Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Achter Jahrgang. 1892. (33)

10  Das  deutsche  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.  (Januar  15.)

dem  Religionsunterricht  in  der  Schule  beizuwohnen,  durch  Fragen  sich  von
der  sachgemäßen  Erteilung  desselben  und  von  den  Fortschritten  der  Kinder
zu  überzeugen,  den  Lehrer  nach  Schluß  des  Unterrichts  sachlich  zu  berichtigen
sowie  dementsprechend  mit  Weisungen  zu  versehen.

Die  kirchliche  Oberbehörde  ist  befugt,  im  Einvernehmen  mit  dem
Regierungs-Präsidenten  einen  Ortsgeistlichen  ganz  oder  teilweise  mit  der
Erteilung  des  Religionsunterrichts  zu  beauftragen.  Kosten  dürfen  den  verpflichteten
  Gemeinden  (Gutsbezirken,  Schulverbänden)  hierdurch  nicht  entstehen.

Für  den  evangelischen  und  katholischen  Religionsunterricht  gilt,  falls
von  den  kirchlichen  Oberbehörden  eine  andere  Bezeichnung  nicht  erfolgt,  der
Pfarrer,  und  wenn  mehrere  Pfarrer  vorhanden  sind,  der  erste  Pfarrer  als
gesetzlich  beauftragt  zur  Leitung  des  Religionsunterrichts  für  die  innerhalb
seiner  Pfarrei  belegenen  Volksschulen.

Eine  Zurückweisung  des  mit  der  Leitung  des  Religionsunterrichts
Beauftragten  vom  Besuche  der  Volksschule  ist  zulässig,  wenn  derselbe  die
Ordnung  der  Schule  gestört  hat.

Die  Zurückweisung  erfolgt  durch  Beschluß  des  Regierungs-Präsidenten
nach  Benehmen  mit  den  kirchlichen  Oberbehörden,  beziehungsweise  mit  den
zuständigen  Organen  der  betreffenden  Religionsgesellschaften.

In  dem  Beschlusse  sind  die  Thatsachen  anzugeben,  welche  die  Maßregel
  begründen.  



§ 27.
Träger  der  Rechtsverhältnisse  der  öffentlichen  Volksschulen  sind  die
bürgerlichen  Gemeinden,  die  selbständigen  Gutsbezirke  und  die  Schulverbände.
§ 35.

Die  Aufbringung  der  Kosten  für  die  Errichtung  und  Unterhaltung
der  öffentlichen  Volksschulen  liegt  den  bürgerlichen  Gemeinden  (Gutsbezirken,

Schulverbänden)  ob.
Fortfall  des  Schulgeldes.

§ 36. Die  Erhebung  des  Schulgelds  in  den  öffentlichen  Volksschulen  findet
fortan  nicht  statt.    
§  60.

In  jedem  Landkreis  wird  für  die  Schulen  auf  dem  Lande  eine  Kreisschulbehörde
  gebildet.
§ 61.
Die    Kreisschulbehörde  besteht  aus  dem  Landrat  und  dem  zuständigen
Kreisschulinspektor.  In  denjenigen  Fällen,  in  welchen  das  Gesetz  die  Beschlußnahme
  der  verstärkten  Kreisschulbehörde  überträgt  (§§  19,  21,  33,  147),
treten  diesen  Beamten  die  gewählten  Mitglieder  des    Kreisausschusses  mit
beschließender  Stimme  hinzu.  §  65.
In  jeder  Stadt  wird  eine  Stadtschulbehörde  gebildet.

§ 68. Für  jede  einzelne  Schule  wird  ein  besonderer  Schulvorstand  eingesetzt.
Der  Schulvorstand  hat  die  Interessen  der  Schule  wahrzunehmen  und
den  Gemeinde-  und  Schulbehörden  helfend  und  beratend  zur  Seite  zu  stehen.

§ 70.
Der  Schulvorstand  besteht:
1)  aus  dem  Orts-Schulinspektor  als  Vorsitzenden.
Sofern  der  Orts-Schulinspektor  nicht  zugleich  der  mit  der  Leitung
des  Religionsunterrichts  betraute  Geistliche  sein  sollte,  aus
2)  dem  mit  der  Leitung  des  Religionsunterrichts  betrauten  und  zum
Besuch  desselben  befugten  Geistlichen  oder  Religionsdiener;