100 Der Große Kurfürst
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der Obersten wird allmählich durch den Kurfürsten abgestellt, e er r geht
zuerst daran, ihnen die bisher ausgeübte Jurisdiktionsgewalt und
das Ernennungsrecht zu nehmen. Dazu gehörte freilich, daß der
Fürst pekuniär unabhängig von seinen Obersten wurde und für die
regelmäßige Zahlung des Soldes und der Werbeauslagen einstehen
konnte — das ermöglichten ihm die fremden Subsidien; nur durch
Hilfe der Zahlungen des Königs Ludwig XIV. konnte Friedrich Wilhelm
seine Armee so ausbilden, wie er es getan. Er hob den sittlichen
Zustand der Truppen außerordentlich; die ganze Roheit, Zügellosigkeit,
Unbildung des Dreißigjährigen Krieges trieb er ihnen allmählich
aus, fesselte den Offiziersstand an das Land, machte den Soldatenstand
zu einem geachteten und patriotischen. Und wenn es auch an überschreitung
der Vorschriften, an Gewalttätigkeit aller Art, an Drangsalierung
des Bürgers und Bauers im Frieden nicht gefehlt hat, so
konnte doch 1686 der kaiserliche Gesandte Baron Fridag sich äußern:
„auserlesene und wackere, auch besser mundierte Bölker sollten sich
nicht leicht finden, auch dergestalt, daß kein Mann zu tadeln oder auszuschließen
sei.“ Für die Ausbildung der Offiziere sorgten Kadettenanstalten,
deren erste, eine „Akademie ritterlicher übungen“, 1655
in Kolberg errichtet worden ist. Auch für die Versorgung und Verpflegung
der Gemeinen war der Kurfürst bemüht; zwischen dem Geheimen
Rate, der obersten Behörde, und den Kriegskommissären
wurde ein General-Kriegskommissär eingeschoben mit zahlreichem
Stabe, ein sehr wichtiger und verantwortungsvoller Posten, dessen
bedeutendster Inhaber, Herr von Platen, auch die Handelspolitik,
vor allem den Getreidehandel zu überwachen hatte: ein Zeichen,
wie sehr damals in Brandenburg das Wohl und Wehe des Staats
durch militärische Verhältnisse bedingt wurde. Die Pflege der Verwundeten
wurde nicht vernachlässigt, 1675 in Spandau ein Invalidenhaus
errichtet. Auf die technische Ausbildung der Armee war
Friedrich Wilhelm ebenfalls bedacht: Jäger und Dragoner hat er
da ausgebildet, die ersteren aus den kurfürstlichen Forstbeamten bestehend,
die letzteren als übergang zwischen Infanterie und Kavallerie,
mit deutlichem Hinstreben zur letzteren Waffe, wie überhaupt
der Kurfürst seine Reiter mehr geliebt hat als seine Fußtruppen, ohne
dabei aber etwa letztere, oder die Artillerie und den Festungsdienst
zu vernachlässigen. Der Bau der Festungen wurde durch holländische
Ingenieure besorgt. Der Kurfürst war ein Mann der Offensive seinem
ganzen Temperamente nach, dies tritt in der Kriegführung,
auch in seiner Vorliebe für die leichte Kavallerie hervor. Außeror-