Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Fünfundzwanzigster Jahrgang. 1897. (25)

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3.  Zoll=  und  Steuer-Wesen.

Der  Bundesrath  hat  in  seiner  Sitzung  vom  1.  d.  M.  beschlossen,  den  nachstehend  abgedruckten  Vorschriften
  über  die  Revision  der  Branntwein-Meßapparate  die  Zustimmung  zu  ertheilen.

Berlin,  den  14.  April  1897.
Der  Reichskanzler.
In  Vertretung:  Graf  v.  Posadowsky.

Vorschriften  über  die  Revision  der  Meßapparate.

1.  Die  in  den  Brennereien  behufs  Feststellung  der  Alkoholausbeute  aufgestellten  amtlichen  Meß=  
apparate  (Alkoholmesser  und  Probenehmer)  sind  periodisch  zu  revidiren.  Die  Revisionen  haben  zu  erfolgen:  Regelmäßige Revision

A.  bei  Alkoholmessern,
sofern  dieselben  in  Melassebrennereien  oder  in  solchen  Brennereien  aufgestellt  sind,  die  Abfälle
  der  Biererzeugung  verarbeiten  oder  von  der  Vorführung  des  erzeugten  Branntweins
entbunden  sind,  mindestens  alljährlich,
sofern  dieselben  in  anderen  Brennereien  aufgestellt  sind,  mindestens  in  jedem  zweiten
oder  dritten  Jahre,  je  nachdem  die  Brennerei  ständig  oder  nur  während  eines  Theiles
des  Jahres  betrieben  wird;
B.  bei  Probenehmern
in  jedem  vierten  Jahre.

2.  Die  Revisionen  der  Alkoholmesser  sind  unter  Zuziehung  von  Sachverständigen  vorzunehmen,
die  zu  diesem  Zwecke  bei  der  Kaiserlichen  Normal-Aichungs-Kommission  eine  besondere  Ausbildung  genossen haben
haben.  Die  Sachverständigen  können  Beamte  der  Steuerverwaltung  sein.

Die  Revisionen  der  Probenehmer  sind  bis  auf  Weiteres  stets  unter  Zuziehung  von  Technikern
vorzunehmen,  welche  bei  der  Kaiserlichen  Normal-Aichungs-Kommission  besonders  unterrichtet  worden  sind.

In  Ermangelung  der  in  Absatz  1  und  2  benannten  Sachverständigen  ist  die  Kaiserliche  Normal-Aichungs-Kommission
  um  Entsendung  von  Sachverständigen  zu  ersuchen.

3.  Die  Ausführung  der  Revisionen  wird  durch  eine  vom  Reichskanzler  zu  erlassende  An-Anweisung
  geregelt.

Die  darin  vorgeschriebenen  Revisionsprotokolle  sind  mit  den  zugehörigen  Anlagen  der  Kaiserlichen
Normal-Aichungs-Kommission  zur  Prüfung  einzusenden.  Letztere  hat  nach  Vornahme  der  Prüfung  der
Direktivbehörde  eine  Mittheilung  über  das  Ergebniß  zu  machen.

4.  Ergeben  sich  während  der  Zeit,  welche  zwischen  den  periodischen  Revisionen  liegt,  Bedenken  
gegen  die  Richtigkeit  der  Anzeigen  der  Meßapparate,  so  sind  außerordentliche  Revisionen  von  den  unter    Außerordentliche Revision.
    bezeichneten  Sachverständigen  vorzunehmen.                       Außerordentliche Revision.

Treten  Störungen  des  Ganges  der  Meßapparate  ein,  welche  von  den  unter  Ziffer  2  Absatz  1
und  2  bezeichneten  Sachverständigen  nicht  mit  Sicherheit  aufgeklärt  werden  können,  so  ist  die  Kaiserliche
Normal-Aichungs-Kommission  um  Entsendung  eines  Sachverständigen  zu  ersuchen.

Auf  die  nach  den  vorstehenden  Bestimmungen  vorzunehmenden  Revisionen  und  die  dabei  entstehenden
  Verhandlungen  findet  Ziffer  3  dieser  Vorschriften  ebenfalls  Anwendung.

5.  Die  Kaiserliche  Normal-Aichungs-Kommission  ist  berechtigt,  abgesehen  von  den  in  Ziffer  2
Absatz  3  und  Ziffer  4  Absatz  1  und  2  bezeichneten  Fällen,  die  Revision  einzelner  Meßapparate  unter
Hinzuziehung  ihrer  Sachverständigen  zu  beantragen,  wenn  sie  dies,  sei  es  zur  Aufklärung  vorgekommener
  Störungen  im  Gange  der  Meßapparate,  sei  es  zu  Zwecken  der  Kontrole,  für  erforderlich  erachtet.

6.  Zwischen  der  Kaiserlichen  Normal-Aichungs-Kommission  und  den  Direktiobehörden  findet  in  Verkehr zwischen der Normal-Aichungs-Kommission und den Direktivbehörden
allen  die  technische  Behandlung  und  die  Revision  der  Meßapparate  betreffenden  Fragen  ein  direkter  

Schriftverkehr  statt.  Die  Direktivbehörden  haben  der  Kommission  auf  Ersuchen  Auskunft  über  die  Be=  
obachtungen  zu  ertheilen,  welche  bezüglich  des  Funktionirens  der  Apparate  gemacht  werden.    l

20“                                                                       Verkehr zwischen der Normal-Aichungs-Kommission und den Direktivbehörden