Ueuvorpommersche Jubiläums-Gedanken.
Im Kriegslirm fast unbeachtet, beging Neuvorpommern
mit Rügen (der hemige Regierungsbezirk
Stralsund) die hundertjährige Zugehörigkeit
zu Preu#en. Große Festlichkeiten mit Denkmolsund
anderen Weihefeiern waren geplant, um darzutun,
daß die Neuvorpommern gute Preußen geworden
sind — allein das Schidsal hat es anders
gewollt. Der Krieg hat allerdings auch Gelegenbeit
gegeben, die treu-preußische Gesinnung der Neuvorpommern
zu beweisen: durch die Heldentaten,
die die Regimenter verrichtet haben, die sich aus
Neuvorpommern rekrutieren. Es sei nur erinnert
am die Tapferkeit der 42er (Stralsund und Greifswald),
der 34er (Stettin), der ger (Stargard), der
54er in Kolberg und vieler anderer Truppenteile,
zu denen Neuvorpommern gehören. Neuvorpommerns
Söhne haben mit ihrem Blut das Gelübde
der Treue zum König von Preuben und Hergog
von Pommern, das die Großväter und Urgroßväter
vor hundert Jahren in Stralsund in die
Hand des Oberpräsidenten von Pommern Staatsministers
Frhrn. v. Ingersleben schwuren, besiegelt.
Jawohl, Neuvorpommern ist unter der Herrschaft
der Hohenzollerm in den verflossenen hundert
Jahren „preu isch" geworden, nur ist die Borussifizierung
noch nicht ganz durchgedrungen. Das sollte
indes anläßlich der Hundertiahrfeier geschehen —
wenigstens erhoffte man es — der Krieg hat es indes
zuwege gebracht, daß die Abschaffung der noch in
Geltung befindlichen Stadtrezesse und noch so
manch anderer Zöpfe hinauscoeschoben werden
muste. Um die Eigentümlichkeiten, die Neuvorvommern
noch anhaften, zu verstehen, müssen wir
etwas zurückgreifen.
Seit dem Beainn der Geschichte hat Vorpommern
eine Sonderstellung in Pommern eingenommen.
Im Mittelalter fand diese Sonderstellung
ihren Ausdruck darin, daß Neuvorpommern die
Linie „Pommern-Wolgast“ des Herzoatums Pommern
bildete. Zwar war Neuvorpommern unter
dem letzten Pommernherzog Bogislaw XIV. noch
einmal mit dem übrigen Pommern unter einem
Zepter vereinigt, allein schon nach dem dreißigjährtgen
Krieg fiel es an die Schweden, die es
etwa 170 Jahre gehalten haben. Die Schwedenzeit
erlanate durch die Erbhuldiging vom 16. November
1815 in Stralsund ihr Ende: damit kam
Neuvorpommern wieder zu Deutschland, zu dem es
Von 6. A. Benflage, Greifswaldgeograbhisch
gehbrt. Vielleicht wäre Neuvorpommern
erst viel spiter preusisch geworden, wenn
nicht Schweden den westlichen Teil Pommerns an
Dänemark hätte abtreten wollen. Männer wie Ernst
Moritz Arndt (damals in Frankfurt a. M.),
Professor Schildener in Greifswald, Fürst
Malte zu Putbus und andere wehrten sich jedoch
gegen diesen Gedanken, und so bekam der von König
Friedrich Wilhelm III. längst gehegte Plan,
Neuvorpommern auf friedlichem Wege zu erwerben,
nickt nur neue Nahrung, sondern wurde auch
zur Wirklichkeit. Am 4. und 7. Juni 1815 wurden
von Hardenberg auf dem Wiener Kongreß die
Verträge abgeschlossen, welche die Schweden endailtig
aus Pommern verdrängten. Wichtig ist der Inhalt
des Tractats vom 7. Juni für die Beurleilung
der späteren Verhältnisse. Darin hieß es:
Der König von Schweden und Norwegen
tritt für immer das Herzogtum Pommern umnd
das Fürstentum Rügen mit allen Dependencen,
Inseln, Festungen, Städten und Ländereien
an den König von Preuren ab; mit der Testung
Stral und alle Artillerie und alle Kriegsvorräte,
auwerdem 200 Festungsgeschütze und 6 armierte
Kanonenschaluppen. Die Domänen werden
der preusrischen Regierung zurückgegeben.
Preu'en zahlt daffir 3½ Mill. Tholer Preuß.
Courant an Schweden. Ferner verpflichtet sich
Preuen, alle Rechte und Privilegien
anzuerkennen, besonders die Academie
in Greifswald in ihren Einkünften und
Bestand zu belassen.
Darin werden also alle aus der Schw denstammenden
Rechte und Privilegien anerkannt.
der weiteren Betrachtung ist die Proklametion
Frhrn. v. Ingersleben vom 23. Oktober 1815
Intere'se. Es heißt darin:
Pommern und Rügier!
Euch ist die Trennungvon Eurem
bisherigen geliebten Herrscher
schwer. Seyd überzeug", mein König und
Herr ert Euer Gefübl, das Gef hl eines elten
treuen deutschen Volkes, als sichere Bürgschaft
Eurer k in'tigen Anhänglichkeit an Shn und
Sein Königliches Haus. Er versichert Euch
durch mich Seiner landesvöterlichen Huld und
Gnade und erwartet von Euch, den tüünasten
seinen Thron umringenden FHindern, Gehorsam,
Liebe und Vertrauen. Er wird Euch schügen
zeit
Bei
des
von