Die Kammer der Abgeordneten. 8. 193. 509
Religion er angehört. ) — Bedingung der Ausübung
des Wahlrechtes ist, daß der Berechtigte persönlich anwesend
sei (Stellvertretung findet nicht statt), und daß er
erweislich den Verfassungseid abgeleistet habe. ) — Das
Wahlstimmrecht kann bei derselben allgemeinen Wahl nur
einmal ausgeübt werden, und zwar entweder in dem Bezirke,
vo Jemand seinen Wohnsitz hat, oder in jenem, wo
er mit Grundbesitz ansässig ist. An welchem dieser beiden
Orte der Wähler, der sich in der vorausgesetzten Alternative
befindet, seine Stimme abgeben wolle, hat er vor
der Wahl zu erklären. 3) — Das Wahlstimmrecht geht
verloren:4)
a) für denjenigen, dem die bürgerlichen Ehrenrechte durch
richterliches Urtheil aberkannt sind, für die Dauer der
Aberkennung. 5)
8) für denjenigen, der sich einer Bestechung der Wähler
oder einer Bestechlichkeit schuldig gemacht. Die Wahl,
bei welcher die Bestechung vorkam, ist ungiltig, und
1) Angef. Wahlgesetz Art. 5 u. 8. Damit die Angehörigen nichtchristlicher
Confessionen im Stande seien, der Bedingung in Art. 4 des Wahlgesetzes
genügen zu können (s. Note 2), kann bei ihnen der Beisatz in der
Formel des Verfassungseides: „und sein heiliges Evangelium“ weggelassen
werden.
2) Wahlgesetz Art. 4. Stellvertretung kommt vor bei Gemeindewahlen
s. oben §. 97 Note 4. — Bei Personen, welche diesen Eid notorisch
geleistet haben wie Beamte, Ansässige, bedarf es keines Nachweises, wenn
ihre Eigenschaft oder Stellung bekannt ist; sonstige Staatsangehörige haben
ein legales Zeugniß über die Erfüllung dieser Bedingung beizubringen;
Instr. II, I.
*7) Wahlgesetz Art. 14. Eine dieser Voraussetzungen muß vorhanden
sein, um an einem bestimmten Orte mitwählen zu können; wer daher, obwohl
bayer. Staatsangehöriger, weder in Bayern domicilirt, noch daselbst
mit Grundbesitz ansässig ist, dessen Stimmrecht ruht.
4) Es gibt nach dem jetzt geltenden Rechte nur einen definitiven
Verlust, keine Suspension des Wahlrechts, wie sie früher die Folge
der Verhängung einer Special-Untersuchung war.
5) S. das R. Str. G. B. §. 34 Z. 4 u. oben F. 31 a. E.