Die Türkei 175
Ganz besonders muß ich an dieser Stelle der Tätigkeit der Ausund
Einfuhrabteilung des K. M. (As) gedenken, die einen wesentlichen
Anteil an dem Erreichten für sich in Anspruch nehmen kann.
A. Oie Türkei
Ende Oktober 1914 trat die Türkei in richtiger Beurteilung ihrer
Lage in den Krieg ein. Durch eine fast sechsjährige ununterbrochene
Kriegführung war das Kriegsmaterial des türkischen Heeres nahezu
verbraucht, was noch vorhanden war, entsprach nicht den modernen Anforderungen.
Das türkische Heer war daher in allen Waffen-, Ausrüstungs=
und Bekleidungsangelegenheiten vollkommen von der deutschen
Unterstützung abhängig.
Die 1013 gegen den Einspruch von England und Rußland nach
der Türkei entsandte deutsche Militärmission unter Führung des Generals
Liman von Sanders, des späteren Siegers auf Gallipoli, hatte
es trotz der Kürze der ihr zur Verfügung stehenden Zeit verstanden,
das türkische K. M. und den türkischen Generalstab einigermaßen nach
deutschem Vorbilde so umzuorganisieren, daß einer deutschen Dienststelle
in Deutschland eine entsprechende Dienststelle im türkischen K. M.
oder Generalstab, meist unter deutschen Stabsoffizieren als Chefs, entsprach.
Dadurch war die notwendige, schnelle und sachverständige Zusammenarbeit
gut vorbereitet und ganz wesentlich erleichtert. Ein ererfolgreiches
Verdienst hierfür gebührt neben dem Missionschef dem
Oberst Kannengießer, der durch den Rechnungsrat Schuch, beide früher
dem preußischen K. M. angehörig, trefflich unterstützt wurde.
Neben dem türkischen Kriegsminister Enver Pascha, der sich infolge
seiner sonstigen umfangreichen Beschäftigung im großen ganzen
um die Einzelheiten der Unterstützung weniger bekümmern konnte, kam
in erster Linie eine der eigenartigsten Persönlichkeiten der Türkei, der
Generalintendant der Türkei Ismael Haki Pascha in Betracht. Dieser
Mann hatte sich durch einen bewundernswerten Fleiß und eine rücksichtslose
Skrupellosigkeit einen weit über seine Stellung hinausgehenden
Einfluß in Konstantinopel zu sichern gewußt, wobei allerdings
nicht außer acht gelassen werden darf, daß Ismael Haki Pascha gleichzeitig
Schatzmeister des Jungtürkischen Komitees war, und daß er in
dieser Stellung durch die ihm zur Verfügung stehenden Geldmittel