Ukber standesherrliche Familienstbeikommisse. 9
Man sagt ferner, daß die Frage, ob Matrikel oder
Hyp.= Folium, — lediglich die Form betreffe und
eine um so geringere Bedentung habe, als durch die
Jnstruktion vom 3. Mai 1857 der formelle Unterschied
zwischen Matrikel und Hyp.-Folium ohnedies
fast gänzlich beseitigt sei. Hiegegen erwidern wir
aber, daß die Matrikelform für standesherrliche Fideikommisse
ohne Eingriff in das Wesen der Sache
gar nicht #urchführtar wäre.
Nach §. 30 und 54 der VII. Verf.-Beil.
müssen sämmtliche Bestandtheile des Fideikommisses
in die Matrikel eingetragen und können Fideikommiß-=schulden
immer nur auf das ganze Fideikommißintabulirt
werden. Legt man also für standesherrliche
Feltomms Matrikeln und nicht Hyp.-Folien
an, so können die Standesberren immer nur ihre
ganzen Fideikommisse verpfänden und von dem das
Hyp.-Gesetz durchdringenden Grundsatze der Spezialtät
der „Hypotheken durch Verpfändung nur einzelner
F dtheile keinen Gebrauch machen,
was denn doch eine entschiedene Beeinträchtigung
ihrer autonomischen Rechte wäre. Denn obschon
der Grundsatz der Untheilbarkeit der deutschrechtlichen
Entwickelung des Fideikommißinstitutes entspricht, so
kann doch ein so allgemeiner Grundsatz die Standesherren
nicht an der Verpfändung blos einzelner Fideikommißtheile
hindern, weil sich S. 8 des Hyp.=Gesetzes
auf die IV. Verf.-Beil. bezieht, aus dieser
aber eine solche Beschränkung nicht hervorgeht, vielmehr
aus §. 9 derselben das Gegentheil zu entnebmen
ist. Hiebei ist aber noch besonders zu berücksichtigen,
daß, während nach §. 3 der VII. Verf.=Beil.
nur solches Grundeigenthum, welches im
Königreiche liegt, Fideikommißbestandtheil werden
kann, die standesherrlichen Fideilkommißtheile
gar häufig in verschiedenen Territorien gelegen sind.
Wie wäre in solchem Falle der Grundsatz der Untheil-