schnittlich während mindestens 10 Wochen in Deutschland
fährt. Nach denselben Grundsätzen unterliegt
umgekehrt der Verkehr deutscher Eisenbahnen und
Schiffe im Auslande, sofern dieser wegen seines Umfanges
und seiner wirtschaftlichen Bedeutung als
selbständiger Betriebsteil anzusehen ist, nicht der deutschen
Gesetzgebung. Treffen die letzteren Voraussetzungen
nicht zu, so werden auch hier unselbständige
Ausstrahlungen der deutschen oder der ausländischen
Betriebe als vorliegend angenommen und als der
deutschen Gesetzgebung unterstehend oder nicht unterstehend
behandelt, je nachdem der Betrieb selbst ein
inländischer oder ein ausländischer ist. Daß eine solche
unselbständige Ausstrahlung vorliegt, wird für den
Verkehr von Eisenbahnen und Schiffen in der Regel
insoweit anerkannt, als sich der Verkehr im Ausland
auf kürzere Anschlußstrecken beschränkt, bei dem Verkehr
über größere Strecken aber nur dann, wenn es
sich um einzelne, gelegentliche Fahrten, nicht jedoch,
wenn es sich um einen regelmäßigen Verkehr von erheblichem
Umfange handelt. In Fällen der letzteren
Art müssen vielmehr wieder selbständige Betriebsteile
angenommen werden. Ob die beschäftigten Personen
ihrer Staatsangehörigkeit nach Deutsche oder Ausländer
sind, ist in allen diesen Fällen gleichgültig.
Die vorstehend erörterten Verhältuisse und die verschiedene
rechtliche Beurteilung, die sie in Deutschland
und im Anslande vielfach erfahren, können zu Mißständen
führen, indem einerseits manche Personen dadurch
überhaupt unversichert bleiben, andere sowohl
im Inlande wie im Auslande der Versicherung unterliegen
würden, so daß sie unter Umständen einc doppelte
Entschädigung zu beanspruchen hätten, aber auch
die Betriebsunternehmer doppelte Lasten für sie tragen
müßten. Um solche Unzuträglichkeiten zu beseitigen,
ist in den deutschen Unfallversicherungsgesetzen vorgesehen,
daß mit den Regierungen anderer Staaten
Abkommen geschlossen werden können, durch welche
die Anwendung der deutschen Gesetze ausgeschlossen
werden kann für die in Deutschland befindlichen (selbständigen)
Bestandteile eines ausländischen Betriebs,
oder erstreckt werden kann auf die im Auslande befindlichen
(selbständigen) Bestandteile eines versicherungspflichtigen
inländischen Betriebs. Die Voraussetzung
für den Abschluß eines solchen internationalen Abkommens
ist auf deutscher Seite, daß die auswärtige
Gesetzgebung in bezug auf die Unfallfürsorge eine der
deutschen entsprechende, d. h. gleichwertige ist. Bei
Beantwortung der Frage, ob dies im Einzelfalle zutrifft,
muß insbesondere auf folgende Gesichtspunkte
Wert gelegt werden: ob die auswärtige Gesetzgebung
die Vetriebsunfälle als solche entschädigt und hierbei
auch das Schuldmoment nicht wesentlich anders behandelt,
als dies im deutschen Rechte geschehen ist;
ferner ob die Leistungen der Versicherungs= oder Fürsorgeträger,
d. h. die Unfallentschädigungen, im wesentlichen
dem deutschen Rechte entsprechen; sodaun
ob die Beitragsleistungen der Unternehmer angemessen
geregelt sind; weiter ob die Ansprüche der Cutschädigungsberechtigten
genügend sichergestellt sind; und
endlich ob zur Durchführung der Ansprüche, namentlich
der Entschädigungsforderungen, ein angemessenes,
leicht zu handhabendes Verfahren gewährleistet wird.
Derartige Abkommen sind bisher nur mit dem Großherzogtume
Luremburg unter dem 2. September 1905
und mit den Niederlanden unter dem 27. August 1907
abgeschlossen worden. Bei ihrer Vorbereitung haben
Mitglieder des Reichs-Versicherungsamts mitgewirkt.
Zu ungunsten einzelner Ansländer bestehen folgende
Ausnahmen: Auf dem Gebiete der Unfallversicherung
haben die Hinterbliebenen eines Ansländers (Witwe,
Kinder, Verwandte der aufsteigenden Linic, elternlose
Enkel) keinen Anspruch auf Rente, wenn sie zur Zeit
des Unfalls nicht im Inland (in der Seec-Unfallversicherung
auch an Bord eines deutschen Schiffes) ihren
„gewöhnlichen Aufenthalt“ hatten. Ferner ruht das
Recht auf Bezug der Unfallrente, solange der berechtigte
Ausländer nicht im Inlande seinen „gewöhnlichen
Aufenthalt“ hat, auf dem Gebiete der See-Unfallversicherung,
solange der Berechtigte auf fremden
Kriegsschiffen Dienste tut oder, ohne auf einem deutschen
Schiffe angemnstert zu sein, im Auslande sich aufhält
und cs unterläßt, der Berufsgenossenschaft seinen
Aufenthalt anzuzeigen. Endlich kann ein Ausländer,
falls er seinen „Wohnsitz" im Deutschen Reiche aufgibt,
auf seinen Antrag mit dem dreifachen Betrage der ihm
zugesprochenen Jahresrente abgefunden werden. In
den vorerwähnten drei Fällen können jedoch die den
Ausländern ungünstigen Bestimmungen durch den
Bundesrat außer Kraft gesetzt werden sowohl für bestimmte
Grenzbezirke als auch für die Angehörigen
solcher auswärtiger Staaten, durch deren Gesetzgebung
für die Hinterbliebenen durch Betriebsunfall getöteter
Deutscher, beziehungsweise für deutsche, durch einen Be-163.
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