Metadaten : Bismarck und das päpstliche Rom.

sie  sich  an  diesen  Bestrebungen  einer  Minorität  beteiligt  hätten.
Zumal  der  Bauer  habe  sich  stets  mit  großer  Energie  aufgelehnt
  gegen  jeden  Versuch,  die  Zustände,  von  denen  er  durch
seine  Väter  gehört  hatte,  wieder  herzustellen.  Die  Erbitterung
gegen  die  polnischen  Adligen  und  Gutsherren  sei  bei  den  polnischen
  Bauern  1848  eine  so  hochgradige  gewesen,  daß  die
Preußische  Regierung  im  Interesse  der  Menschlichkeit
genötigt  worden  sei,  andere  als  polnische  Truppen  gegen
die  Aufständischen  zu  verwenden.  Die  soldatische  Anhänglichkeit
  an  die  Preußische  Monarchie  hätten  die  polnischen  Truppenteile
  erst  mit  der  ihrem  Volkstum  eigenen  Tapferkeit  wieder  auf
den  böhmischen  Schlachtfeldern  glänzend  bewährt.

Die  Wiederherstellung,  führte  Bismarck  des  weiteren  aus,
eines  selbständigen  polnischen  Reiches  sei  eine  —  Utopie,
die  sich  nie  verwirklichen  werde.  Gebe  es  doch  im  ganzen  weiten
Umfange  der  einstmaligen  polnischen  Republik,  in  einem  Gebiete,
welches  zurzeit  24  Millionen  Menschen  bevölkerten  —  nur
6!/,  Millionen  Polen!  Mehr  Polen  als  diese  6!/,  Millionen
gäbe  es  in  der  ganzen  Welt  nicht.  Sie  müßten  daher,  um  ihren
Traum  zu  verwirklichen,  damit  beginnen,  drei  europäische  Großmächte
  zu  zertrümmern  und  dreimal  mehr  Menschen  ihrem
Schwerte  und  Zepter  unterwerfen,  als  sie  selbst  zählten.  Die
zu  Preußen  gehörenden  Gebietsteile  seien  zudem  nur  zurückeroberte,
  welche  die  Polen  einst  den  Deutschen  Rittern  entrissen.

Je  entschiedener  der  Preußische  Ministerpräsident  die  auf
nationale  Absonderung  und  Unabhängigkeit  gerichteten  Bestrebungen
  der  Polen  zurückwies,  desto  bereitwilliger  war  er,
ihnen  in  bezug  auf  ihre  Kirche  entgegenzukommen.  Aus  diesem
Gesichtspunkte  heraus  hatte  er,  wie  wir  uns  erinnern,  ihnen
schon  1865  sogar  einen  solchen  römischen  Heißsporn  als  Bischof
zugedacht,  wie  v.  Ketteler,  —  wenn  nur  der  betreffende  römische
Kirchenfürst  nicht  das  Deutschtum  dem  Polentum  hintansetzte!
Auch  jetzt  wieder  war  er,  da  nun  einmal  die  Polen  fanatische
Romgläubige  waren,  bereit,  sie  als  solche  gelten  zu  lassen.  Die
Abgeordneten  aus  den  polnischen  Bezirken  waren  seines  Erachtens
  nicht  befugt,  sich  als  Delegierte  der  polnischen  Nationalıtät
  im  Gegensatz  zur  deutschen  aufzuspielen,  wohl  aber
beauftragt,  die  kirchlichen  Interessen  der  Polen  als  Römischgläubige
  wahrzunehmen.  In  dieser  Beziehung  sollten  sie  seinerseits
  des  weitgehendsten  Entgegenkommens  versichert  sein.