Metadaten : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

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Fromme  hatte  wohl  sogar  Lust,  auch  einmal  selbst  zu
predigen,  ließ  Bibeln  drucken,  vertheilte  sie  unter  seine  Räthe
und  schrieb  ihnen  erbauliche  Sentenzen  hinein,  nur  der  Veredlung
  seines  eigenen  Charakters,  der  Ablegung  maucher
selbst  auffallender  Fehler  desselben,  der  bessern.  Regicrung  seines
  Landes  vergaß  er  voͤllig.

1578  Die  Vormuͤnder  ließen  ihn  zwar  bis  in's  vier  und
zwanzigste  Jahr  warten,  eh'  sie  ihm  die  Regierung  voͤllig
übergaben,  aber  die  Fehler,  deren  erster  Grund  in  seiner
ersten  Erziehung  lag,  verloren  sich  nicht  mit#  den  Jahren,
und  nicht  einmal  seine  gar  zu  gemeinen  Sitten  gewannen
endlich  einige  Regentenwürde.  Die  alten  Räthe  und  Landstände
  behandelten  ihn  daher  ganz  als  ihres  Gleichen,  und
obschon  damals  überhaupt  in  dem  Sprachgebrauch  der  Teuxschen
  Landstände  noch  nicht  das  Unterthanenceremoniel  war,
so  ist  doch  selbst  auch  für  dieses  Zeitalter  der  Ton  gar,  zu
hofmeisiernd,  womit  sie  ihm  Vorstellungen  machten.  Da
der  Herzog  mit  seiner  Vermählung  bis  in  sein  zwanzigstes
Jahr  zauderte,  so  schrieben  ihm  endlich  die  Landständc,  sie
sähen  sich  als  seine  Taufpathen  gedrungen  für  ihn
zu  sorgen,  und  ihn  an  Fortpflanzung  seines  Stamms  zu
erinnern.  Einsi  da  ihm  eben  dieselben  auf  einem  Landtag
zu  Bezahlung  der  Schulden  sechsmal  hundert  tausend  Gulden
  verwilligt  hatten,  dankte  er  bei  dem  Abschied  gar  schoͤn
und  versicherte,  daß  er  in  Freud  und  Leyd  als  ein
rechter  Bater  des  Vaterlandes  mit  ihnen  heben
und  legen  wolle,  sie  sollten  nur  auch  in  Zukunft  fein  sparen
und  zu  Rath  halten  da  die  Zeitenso  schlimm  seyen.  Sogleich
nahmen  alsdenn  Prälaten  und  Landstände  gegen  den  Herzog
das  Wort  „er  muͤsse  auch  sparen  wie  sie  ,  und  eé  sey  nicht
genug,  daß  man  ihm  jetzt  die  Schulden  bezahlt  habe.“