Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Dreißigster Jahrgang. 1902. (30)

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gelbe,  zerklüftete  Herde,  welche  Geschwüre  zurücklassen.  Sie  können  schon  nach  kurzer  Zeit  zu  einer
schweren  Lungenentzündung  oder  jauchigen  Blutvergistung  führen,  an  welcher  die  Thiere  sterben.

Auf  Diphtherie  ist  namentlich  zu  achten  bei  Kälbern  (§.  8).  Die  Schlachtvieh=  und  Fleischbeschau
bleibt  dem  Thierarzte  vorbehalten  (55.  11,  31).

16.  Die  jauchige  Blutvergiftung.

Die  jauchige  Blutvergistung  ist  die  wichtigste  Krankheit  für  die  Fleischbeschau,  da  auf  sie  die
meisten  Fleischvergistungen  zurückzuführen  sind.  Die  Krankheitskeime  der  jauchigen  Blutvergistung  dringen
von  irgend  einer  erkrankten  Stelle  der  äußeren  Haut,  der  Schleimhaut  der  Gebärmutter,  der  Athmungsoder
  Verdauungsorgane  oder  von  dem  noch  nicht  verheilten  Nabel  aus  in  die  Blutbahn  ein;  das  Krankheitsbild
  zeigt  je  nach  der  Art  der  Ansteckung  gewisse  Verschiedenheiten,  welche  die  Unterscheidung  mehrerer
Formen  der  Blutvergiftung  bedingen.

Die  Krankheitserscheinungen  am  lebenden  Thiere  sind  manchmal  so  wenig  eigenartig,  daß  eist
der  Befund  am  geschlachteten  Thiere  in  Verbindung  mit  dem  Lebendbesunde  zur  sicheren  Erkennung  der
Krankheit  führt.  Hohes  Fieber  (41  bis  42·),  vor  dem  tödtlichen  Ausgange  wohl  auch  unternormale
Temperatur,  starke  Beeinträchtigung  des  Allgemeinbefindens,  große  Schwäche  und  Hinfälligkeit  sind  Erscheinungen,
  welche  stets  den  Verdacht  der  Blutvergiftung  erwecken  müssen.

Werden  beim  geschlachteten  Thiere  trübe,  graugelbe  Verfärbung  der  Leber  und  Nieren,  trübe,
graue  Verfärbung  des  Herzfleisches,  wodurch  es  dem  gekochten  Fleische  ähnlich  wird,  vielleicht  auch
punktförmige  Blutungen  unter  den  serösen  Häuten  und  Schwellung  mit  blutiger,  wässeriger  Durchtränkung
sämmtlicher  Lymphdrüsen  gefunden,  so  ist  das  Vorhandensein  einer  jauchigen  Blutvergistung  anzunehmen.
Oft  sind  aber  auch  diese  Krankheitszeichen  am  todten  Thiere  so  wenig  deutlich  vorhanden  und  so  leicht
mit  anderen  fehlerhaften  Zuständen,  z.  B.  Fettansammlung  in  Leber  und  Nieren  oder  Fäulniß,  zu  verwechseln,
  daß  nur  der  Thierarzt  die  verdächtigen  Erscheinungen  richtig  zu  deuten  vermag.

Die  häufigsten  Formen  der  jauchigen  Blutvergiftung  sind:

a)  die  sich  an  äußere  Verletzungen  und  Entzündungen  (brandige  Wunden,  Entzündung  der
Gelenke,  Klauen,  Hufe,  Sehnenscheiden  2c.)  anschließende  Blutvergistung;
b)  die  jauchige  Nabelentzündung  junger  Thiere;
T)  die  blutige  Darmentzündung  bei  Kälbern  und  Rindern;
4)  die  jauchige  Gebärmutterentzündung;
e.)  die  bösartige  Euterentzündung  bei  Kühen:;
f)  die  jauchige  Brust=  und  Bauchfellentzündung.
Die  Schlachtvieh=  und  Fleischbeschau  bleibt  dem  Thierarzte  vorbehalten  (§§.  11,  31).

17.  Die  eitrige  Blutvergiftung.

Diese  Krankheit  kommt  oft  gleichzeitig  mit  der  jauchigen  Blutvergiftung  (vergl.  Nr.  16)  vor  und
enisteht  durch  Verschleppung  von  Eitererregern  auf  dem  Wege  des  Blutstroms  von  einem  örtlichen  Eiterherd
  aus.  Die  Eitererreger  setzen  sich  besonders  in  Lungen,  Milz,  Nieren,  Leber,  Gelenken,  Knochen
und  Muskeln  fest  und  erzeugen  dort  neue  Eiterherde,  welche  entweder  abgekapselt  werden  oder  weiler
um  sich  greifen,  wieder  in  die  Blutbahn  einbrechen  und  zur  Bildung  von  neuen  Eiterherden  führen.

Beim  lebenden  Thiere  findet  man  allgemeine  Abgeschlagenheit,  verringerte  Freßlust  und
wechselndes  Fieber,  zuweilen  Eiterungen,  von  welchen  die  Blutvergistung  ihren  Ausgang  genommen  hat,
sowie  Eiterungen  mehrerer  Gelenke,  letztere  namentlich  bei  Kälbern.  .

Beim  geschlachteten  Thiere  kann  man  der  Regel  nach  den  Eiterherd,  von  welchem  die  Krankheit
  ausgegangen  ist,  nachweisen;  außerdem  besteht  Trübung  des  Herzfleisches,  der  Leber  und  Nieren
(wie  bei  der  jauchigen  Blutvergiftung),  ferner  sind  Schwellung  der  Milz,  punktförmige  Blulungen  in  den
Nieren  und  frische,  nicht  abgekapselte  Eiterherde  in  den  verschiedensten  Körpertheilen,  hauptsächlich  in
Lungen,  Milz,  Nieren,  Leber,  Gelenken,  Knochen  und  Muskeln,  vorhanden.

Wie  bei  der  jauchigen  Blutvergiftung,  kann  man  auch  bei  der  eitrigen  Blutvergistung  verschiedene
Formen  der  Krankheit  unterscheiden.  Die  häufigsten  sind:
1.  die  eitrige  Nabelvenenentzündung  der  Kälber;
2.  die  eitrigen  Lungenentzündungen  (besonders  bei  Kälbern,  Schafen  und  Ziegen)
3.  die  eitrige  Knochenmarkentzündung.
Die  Schlachtvieh=  und  Fleischbeschau  bleibt  dem  Thierarzte  vorbehalten  (5F.  11,  31).
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