Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

4.  1611  L

Gegenüber  diesen  Bedenken  erwägt  aber  Kurmainz,  wie  schwach  die  Januar  4.
katholische  Union  für  sich  selbst  ist,  dass  sie  deshalb  fast  gezwungen
wurde,  die  Komposition  mit  der  protestantischen  Union  wegen  Abdankung
  des  beiderseitigen  Kriegsvolkes  vorzunehmen,  wobei  fast  alles,
was  oben  und  unten  Landes  kontribuiert  wurde,  obne  einigen  Vorteil
für  die  katholischen  Stände  verloren  gegangen  ist.  Dazu  sind  auch  die  Verhandlungen
  mit  Sachsen  und  anderen  protestantischen  Ständen  besonders
  auf  dem  prager  Konvent  von  den  Katholischen  ernstlich  erwogen
  worden:  Kurmainz  hat  mit  Kurköln  wiederholt  vertraulich
davon  geredet;  dieser  hat  Kurmainz  zur  Fortsetzung  der  Verhandlung
mit  Sachsen  ermuntert;  Kurmainz  hatauch  mit  den  damals  in  Prag  anwesenden
  Erzherzogen  darüber  gesprochen  und  hat,  als  er  deren  Neigung
hiefür  verspürte,  auch  dem  päpstlichen  und  spanischen  Botschafter  davon
Mitteilung  gemacht,  die  den  Plan  nicht  misbilligten;  endlich  lief  inıwischen
  auch  noch  des  Erzherzogs  Albrecht  Erklärung  ein,  wonach
der  König  von  Spanien  nichts  dagegen  habe;  ebenso  hat  auch  schon
Kurtrier  seine  Zustimmung  erklärt.  Dazu  hat  Kurmainz  auf  Einraten
Kurköins  den  Weg  von  Prag  über  Dresden  genommen  und  hat  dort
persönlich  den  Eintritt  des  Hauses  Sachsen  in  die  katholische  Union
betrieben.  Sachsen  hat  darauf  nicht  nur  willfährigen  Bescheid  erteilt
sondern  hat  auch  begehrt,  dass  es,  wenn  ein  Bundestag  angestellt  würde,
davon  zur  Abordnung  der  seinen  verständigt  würde.  Man  hat  auch
Sachsen  zugemutet,  mit  Braunschweig  und  andern  verwandten  Häusern
zu  gleichem  Ende  zu  verhandeln.  Sowohl  die  Erklärung  Sachsens  als
die  Sachsen  gegebene  Versprechung,  es  von  der  Anstellung  eines  Bundestages
  zu  benachrichtigen,  ist  dem  Herzog  vordem  mitgeteilt  worden.

Der  Kurfürst  wüsste  nun  gar  nicht,  wie  er  dazu  käme,  Schimpf
und  Unglimpf  auf  sich  zu  laden,  wenn  die  Beschreibung  Sachsens
unterbliebe;  es  müsste  auch  die  Unterlassung  zuvor  dem  päpstlichen
  und  spanischen  Botschafter  zu  Prag  mitgeteilt  werden,  da  sie
von  der  beabsichtigten  Beschreibung  Sachsens  bereits  unterrichtet
waren  und  sie  als  ein  heilsames  Werk  erkannten.  —

Was  die  befürchtete  Hereinziehung  der  unierten  Katholiken  in
die  jülicher  Sache  betrifft,  so  wird  der  Herzog  sich  erinnern,  dass
die  geistlichen  Kurfürsten  sich  bei  ihrer  ersten  Erklärung  nur  unter
der  Bedingung  zu  einem  Beitrag  an  die  Unionskasse  entschlossen,
dass  von  den  verglichenen  dreissig  Monaten  zehn  dem  Erzherzog  Leopold
zu  besserer  Beschützung  der  Festung  Jülich  erlegt  würden,  da  von
dortber  den  Kurfürsten  als  den  nächsten  Nachbarn  die  grösste  Gefahr
drohe.  Nun  weiss  Kurmainz  gar  nicht,  ob  Kursachsen  für  sein  oder
seines  Hauses  Interesse  eine  besondere  Hilfe  begehren  wird,  es  wäre
denn  dass  der  Kaiser  auf  „die  gegen  die  praetendierenden  Fürsten  zu

——

friedfertiger  evangelischer  Stände  für  die  katholische  Union  einverstanden
  erklärt  hatte.  Vgl.  Kurkölas  Schreiben  an  Herzog  Maximilian
von  Baiern  vom  19.  Dezember  1610  (Mc.,  Entstehung,  Fasz.  V.,
no.  29,  f.  668;  Or.).