280 Mainzer LR. Tit. VI F. 1. Not.-Ges. Art. 19, 150.
der Fall, in welchem durch den Notar ein Inventar
errichtet werden muß, nicht gegeben?).
Der Wirkungskreis der Notare liegt ja überhaupt
darin, Urkunden zu errichten, welche den
Charakter der Oeffentlichkeit haben. Wo das Civilesetz
eine öffentliche Urkunde für einen bestimmten
rfolg eines Rechtsgeschäftes erheischt, da müssen
die Betheiligten das Amt des Notares anrufen, und
frühere persönliche Privilegien können seit Aufhebung
der Siegelmäßigkeit nicht mehr davon befreien
(Zink a. a. O. S. 68); außerdem ist die Thätigkeit
der Notare eine von der Willkühr der Parteien
abhängige, es wird aber auch in diesem Falle den
durch Notare errichteten Urkunden die Eigenschaft
der Oeffentlichkeit aufgeprägt (Art. 11 u. 80 des
Not.-Ges. — Zink a. a. O. S. 24, 25, 26,
65, 66).
Schließlich ist noch zu erörtern, ob durch den
Wegfall der Siegelmäßigkeit gemäß Art. 150 des
Not.-Ges. die Bestimmung in Tit. VI §. 1 des
M. LR. ihre Gültigkeit verlieren konnte. Mag die
Gestattung der specilicatio jurata mit der Siegelmäßigkeit
Aehnlichkeit haben, so ist dieses doch
nur auf den ersten Anblick der Fall; denn die Erloubniß,
sich eines beschworenen Vermögensverzeichnisses
statt eines förmlichen Inventares zu bedienen,
war nicht wie die Siegelmäßigkeit ipso jure an be-2)
Zink im Komm. zu Art. 19 S. 122 behandelt einen
analogen Fall: „An Orten, wo durch eine ausdrückliche
Vorschrift des Civilrechtes einer anderen
Form des Inventares gewisse Wirkungen beigelegt
sind, wie z. B. Thl. 1 Tit. 9 g8. 436 u. 440 des
Preußischen Landrechtes ein eidlich bestärktes Privatinventar
dem öffentlichen völlig gleich gestellt hat, da
wird es auch hiebei sein Verbleiben haben müssen“.