Antodidakt, bewegt er sich darin doch mit der Sicherheit
des Genies und machte mit schadenfrohem Behagen die Künste
der zünftigen Diplomaten zu schanden. Wohl hatte er im
Antimachiavell gefordert, um das Publikum von den falschen
Vorstellungen zu heilen, die es sich von der Politik mache,
wenn es darin nicht ein System der Weisheit, sondern der
Spitzbüberei vermute, solle der Fürst der Ehrlichkeit und der
Wahrhaftigkeit zu ihrem Rechte verhelfen. Trotzdem ist seiner
Politik gerade im Anfang ein stark machiavellistischer Zug eigen.
Er war nötig und nützlich: er half Preußen aus der Mißachtung,
in die es unter seinem Vater verfallen war, weil der
so gar nichts Machiavellistisches gehabt hatte. Doch hat Friedrich
diese diplomatischen Künste weder überschätzt, noch ihre
moralische Anfechtbarkeit verkannt. Sollen sie doch alle menschlichen
Leidenschaften ausnutzen. Sie sind ihm eine Taschenspielerei,
welche die Leichtgläubigen und die Dummen täuscht
und hineinlegt. Betrügt den Betrüger, instruiert er Podewils,
und lobt ihn als den „geschicktesten Gaukler“. Alle Künste soll
er spielen lassen, hier beruhigen, dort ermutigen; diese einschüchtern,
jenen schmeicheln; die einen beweihräuchern, die
anderen überlisten. Denn Spitzbuben gegenüber ehrlich sein
wollen, sei immer gefährlich; bringt Ehrlichsein Gewinn, will
er es sein; ist den anderen zu täuschen nötig, ist er bereit ein
Spitzbube zu sein. Aber so schnell er der zünftigen Diplomatie
ihre Künste abgesehen hatte: er gestand doch offen, daß er seine
Erfolge meist einem unverhofft günstigen Zusammentreffen der
Umstände verdanke, und bezeichnete sich deshalb geradezu als
ein außerordentliches Glückskind.
Daß mit Oesterreich abgerechnet werden müsse, stand für
ihn fest. Es fragte sich nur, auf welchem Wege und in welchem
Umfange. Das hing davon ab, welche von den noch schwebenden