und die Schweiz besetzt; ein Allianz-Traktat mit Mürat riß Neapel von
Frankreich los, und wenn auch das englische Heer unter Wellington unthätig
in seinen Winterquartieren lag, so gewannen doch die übrigen Heere auf
Frankreichs Grund und Boden von Tage zu Tage mehr Raum, denn die
Truppen, welche ihnen gegenüber standen, waren gering an Zahl und schlecht
bewaffnet; von einer Volkserhebung zeigte sich keine Spur. Napoleon mußte
ein Mittel scheuen, welches seinem eigenwilligen Despotismus, selbst im günstigsten
Waffenerfolge, für immer ein Ende gemacht hätte. An vielen Orten
forderte man schon die Bourbons zurück.
Noch einmal fand sich die ganze diplomatische Welt, ein Theil der Feldherrn,
so wie die Souveräne von Rußland und Preußen, beisammen. Von
Seiten Oestreichs wünschte man begreiflicher Weise die Absetzung Napoleon's
nicht, sondern Frieden, und da man durch den Oberfeldherrn, den Fürstem
Schwarzenberg, das Mittel in Händen hielt. ihm Zeit zu vergleichenden Schritten
zu gönnen, so läßt sich denken, daß die militärischen Maßregeln der Verbündeten
eben keinen schnellen Fortgang nehmen konnten. Der Kern der
Kriegspartei schaarte sich um Alerander, oder vielmehr um Stein, der unablässig
auf den Sturz Napoleon's hindrängte.
Minder entschieden war Friedrich Wilhelm III. Seinem ruhigen und
gemäßigten Sinne widerftrebten extreme Maßregeln, und dennoch konnte er sich
nicht verhehlen, daß, so lange Napoleon an der Spitze einer bedeutenden
Kriegsmacht, wie Frankreich stand, für Europa keine dauernde Ruhe zu hoffen
wäre. Sogar gelehrte Militärs waren gegen allzuweites Vordringen in Frankreich,
nannten das Höhenland von Langres den Rubicon dieses Vernichtungskrieges
und warnten vor dem Ueberschreiten desselben, indem sie diesen Punkt
mit Smolensk verglichen. Der Kaiser von Rußland dagegen ließ sich von
diesen Gründen nicht befangen, sondern erklärte, und dies konnte natürlich seine
Wirkung nicht verfehlen, da nicht sowohl die Gefahr, sondern bei Oeftreich
wenigstens der Eigennutz den Friedensideen Eingang zu verschaffen suchte, daß
er, im Falle die übrigen abließen, auch allein den Krieg gegen Napoleon fortführen
würde; und Friedrich Wilhelm, trotz aller Bedenklichkeiten, war ein
viel zu ehrlicher Bundesgenosse, um gegen das mehrfach gegebene Wort den
Freund allein der Gefahr bloßzustellen. Dies gab den Ausschlag, und der
Krieg wurde fortgesetzt; jedoch gab Kaiser Alerander nach, daß die Unterhandlungen
in Chatillon an der Seine wieder aufgenommen werden sollten.
Nur ungern hatte Alexander seine Zustimmung zu diesem neuen Aufschube
des großen Werkes gegeben, auch seinem Gesandten auf dem Congresse die
Weisung zugestellt, daß er nicht ohne seinen ausdrücklichen Befehl den Frieden
abschließen sollte. Als Grundzüge desselben stellte man fest: „Frankreich beschränkt
sich auf die Grenzen von 1792; in Betreff der Seerechte wird jede
Besprechung vermieden; die großen europäischen Mächte ordnen untereinander
in voller Unabhängigkeit ihre Grenzen; Deutschland besteht aus unabhängigen
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