Full text : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Zweiter Band. (2)

24  Der  Feldzug  im  Westen  vom  12.  Sept.  bis  15.  Nov.  1914

sam  sich  enewirrenden  Korps  gegen  Franchet  d'Espèrey  und  Foch  ins  Treffen
werfen  und  den  Sachsen  Luft  machen,  die  bei  Drosnes  und  Auberive  fochten.
Die  Heereskavallerie  war  bereits  am  rechten  Flügel  notwendig,  wo  die
tiefe  strategische  Flanke  von  St.  Quenkin  bis  Douai  offen  lag.

Droy  der  Unfertigkeit  des  Aufbaus  dieser  Schlachtordnung  hielt  Kluck,
hielten  Bülow  und  Generaloberst  v.  Einem,  der  an  Hausens  Stelle  trat,
hielten  Herzog  Albrecht  und  der  Kronprinz  zuversichtlich  sland,  um  das
Schicksal  zu  wenden.  Die  Schlachtordnung  entsprach  der  Emtwicklung,
welche  die  deutschen  Armeen  auf  den  Gipfelpunkt  des  strategischen  Erfolges
zurückverwiesen  hatte,  über  den  sie  am  1.  September  im  Vollgefühl  ihres
siegreichen  Bormarsches  und  von  der  lebendigen  Kraft  ihres  Heldenganges
getragen,  bis  zur  Seine  vorgepralle  waren.  Aber  diese  Schlachtordnung  diente
nicht  als  Fußpunkt  zum  Angriff,  sondern  zunächst  nur  zur  Verteidigung.  Die
Rollen  waren  vertauscht.  Die  Berhältnisse  forderten  von  den  deutschen
Armeen  die  Einrichtung  in  Gräben  und  hinter  bochgeworfenen  Brustwehren,
  bis  die  Verstärkungen  herangekommen  und  Mund-  und  Schieß.
vorrat  herbeigeschafft  waren.  Noch  war  die  Handlungsfreiheit  auf  seiten
des  Gegners,  dem  die  Kräfte  auf  der  Verfolgung  rascher  nachwuchsen;  noch
waren  die  deutschen  Bakterien  der  Gefahr  ausgeseh#,  sich  zu  verschießen,  um
den  Feind  an  den  Aisnebrücken  zum  Stehen  zu  bringen;  noch  war  die  offene
rechte  Flanke  der  deutschen  Armeen  einer  Umfassung  preisgegeben,  obwohl
man  sich  im  Mündungswinkel  von  Aisne  und  Oise  vor  Lberraschungen  gesichert
  und  den  rechten  Flügel  weit  zurückgebogen  hatte;  noch  stand  Antwerpen,
wo  die  belgische  Armee  nach  fünftägigem  Kampf  zwar  soeben  wieder  in  die
Festungsräume  flutete,  aber  immer  noch  stark  genug  war,  ihre  Ausfälle
zu  wiederholen  und  die  rückwärtigen  Verbindungen  der  Deutschen  zu  bedrohen,
  und  neu  drohte  ein  Durchbruch  in  der  Mitte,  wo  zwischen  Kluck  und
Bülow  eine  schlecht  verkleidete  Lücke  gähnte.

Als  die  Armeen  Maunoury,  Freuch,  Franchet  d'Espêrey  und  Foch  am
13.  September  an  der  Aisne  und  Snuippes  anliefen,  in  dem  Wahne,  mir
opferbereite  Nachhuten  vor  sich  zu  finden,  war  die  Neuordnung  der  deutschen
Armeen  noch  nicht  zur  Reife  gediehen.  Unzweifelbaft  bestand  daher  am
13.  September  für  die  Deutschen  die  Gefahr,  überrannt  oder  durchbrochen
zu  werden.  Mit  dieser  Gefahr  mußte  die  deutsche  Heeresleitung  rechnen,
wie  Joffre  mit  ihr  hatte  rechnen  müssen,  als  er  sich  zwischen  Paris  und  Verdun
zur  Schlacht  stellte.  Der  französische  Feldherr  war  am  4.  September  allerdings
  in  glücklicherer  Lage  gewesen.  Er  konne  seine  Armeen  neugegliedert  und
frisch  aufgefüllt  aus  festwerankerter  Grundstellung  an  den  Feind  führen  und
gelassen  zur  doppelseitigen  Umfassung  ausholen.  Dagegen  sah  sich  die  deutsche
Heeresleitung  am  13.  September  von  vornherein  in  ungünstiger  strategischer
Lage.  Sie  war  gezwungen,  die  abgehehten  Korps  auf  dem  Flecke  herumzuwerfen
  und  es  den  Armeeführern  zu  überlassen,  sie  an  Ort  und  Stelle  zu