160 Hamburg und der Abschluß des Norddeutschen Bündnisses.
hierauf gerichteten Politik des Kaisers gegenüber eine wohlwollende Neutralität zu beobachten.
Die Initiative zu einer solchen Politik kann selbstredend nur von der Kaiserlichen
Regierung ausgehen, und es wird daher wesentlich von den Entschlüssen der letzteren sowie
von der Wirksamkeit der von ihr getroffenen Einleitungen abhängen, die Frage der Reife
entgegenzuführen. Wenn alsdann die beiden Mächte bei der Verfolgung ihres natürlichen
Entwickelungsganges auf Hindernisse und Gefahren stoßen, so würden Seine Majestät gern
zu Verabredungen wegen gemeinschaftlicher Abwehr desselben die Hand bieten.
Obgleich der Wortlaut dieses Erlasses ausschließlich zu Ew. pp. persönlicher Information
bestimmt ist, so ersuche ich Sie doch, sich in Ihren vertraulichen Unterredungen mit
dem Kaiser Napoleon im Sinne desselben zu äußern und über die Aufnahme, welche die
vorstehenden Gedanken bei ihm finden, Bericht zu erstatten.
H. Oncken, Die Rheinpolitik Kaiser Napoleons III. von 1863 bis 1870, II, 100.
*607. Telegramm an den Gesandten in Hamburg
Freiherrn von Richthofen.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Hepke.]
„Bei dem am 18. August (vgl. Nr. 568) erfolgten Abschluß des Bündnisvertrages
zwischen Preußen und dem Gros der norddeutschen Staaten war die Ratifizierung der Verträge
binnen drei Wochen, also bis zum 8. September, vereinbart worden. Am 7. waren
sämtliche Ratifikationsurkunden bis auf diejenigen Hamburgs und Lübecks in Berlin eingetroffen.
Auf eine Aufforderung zur ungesäumten Einreichung der Urkunden lief von seiten des hamburger Senats, der sich nur schwer zum Abschluß des Bündnisses verstanden hatte, das Ersuchen um einen Aufschub von einigen Tagen ein. Man hatte dort das Bündnis der Bürgerschaft noch garnicht zur Entschließung vorgelegt und holte dies auf ein unwilliges Telegramm Bismarcks an den preußischen Gesandten in Hamburg erst am 8. nach, worauf die Urkunde am späten Abend dieses Tages Richthofen zugestellt wurde.
Berlin, den 3. September 1866.
Antwort auf Bericht vom 7. September.
Hamburg weiß aus dem Protokoll, daß beiden Mecklenburg der Beitritt zum Bündnis
vom 18. August offen gehalten worden.
Es ist befremdend, daß Hamburg allein Anstand erhoben, und können wir wegen
dieses Beweises der Lauheit der jetzigen Machthaber Hamburgs die Ratification nicht aus- setzen." ¹
*608. Schreiben an den Staatsmintster von Koon.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.]
Am Abend des 20. August hatte Bismarck eine erste Unterredung mit den sächsischen
Bevollmächtigten Graf Hohenthal und Freiherr von Friesen über den preußisch-sächsischen
Friedensschluß gehabt. Nach der eingehenden Erzählung Friesens (Erinnerungen aus meinem
Leben. II, 255 ff.) hätte Bismarck in dieser Unterredung gefordert, daß die Kriegsherrlichkeit
des Königs von Sachsen völlig auf den König von Preußen übergehe, daß diesem von den
sächsischen Truppen der Fahneneid geleistet werde, die letzteren der preußischen Armee ganz
einverleibt würden und außerhalb Sachsens Garnisonen erhielten, während in Sachsen selbst
preußische Garnisonen domizilieren sollten. Daß es Bismarck mit diesen Forderungen zunächst
----------------------------- 1 Der letzte Satz eigenhändiger Zusatz Bismarks an Stelle eines Passus Hepkes.