Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Aummer  178  W’sa#ss

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VDonnerstag,  6.  August  1014

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Die  Thromede  des  Kaisers  bei
Eröffuung  des  Reichslages.

Verlin,  4.  Aug.

Der  Kaiser  eröffnete  heute  mittag  1  Uhr
im  Weißen  Saale  des  K.  Schlosses  die  auHecordentliche
  Session  des  Reichstages  mit  solgender
  Thronrede:

Geehrte  Herren!

In  schicksalsschwerer  Stunde  habe  Ich  die  gewählten
  Vertreter  des  deutschen  Volkes  um
mich  versammelt.  Fast  ein  halbes  Jahrhnndert
  lang  tonnten  wir  auf  dem  Wege  des  Friedens
  verharten.  Versuche.  Deutschiand  kriege
rische  Neigungen  anzudichtlen  und  seine  *
lung  in  der  Wel!  einzuengen,  haben  unsere#s
Volles  Geduld  oft  auf  harte  Proben  gestellt.
In  unbeirrbarer  Redlichleit  hat  meine  Regierung
  auch  unter  herausfordernden  Umständen
die  Entwicklung  akler  sittlichen,  geistigen  und
wirtschastlichen  Kräfte  als  höchstes  Jiel  versolgt.
  Die  Welt  ijt  Jeuge  gewesen,  wie  unermüdlich
  wir  in  dem  Drang  und  den  Wirren
der  letzten  Jahre  in  erster  Reihe  standen,  um
den  Völlern  Europas  einen  Krieg  zwischen  den
Großmächten  zu  ersparen.

Die  schwersten  Gesahren,  die  durch  die  Ereignisse

  am  Vallan  heraufbeschworen  warcn,
schienen  überwunden  zu  sein.  Da  tat  iich

mit  der  Ermordung  meines  Freundes,  des  Erzherzogs
  Franz  Ferdinand,  ein  Abgrund  ang#.
Mein  hoher  Verbündeter,  der  Kaiser  und  König
  Franz  Josef,  war  gezwungen,  zu  den  Wafsen
  zu  greifen,  um  die  Sicherheit  leines  Reiches
gegen  gefährliche  Umtriebe  aus  einem  Nachbarstaat
  zu  verteidigen.

Bei  der  Verfolgung  ihrer  berechtigten  Intereisen
  ist  der  verbündeten  Monarchie  dar  tufrische
  Neich  in  den  Weg  getreten.  An  die
Seite  Oeslerreich-Ungarns  ruft  uns  nicht  nur
unsere  Bündniepflicht.  Uns  fällt  uugleich  die
gewaltige  Aufgabe  zu,  mit  der  allen  Kullurgemeinschaft
  der  beiden  Reiche  unsere  eigene
Stellung  gegen  den  Ansturm  feindlicher  Kräfte

schirmen.

it  schwerem  Herzen  habe  ich  meine  Acmee
  gegen  einen  Nachbar  mobilisieren  müisen,
mit  dem  sie  auf  so  vielen  Schlachtfeldern  gemeinsam
  gesochten  hat.  Mit  aufrichtigem  Leid
sah  ich  eine  von  Deutschland  treu  bewahrte
Freundschaft  zerbrechen.  Die  laiserlich  rusfische
  Regierung  hat  sich,  dem  Drängen  eines
unersättlichen  Nationalismus  nachgebend.  für
einen  Staat  eingesetzt,  der  durch  Vegünstigung
verbrecherischer  Anschläge  das  Unbeil  dieses
Krieges  veranlaßte.  Daß  auch  Frankreich  sich
auf  die  Seite  unserer  Gegner  gestellt  hat,  konnte
uns  nicht  überraschen.  Zu  oft  sind  unsere
Bemühungen,  mit  der  französischen  Republik
zu  freundlicheren  Bexiehungen  zu  gelangen,  auf
alte  Hoffnungen  und  alten  Groll  gestoben.

Geehrte  Herren!  Was  mensch  liche  Einsicht  und
Kraft  vermag,  um  ein  Volkl  für  die  jsegten
Entscheidungen  zu  mappnen,  das  ist  mit  Ihrer
patriotisch  en  Hilje  geichehen.  Die  Feinoseligkeit,
  die  im  Osten  und  Westen  seit  lange:r
zeit  um  sich  gegrissen  hat,  ist  nun  zu  hellen
Flammen  ausfgelodert.  Die  gegenwärtige  Lage
  ging  nicht  aus  vorhbergehenden.  Intecessentonflilten
  oder  diplomatischen  Konstellationen
  hervor,  sie  ist  das  Ergebnis  eines  seit
langen  Jahren  tätigen  Uebelwollens  qelen  die
Macht  und  das  Gedeihen  des  Deutschen  Reiches.



Uns  treibt  nicht  Eroberungslust,  uns  beseelt
der  unbeugsame  Wille,  den  Plag  zu  bewahren,
auf  den  Gott  uns  gestellt  hat,  für  uns  und
alle  lommenden  Geschlechter.

Aus  den  —#####tstücken,  die  Ihnen  zugegangen
  sind,  werden  Sie  ersehen,  wie  meine  Regierung
  und  vor  allem  mein  Kanzler  bis  zum
letzten  Augenblick  bemüht  waren,  das  Acupßerste
aakzuwenden.  In  ausgedrungener  Notwehr,
mit  reinem  Gewissen  und  reiner  Hand  ergreisen
  wir  das  Schwert.

An  die  Völker  und  Stämme  des  Deutschen
Reiches  ergeht  mein  Ruf,  mit  gesamter  Kraft.
in  brüderlichem  Zusammenstehen  mit  unseren
Bundesgenossen  zu  verteidigen,  was  wir  in
friedlicher  Arbeit  geschaffen  haben.  Nach  dem
Beispiel  unserer  Väter,  fest  und  getreu,  ernst
und  ritterlich,  demütig  vor  Gott  und  tampfesfroh
  vor  dem  Feind,  so  vertrauen  wir  der  ewigen
  Allmccht.  die  unsere  Abwehr  stärlen  und
zu  einem  guten  Ende  lenken  wolle!

Auf  Sie,  geehrte  Herren,  blickt  heute,  um
seine  Fürsten  und  Führer  geschart,  das  ganze
deutsche  Volk.  Fassen  Sie  Ihre  Entschlüsse
einmütig  und  schnell,  des  ist  mem  inniger

I
I
Dieckösiannqvegheichgtagei.

Berlin,  5.  August.

Unvergeßliche  Momente  sind  es,  die  sich
bei  der  Eröffnung  des  Reichstages  abspielten.
Seit  1870  gab  es  keinen  so  denkwürdigen  Tag

 

mehr  wie  der  d.  August  1914.  Der  Eröffnungsseier
  des  Reichstages  gingen  Gottesdienste  in
Berlin  voran,  an  denen  die  ganze  kaiserliche  Familie
  teilnahmen.  Zur  Eröffnung  sanden  sich
die  Abgeordneten  in  außerordentlich  großer
Zahl  ein.

Zuletzt  betrat  der  Kaiser  den  Saal,  in  feldgrauer
  Uniform,  und  trat  vor  den  Thronsessel,
  worauf  Präsident  Kaempf  ein  Hoch  auf
den  Kaiser  ausbrachte,  in  das  die  Versamm
lung  begeistert  einstimmte.  Dann  nahm  der
Kaiser  aus  den  Händen  des  Kanzlers  die
Thronrede  entgegen  und  verlas  sie  zunächst
mil  ruhiger,  sast  gedämpfter,  dann  aber  mit
mächtiger,  dure  den  Saal  hallender  und  die
Versammlung  tief  ergreisender  Stimme.  Bald
unterbrachen  Beisalleruse  seine  Worte,  die  sich
zum  Sturm  sleigerten,  als  der  Kaiser,  nachdem
er  die  Friedenslicbe  Deutschlands  geschildert,
erllärte,  der  jetzige  Krieg  sei  ein  jeit  langer
  Zeit  von  den  Neidern  Demschlands  vorbereiteler
  Anschlag  auf  die  Größe  und  Selbsländigleit
  des  Deutschen  Reiches.

Den  größten  Jubel  aber  entfesselte  der  Kaiser,
  als  er  dem  Tert  der  Rede  noch  folgende
Worte  anfügte:

„Sie  haben  gelesen,  meine  Herren,  was  ich
zu  meinem  Volle  vom  Valkon  des  Schlosses
aus  gesagt  habe.  Ich  wiederhole:  Ich  kenne  leine
Parteien  mehr.  Ich  kenne  nur  Deutsche!  Und
zum  Zeichen  dessen,  daß  Sie  fest  eulschlossen
  sind,  ohne  Parteiunterschiede,  ohne  Standes=
  und  Konfessionsunterschiede  zusammenzuhalten
  mit  mir  durch  dick  und  dünt,  durch
Not  und  Tod,  sordere  ich  die  Vorstände  der
Parteien  auj.  vorzutreten  und  mir  dies  in  die
dand  zu  geloben.“

Vorsitzenden  der  verschiedenen  Fraklionen
rraten  vor  und  reichten  sämtliche  dem  Kaiser
  die  Hand.

Als  sich  die  Wellen  des  Beifalls  am  Schlusse
der  Thronrede  allmählich  gelegt  hatten,  brachte
  Präsident  Kaemyf  ein  neues  Kaiserhoch  aus,
das  wiederum  mit  brausendem  Jubel  aufgenommen
  wurde  und  nach  dem  die  ganze  Versammlung
  den  ersten  Vers  von  „Heil  Dir  im
Siegerkranz“  sang.

Der  Kaiser  reichte  zum  Schlusse  dem  Generalstabschef
  von  Moltie  und  dem  Reichskanzler
  von  Vethmann  Hollweg  die  Hand  zu
einem  kräftigen  Händedruck  und  verabschiedete
sich  dann  durch  Neigen  des  Kopfes  gegen  die
Versammlung.  Unter  erneuten  spontanen  Hurrarufen
  des  Bundesrates  und  des  Reichstages
verließ  dann  der  Kaiser  den  Weißen  Saal,
und  die  kurze,  aber  weltgeschichtliche  Feier  war
zu  Ende.

Erste  Sitzung  des  Reichslages.

Berlin,  5.  Aug.

Unter  den  im  Weißen  Saale  empfangenen
Eindrücken  trat  der  Reichslag  um  3  Uhr  nachmiltags
  zu  seiner  ersten  Sihzung  zusammen.
Dichte  Volksmassen  umlagerten  das  Reichz-=lagshaus.
  Im  Sitzungssaal  herrschte  umer
den  vollzählig  erschienenen  Parteien  volllommene
  Einigleit,  viele  Abgeordnete  tiugen  bereits
  die  Uniform.  Der  Reichskanzler  erschien
an  del  Spitze  des  gesamten  Bundesrates.

Die  Formaliläten  der  Präsidentenwahl  vollzjogen
  sich  rasch.  Das  alte  Präsidium  wurde
alebald  Vievergewöhl.  Mit  Beifall  wurde
es  begrüßt,  daß  der  Kaiser  noch  am  Abend
das  Präsidium  zu  empfangen  wünschte.

Dann  ergriff  unter  ungeheurer  Spannung
der  Reichskanzler  dad  Wort.  Wir  lassen  seine
Rede  wegen  ihrer  außerordentlichen  Wichtigleit
  hier  im  Wortlaute  folgen.

Die  Rede  des  Reichskanzlers.

Ein  gewaltiges  Schicksal  bricht  über  Europa
berein.  Seit  wir  uns  das  Deutsche  Reich  und
unser  Ansehen  in  der  Welt  erlämpften,  haben
wir  43  Jahre  lang  im  Frieden  gelebt  und  den
Frieden  Europas  geschirmt.  In  friedlicher  Arbeit
  ist  es  start  und  mächtig  geworden  und
darum  beneidet.  Mit  großer  Geduld  haben
wir  ertragen,  wie  unter  dem  Vorwande,  daß

Deutschland  ktriegelüstern  sei,  im  Osten  und
Westen  Feindschaften  genährt  und  Fesseln  gegen
uns  geschmiedet  wurden.

Der  Wind,  der  gesät  wurde,  geht  jitzt  als
Sturm  auf.

Wir  wollten  in  friedlicher  Arbeit  weiler  leben.
  Es  ging  vom  Kaiser  bis  zum  jüngsten  Soldaten:
  Nur  zur  Verteidigung  einer  gerechten
Sache  dürfen  wir  das  Schwert  aus  der  Scheide
ziehen.  (Lebhafter  Beisall  von  allen  Seiten
des  Hauses.  )

Der  Tag,  da  wir  es  ziehen  müssen,  ist  erschienen.
  Gegen  unseren  Willen  und  gegen
unsere  #dlichen  Demühungen.

Ruß.and  hat  die  Brandfackel  an  das  Haus
gelegt.  (Allseitige  stürmische  Zustimmung.)
Wir  stehen  in  einem  aufgezwungenen  Kriege
mit  teRuand  und  Frankreich.

ist  Ihnen  eine  Reihe  von  Schriftilücken
eheil  worden,  die  das  Dringendste  Uber

 

den  Stand  der  Ereiguisse  enthallen.  Lalsien  Sie
mich  die  Tatsachen  herausheben,  die  unfere
Haltung  lennzeichnet.

Vom  ersten  Ausbruch  des  österreichisch-serbischen
  Konfliltes  an  erllären  und  arbeiten  wir
dabin,  daß  dieser  Handel  auf  Oesterreich  und
Serkien  beschränkt  bleiben  müsse.  Alle  Kabinette,
  insonderheit  das  englische,  vertraten  denselben
  Standpunkt.  Nur  Rußland  erklärte.  daß
es  bei  Austragung  dieses  Konfliltes  mitreden
müsse.  Damit  erhob  die  Gefahr  einer  europäischen
  Verwicklung  ihr  Haupt.  (Allgemeines
Seir  richlig!  und  Bewegung.)

Sobald  die  ersten  bestimmten  Nachrichten
siher  russische  militärische  Vorbereitungen  vorleen,
  ließen  wir  in  Pelersburg  freundsch  sstd.
  aber  ernst  mitteilen,  daß  militärische
Maßnahmen  gegen  Oeslerreich  uns  auf  die
Seile  unseres  Bundesgenossen  und  daß  militärische
  Vorbereitungen  gegen  uns  zu  entsprechenden
  Gegenmaßregeln  zwingen  wücden.

Eine  Mobilmachung  aber  wäre  der  Krieg!

Rußland  bedentete  uns  in  feierlichster  Weise,
doh  es  den  Frieden  wünsche  und  daß  es  leinerlei
  militärische  Vorbereitungen  gegen  uns
tressen  werde.  Inzwischen  suchte  England  zwischen
  Wien  und  Petersburg  zu  vermitteln,  was
wir  warm  unterstützten.

Am  28.  Juli  bittet  der  Kaiser  telegrapbisch
den  Faren,  er  möge  bedenten,  daß  Oesterreich
cas  Recht  und  die  Rflicht  habe,  sich  gegen  die
Frohserbischen  Umtriebe  u  schützen,  die  seine
Eristenz  unterwühlten.  Der  Kaiser  erinnert  an
das  monnichische  Interesse  gegenüber  dem
Mord  2an  Zeralewo  und  Lofft,  daß  ihn  der
Zar  unterstützen  wird,  den  Gegensaß  zwischen
Oesterreich  und  Serbien  zu  beseiligen.  Ungesähr
  zu  derselben  Stunde  bittet  der  Zar  inständig
  den  Kaiser  um  seine  Hilse,  er  möge
doch  in  Wien  zur  Mäßigung  raien.

Der  Kaiser  übernimmt  die  Vermittlerrolle,
aber  laum  ist  die  angeordnete  Aktion  im  Gange,
  so  mobilisiert  Rußland  alle  seine  gegen
Oesterreich  gerichteten  -  (Allgemeine
Bewegung.  Pfui-Ruse.)

Oesterreich-Ungarn  selbst  hatte  nur  gegen
Serbien  mobilisiert  und  im  Norden  nur  zwei
Aimeekorp-,  aber  sern  von  der  rufsischen
Grenze.  Die  russische  Mobililierung  war  grundsahrich
  schon  beschlossen,  bevor  sich  ver  Zar
an  den  Kaiser  wandte.  (Bewegung.)

Der  Kaiser  wies  sofort  den  Zaren  darauf
lin,  daß  sein  Vermittleramt  durch  oiese  allremeine
  Mobilisierung  gegen  Oesterreich-Ungain
  erschwert,  wenn  nicht  ganz  vereitell  würde.
  Trotzdem  setzten  wir  in  Wien  uniere  Vermittelung
  fort  und  zwar  in  Formen,  die  bis  an
die  äußersten  Gren:en  dessen  gehen,  was  unser
  Bundesverhältnis  geslattete.

Mährend  dieser  Zeit  versicherte  uns  Rußkand
  spontan,  daß  es  gegen  uns  keine  militärischen
  Vorbereitungen  trefse.  In  Wien  soll
die  Entscheidung  fallen.  Unsere  Vermittelung
lia  nun  insofern  Erfolg  gehabt,  als  Wien
auf  unser  Drängen  in  direlle  Besprechung  mit
Petersburg  eingetreien  ist.

Noch  bevor  die  Entscheidung  in  Wien  sällt,
tommt  die  Nachricht,  daß  Rußland  seine  gesamte
  Wehrmacht,  also  auch  gegen  uns  mobilissert.
  (Unerhört!  Bewegung.)

Die  russische  Regierung,  die  auf  unfere  wiederhollen
  Versicherungen  wussle,  was  die  Mobilmachung
  gegen  uns  bedeutet,  nolifirierte  sie
uns  nicht  und  gab  uns  leinerlei  Aufschluß.  Cei
am  Nachmiltag  lief  ein  Telegramm  des  Jaren
an  den  Kaiser  ein,  in  dem  er  sich  dafür  verbürgte.
  daß  seine  Armec  leine  prorokatoricche
Haltung  aegen  uns  einnehmen  werde.

Abec  die  ruijische  Mobilisierung  an  uUnserer
Grenze  ist  schon  in  der  Nacht  vom  30.  bis  31.
Juli  in  vollem  Gange  ge  besen.  (Bew’gung.)

Während  wir  auf  r  Bilten  in  Wien

—

verniitteln,  erhebt  sich  die  russische  Welrrmacht
an  unserer  langen,  jalf  ossenen  Grense,  und
Frankreich  mobilisiert  #war  noch  nicht,  aber  es

trifft  doch  militärische  Vorbereitungen.

ind  wir  „wir  haiten  absichllich  bis  dahin  keinen
  Reservisten  m  den  Fahnen  gerufen,  dem
Frieden  Europas  #uliebe.

Sollten  wit  weiter  geduldig  warlen,  bis  etwa
die  Mächte,  mwischen  denen  wir  eingeleilt  sind,
den  Zeitpunkt  zum  Losschlagen  wählten?  (Lebhafte
  Zurufe:  Nloein!  Rein!  Stürmischer  Beisall.)
  Dieier  Oeiahr  Deutschland  auszusetzen,
wäre  ein  Verbrechen  gewesen.  (Allgemeine  begeisterte
  Zustimmung.)  Darum  forderten  wir
noch  am  31.  Juli  von  Rußland  die  Demobilisierung
  als  die  einzige  Maßregel,  welch:  nock,
den  europäischen  Frieden  erhalten  kann.

Der  kaiserliche  Botschafter  in  Petersburg
erhielt  ferner  den  Auftrag,  der  russischen  Regierung
  #u  eillären,  daß  wir  uns  im  Falle  der
Ablehnung  unserer  Forderung  als  in  den
Kriegszustand  eingetreten  belrachten  müssen.

Der  koaiserliche  Botschafter  hat  diesen  Auftrag
  auch  augsgeführt.

Wie  Nußlands  Antwort  auf  unsere  Forderung
  lautet,  wissen  wir  heute  noch  nicht.  (Allgemeine
  Bewegung.)

 

Telegraphische  Meldungen  aus  Pelersburg
sind  nicht  bie  zu  uns  gelangt,  so  daß,  als  die
gesetellte-  Frist  längst,  verstrichen  war,  der  Kaiser
am  1.  August  nachmittags  5  Uhr  genötigt  war,
unsere  Wehrmacht  mobil  zu  machen.

Zugleich  mus#ten  wir  uns  versichern,  wie  sich
Frankreich  stellen  würde.  Auf  unsere  Frage,

 

ob  es  bei  einem  deutsch  russischen  Kriege  neutral

  bleibe,  hat  es  uns  geantwortet.  es  werd

tun,  wad  ihm  seine  Interessen  gebieten.  (Ber
wegung  und  d  Lachen  )Das  war  ein  Ausweichen
auf  unsere  Frage,  wenn  nicht  ihre  Verneinung.

Trotzdem  gab  der  Kaiser  den  Befehl,  daß
die  französische  Grenze  unbedingt  zu  respeltieren
  sei.

Dieser  Befehl  wurde  aufs  strengste  besolg
bis  auf  eine  winzige  Ausnahme.

Frankreich  bal  en  derselben  Stunde  wie  ivir
mobil  gemacht  und  erllärt,  es  werde  eine  Zone
von  10  Kilometer  an  der  Grenze  respeltieren;
und  was  geschah?

Bombenwersende  Flieger  in  Vayern,  Kapal,
lerieyatrouillen  auf  reichsländischem  Gebiet,  dar
Einbrechen  einer  Kompagnie,  damil  hat  Fraul
reich,  obmohl  es  in  den  Kriegszustand  nicht
eingetreten  war,  den  Frieden  gebrochen  und
uns  latsächlich  angegrissen.  (Allgemein  Vemegung.)


Was  den  einzigen  Fall  betrifft,  so  habe  ich
vrom  Generalstabechef  erfahren:  Von  den  franzoischen
  Beschwerden  über  Grenzvertehungen  unsercrseits
  ist  nur  eine  einzige  zugegeben.  Ge-Len
  den  aus  drücklichen  Besehl  hat  ein:  anscheinend
  von  einem  Offizier  geführte  Patronille  des
14.  Armeelorps  am  2.  die  Grenze  übersa,rit
len.  Sie  ist  scheindar  abgeschossen  worder.  nur
ein  einziger  Mann  in  zurüägelehrt.

Während  sich  also  das  auf  einen  Fau  beschränkt,
  uberschritten  französische  Flicher  die
Grenzen  und  warsen  Vomben  und  grifsen  stunzöische
  Tiuppen  unsere  Grenzschutztruppen  anu.

Unsere  Truppen  haben  sich  dem  Besehe  ge—
mäß  auf  die  Abwehr  beschtänkt.

Das  ist  die  Wahrheit.

Wir  sind  in  der  Notwehr  und  N.“  lennt
kein  Gebot!

Unsere  Truppen  haben  Luxremburg  beseht
und  vielleicht  schon  belgisches  Gebiet  betteten.)
(Bewegung  und  Beisall.)

Das  widerstreitet  den  Geboten  des  Vöslel:

lechtr
D  te  frauzösische  Regierung  hat  zwar  in  Rrüs.
sei  erllär!t,  die  Nei  itralität  Belgien=  respellieren
  zu  wollen,  solange  sie  von  dem  Geguer
reirestiert  werde.  Wir  wußten  aber.  dan  em
semihsischer  Einjall  berorstand.  Frai  ueich
tonnte  warten.  Ein  fran  zösischer  Einbruch  in
ausere  Flanke  an  unserem  Rhein  wäre  verhängnisvoll
  gewesen.

So  waren
Priolest  der
sehen.

Das  Unreckt,
merden  mir  wieder  gut  macken,
mitilärischer  Sieg  gesichert  iist.

Wer  so  bedrängt  ist  wie  wir  und  um  seine
Cristenz  lämpft,  der  darf  nur  daran  denilen.
wie  er  sich  durchhaut!

Wir  stelen  Schulter  an  Schulter  mit  Oesierreich=
  Ungarn.  (Ungeheuere  Bemegung:  jrütmischer,
  sich  wiederholender  Veisalk.)

Was  die  Haltung  Engl  ando  betrifft.
so  hal  die  Erliärung  von  Sir  Edward  Grey,
die  er  gestern  im  englischen  Unterh#at  abgegeren
  hat,  den  Standpunkt  klar  gelegt.  den  die
englische  Regierung  einnimmt.  Wir  baben  der
englischen  Regierung  die  Erllärung  algegeden,
daß,  solange  sich  England  neutral  vernalte,
unsere  Flotte  die  Nordlüste  Franlreis  ne  nicht  angreisen
  werde  und  daß  wir  die  territoriale
Integtität  und  Unabhängigkeit  Belgiens  nicht
entasten  werden.  Diese  Erklärung  wiederhole  ich
obsen  vor  aller  Welt  und  kann  hinzus-  len.  daß.
solange  England  nentral  bleibt.  wir  bereit  wären,
  im  Falle  der  Wegenseiligkeit  veine  feindlicken
  Operationen  gegen  die  franzötisch:  Haudeleschifsahrt
  zu  unternehmen.

Ich  wiederhole  die  Worte  des  Kaiferd?:  Mit
reinem  Gewissen  zieht  Deutschland  in  den
Kampf!  (Allgemeine  Bewegung.)  Wir  kämpfen
um  unsere  frühere  Friedensarbeit,  um  das
Erbe  einer  großen  Vergangenheit  und  um  unsere
  Zulunft.

Die  50  Jahre,  von  denen  Mollke  ipxach,
daß  wir  gerüslet  dastehen  müßten,  um  die  Errungenschaften
  von  16870  zu  verteidigen,  sind
noch  nicht  vergangen.  Jetzt  hat  die  grosse
Stunde  der  Müfung  für  unser  Volk  geschlager.
Mit  heller  Zurersicht  gehen  wir  ihr  entgegen.

(Allgemeine  Zustimmung.)

Unsere  Amee  sleht  im  Felde,  unsere  Flotte
ist  kampfbereit,  und  hinter  ihnen  steht  das
ganze  deutsche  Volk.  (Stürmischer,  sich  immer
  wiederholender  Beifall  und  Händeklatschen.)

Die  Vorlagen  bedürfen  keiner  Begründung
mehr.  Ich  bitte  Sie  um  sichleunige  Erlerigung.
(Ernenter  Beifall,  Händellatschen  im  Saal  und
auf  den  Trib##en.  Allgemeine  tiefe  Bewegung.)
  «

über  den
hinme  zuwir

  gezwungen,  uns
belgischen  Regierung

das  wir  damit  gelan  aben,
sobald  unser