Metadaten : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Der  neue  Hunnenjturm  unter  Attila  (451).  45

als  jein  jüngjter  Sohn  Irnah  an  ihn  berantrat.  Was  das  BVerhältnis
  zu  Weftrom,  mit  defjen  Kater  er  feither  Friede  gehalten,
getrübt  und  jein  Volk  zu  neuen  Taten  aufgejtört  hat,  wilfen  wir
nicht:  aber  im  Jahre  451  erhob  er  fich,  die  gefürchteten  Keiter-Icharen
  braden  in  Gallien  ein  und  fie  drangen  bis  zur  Loire,
bi3  Genabum  (Orleans).  Aber  die  zugleich  bedrohten  Wejtgoten
und  Römer,  Wallıaa3  Nachfolger  Theodorich  und  der  weitrömiche
Teldherr  Astius,  germaniiche  und  romanische  Völker  vereinigten  fid)
zur  Abwehr,  und  auf  den  fatalaunischen  Feldern  bei  Chalons  unter
Astıuz’  Führung  geihah  die  große  Schlacht:  ein  grimmiger,  vielgeitaltiger,
  hartnädiger,  gräßlicher  Kampf  nach  Sornandes  Worten,
bei  dem  auch  auf  hunniicher  Seite  Germanen  ftanden.  Shr  Erfolg
  war  der  Abzug  der  Hunnen,  die  dann  im  folgenden  Jahr  in
Stalien  erjchienen,  dort  aber  durch  gute  Worte  de3  damaligen
Biichofs  von  Rom  und  vielleicht  eine  Losfaufjumme  abgefunden
nicht  weiter  vordrangen.  Dem  Hunnenfönig  war  jchon  im  Jahre  453
jein  Ziel  gejeßt,  und  nach  feinem  Tode  fiel  fein  Lojegefügtes  Reich
auseinander.  Die  Völker,  welche  der  Schreden  befiegt  und  Die
Furcht  in  Unterwürfigfeit  erhalten  Hatte,  machten  ftch  frei,  der  Orkan
hatte  fich  ausgetobt  und  die  VBerwüftungen,  die  er  zurücdgelaffen,
verwilchten  fich.  Für  das  Weitgotenreich  aber  hatte  der  Sieg  iiber
die  Hunnen  die  Folge,  und  zwar  jchon  unter  Theodorich  jelbit  (419
bis  451),  daß  den  gotischen  Kriegern,  die  ihre  Herrichaft  feither  als
Ssöperaten,  al3  Verbündete  geübt  hatten,  denen  die  Romanen  Duartier
  und  Verpflegung  leifteten,  nunmehr  das  Land  zu  vollem  Befit
überiiejen  wurde.  Damit  trat  zuerjt  ein  wirklicher  und  unabhängiger
Sermanenjtaat  auf  römischen  Neichsboden  ins  Xeben,  der  fich  dann
im  Kampf  gegen  die  Sueven  über  die  Pyrenäen  ausdehnte,  unter
König  Eurich  (466—484)  feine  größte  Ausdehnung  erlangte  und  in
Zolofa,  im  galifchen  Teil  jeiner  Herrichaft,  feine  Hauptitadt  fand.

Sp  war  Gallien,  Spanien,  Arifa  in  den  Händen  germanifcher
Kriegerariftofratien.  Auch  aus  Britannien  hatte  man  die  Truppen
wegziehen  müffen,  die  man  in  den  Stalien  unmittelbar  bedrohenden
Kämpfen  brauchte,  und  um  449  wurde  auch  die  entfernte  Land