Full text : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

Ausbruc,  der  Revolution  in  Franfreih.  Friedrich  Wilhelm  II.  183

auch  mufifaliih,  und  vor  allem:  er  ftand  nicht  auf  jo  einjamer
“Höhe  wie  der  große  Vorgänger,  der  ihn  ohne  Liebe  behandelt  und
den  Gefchäften  fernegehalten  Hatte.  Aber  er  Hatte  eine  finnliche
Ratur  und  man  erlebte  jegt  auch  am  preußifchen  Hof  das  Ärgernis
  einer  gewilfermaßen  amtlichen  Mätrejje:  e8  war  die  Tochter
eines  Rammermufifers,  zum  Scheine  verheiratet  mit  dem  Kammer-Diener
  Rıieb,  eine  Berfon,  bei  der  die  Gemeinheit  ihrer  Natur  und
die  Neigung  zu  niedriger  Intrige  duch  ihre  Erhebung  zur  Gräfin
Lichtenau  nicht  geringer  wurde.  Und  diefe  Mätreffe  blieb  nicht  Die
einzige.  Der  König  begte  bei  alledem  miüjftiiche  Neigungen,  was
fich  feine  Umgebungen  zunuge  zu  machen  wußten.  Einfluß  auf  den
König  geivannen  vor  allem  ein  Major  von  Bifchofswerder,  der  im
Grunde  nicht?  als  ein  Litiger  Höffing  war,  und  Johann  Chriftoph
Wöllner,  urjprünglich  Theolog  und  Geiftlicher,  dann  Landwirt,  feit
1782  dem  Brinzen  als  Lehrer  in  Berwaltungsfachen  näher  getreten:
beide  waren  befreundet,  beide  waren  Intriganten,  beide  waren  nicht
frei  von  pfäffiichem  Beigefchmad.  Heuchlerifch  und  herrjchgierig  wie
er  war,  ertrug  Wöllner  den  Wideripruch  leicht,  durch  einen  felbft
in  Sinnlichkeit  verftricten  Herrn  die  allerdings  in  langer  Friedenszeit
  flach  und  frivol  gewordene  Berliner  Gejellichaft  bejjern  zu  wollen
und  der  modischen  Aufklärung  eine  modiiche  Frömmigkeit  entgegenzuftellen.
  Schon  1788,  nad)  Beleitigung  des  trefflichen,  in  der  Ge-Ihichte
  des  Schulwelens  Hochgefeierten  Freiherrn  von  Zedlik,  zum
Suftizminister  ernannt,  erließ  Wöllner  das  berüchtigte  Edift  vom
9.  Suli  über  das  Neligionswejen:  e8  fündigte  der  Aufklärung  den
Krieg  an,  erkannte  zwar  mit  heuchlerischen  Phrafen,  wie  auch  unjere
Beit  fie  zur  Genüge  kennt,  die  Gewifjenzfreiheit  an,  bedrohte  aber  die
Verbreiter  der  „Irrtümer“  unter  Geiftlichen  und  Lehrern  mit  „unausbleiblicher
  Kaffation“”  und  nach  Befinden  nod)  härterer  Ahnndung.
Dem  folgte  noch  im  gleichen  Jahre  ein  Zenfuredift,  daS  der  Tyreiheit
ein  Ende  machte,  welche  die  Preffe  unter  dem  großen  König  genofjen
hatte.  Rafch  verflog  die  Popularität,  welche  der  neue  Herricher  durch)
einige  Maßregeln,  wie  die  Abichaffung  oder  Minderung  der  Regie
und  anderer  unliebjamer  Steuern  jowie  durch  Aufhebung  des  Tabaf-