42 Innere Zustände Bajoariens unter d. Karolingern.
lichen Vasallen einer gemeinsamen Berathung unterstellten. Anfänglich
waren es die Bischöfe und die weltlichen Vasallen allein,
welche zu dieser gemeinsamen Berathung vor dem König versammelt
wurden, seit 711 finden sich auch die Aebte anwesend,
seit 813 erscheinen Bischöfe, Aebte und weltliche Große.
Unter den nächsten Nachfolgern Karls des Großen hat
Bajoarien wenig an geistlicher und sittlicher Bildung gewonnen,
denn die vielen Streitigkeiten zwischen den Karolingern
selbst und die fortwährenden Kriege gegen die slavischen Völker
traten hindernd in den Weg. Doch gab es immerhin noch mehrere
Klöster, in welchen Kunst und Wissenschaft Pflege fanden.
Das Kloster St Emmeram in Regensburg war im Besitze eines
Evangelienbuches, das Karl der Große mit eigener Hand verbessert
hatte ). Ein Mönch zu Wessobrun betrieb bald nach
der Stiftung dieses Klosters schon die deutsche Dichtkunst und
verfaßte das sogenannte Wessobruner Gebet in deutschen Versen.
Zu Freysing wurde die gereimte deutsche Bibel des Mönches
Ottfried von Weißenburg abgeschrieben. Anamodus, ein Diakon
zu St. Emmeram, schrieb im neunten Jahrhundert einen Coder
der Schankungen seines Stiftes, der neben den Urkundenbüchern
von Salzburg (Congestum Arnonis) und Freysing eines der
ältesten geschichtlichen Dokomente unseres Vaterlandes ist. Der
Freysinger Bischof Hitto und sein Notar schrieben eigenhändig
nicht blos die Bücher des alten und neuen Testamentes ab,
sondern verbesserten auch den Text. Eliland, Abt von Benediktbeuren,
erfreute sich deshalb der besondern Gunst Karls des
Großen, weil er dessen Unterrichtszwecke sehr förderte. Außer
Benediktbeuren hatte auch Regensburg, Freysing und Tegernsee
vortreffliche Schulen. Unter den Mönchen gab es auch viele,
welche Bildwerke aus Holz und Elfenbein, erhabene Arbeiten
aus Silber und Gold, kostbare Einbände der Bücher fertigten,
desgleichen Maler, Baumeister und gute Orgelbauer. Papst Johann
VIII (+ 882) ersuchte den Bischof Anno von Freysing,
er möchte ihm eine bajoarische Orgel schicken nebst einem Manne,
der sie spielen und neue herstellen könne.
*) Es ist mit goldenen Unzialbuchstaben geschrieben und mit Malereien
geziert. Gegenwärtig befindet sich dasselbe in der Hofbibliothek zu München.