Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

Die  Publicationen  der  Societät.  Die  Naturforscher.  237

Wissenschaft  geworden,  während  sie  bis  dahin  die  dienende  Magd
der  Mediein  und  der  Goldmacherkuust  gewesen  war.  Aber  StauL
war  nicht  nur  experimentirender  Chemiker,  sondern  auch  Arzt,  und
seine  Eigenart  bestand  darin,  diese  beiden  Aufgaben  nicht  vorschnell
zu  vermischen.  Der  Empirie  hat  er  auch  auf  den  Grebiete  der  Heilkunde
  gehuldigt,  aber  eben  deshalb  lehnte  er  die  mechanisch  -mathematischen
  Theorien  seines  Rivaleu  Horrmaxx.  die  ihm  in  fremdes
Gebiet  zu  führen  schienen,  ab  und  suchte  auf  ein  scheinbar  näher
liegendes  Element,  das  Prineip  des  Animismus,  die  Vorgänge  im
gesunden  und  kranken  Körper  zurückzuführen.  Unter  den  Berliner
Naturforschern  und  Ärzten,  die  zugleich  Mitglieder  der  Soeietät  waren,
ragen  besonders  der  viel  gereiste  und  mit  den  Gelehrten  des  Auslandes
  in  Verbindung  stehende  Caspar  NEUMANN,  der  Hofapotheker
(1683-1737),  Eıter,  der  Leibarzt  (1689-1760),  vor  allem  aber
Porr,  der  bedeutende  Chemiker,  der  Erforscher  der  Natur  «des  Porzellans
  und  Begründer  der  keramischen  Pyrochemie  (1692-1777),  hervor.
  Porr  hat  auch  zuerst  die  Natur  der  Bernsteinsäure  als  eine
Pflanzensäure  erkannt  und  andere  wichtige  chemische  Entdeckungen
vorbereitet.  Neben  diesen  Männern  standen  die  trefflichen  Anatomen
  Buppevs,  ein  Schüler  Borrımvr’s,  und  HoLTZEnDorRFF,  der  Reformator
  des  preussischen  Militärlazarethwesens  und  Begründer  des
Theatrum  Anatomicum,  denen  sich  bald  der  genaue  Beobachter  J.  Na-THANAEL
  LIEBERKÜHN  (1711-1756)  zugesellen  sollte.  Alle  diese  Gelehrten
  befanden  sich  in  scharfem  Gegensatz  zu  den  »Literaten«  und
den  Franzosen”  der  Soecietät,  deren  Arbeiten  sie  als  unnütz  und  unsolide
  bespöttelten.  In  dieser  Haltung  wurden  sie  durch  den  König
selbst  bestärkt‘.  Nur  der  Akademiker  Frıscu,  dessen  zoologische
Untersuchungen  anerkannt  waren,  der  aber  zugleich  als  Sprachforscher
  und  Historiker  Bedeutendes  leistete,  bildete  ein  Mittelglied
zwischen  den  beiden  Gruppen  der  Societät,  der  medicinisch  -chemi-I

  Sein  Name  lebt,  allen  bekannt,  in  der  »Pott-  Asche«  fort.
:  Es  gab  allerdings  auch  einen  Arzt  unter  den  Mitgliedern  der  Socictät.  der
Franzose  war,  Carrra;  aber  von  ihm  sagte  La  CrozE:  »  Vous  savez  le  nom  de  toutes
les  maladies  en  grec;  vous  n’en  savez  pas  guerir  une  en  francais.  Votre  art  est
doublement  muet«  (Barruonness,  Histoire  I  p-  86).

®  Umgekehrt  waren  die  »Literaten«  am  Hofe  der  Königin  gern  gesehen  und
waren  zum  Theil  die  Erzieher  der  königlichen  Kinder.  Hier  traf  man  die  Pastoren
BEAUSOBRE  und  Lesrantr,  JasLoxskı  und  Reisgeck  und  die  Franzosen  nv  Han.
La  CrozE,  Cnauvin,  NAUDE,  PELLOTTER  u.  Ss.  w,  Für  die  Zurücksetzung  am  Ilofe
des  Königs  entschädigte  sie  einigermaassen  die  Gunst  der  Königin,  und  den  Kronprinzen
  gewannen  sie  fir  ihre  Sache.