48 Ablehnung des Empfangs einer Deputation des Abgeordnetenhauses.
Es wird sich dabei empfehlen, daß Sie bei ihrem Aufenthalt in Arolsen, Bückeburg und
Detmold eventuell mit den dortigen Regierungen einen Modus verabreden, wodurch die
Abstimmungen des Herrn von Linde nach der Majorität der Instruktionen genauer kontrolliert
werden. «
Das eigentliche wiewohl möglichst geheime Ziel Ihrer Mission wird aber Kassel
sein. Der Königliche Bundestagsgesandte, der Ew. pp. das vorliegende Schreiben
übergeben wird, wird Ihnen zugleich an Ministerialrat Koch eventuell an andre einflußreiche
Personen in Kassel die geeigneten schriftlichen Empfehlungen mitgeben und
Ihnen dabei nach seiner genauen Kenntnis der dortigen Verhältnisse alles dasjenige mündlich
mitteilen, was der Lösung der gestellten Aufgabe dienen kann.
29. Schreiben an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses Grabow.
In der neuen Session des Landtags, die am 14. Januar mit der Verlesung der Thronrede
durch Bismarck eröffnet wurde, nohm der Verfassungskonflikt absbald schärfere Formen
an. Nach mehrtägigen Debatten, in denen auch der Ministerpräsident mehrfach das Wort zu
nachdrücklichster Abwehr ergriff, beschloß das Abgeordnetenhaus am 20. Januar eine Adresse
an den König als Antwort auf die Thronrede. Die Adresse endete nach ausdrücklicher Kon-Katierung
der Verfassungsverletzung und des Mißbrauchs der Regierungsgewalt durch die
Minister mit der feierlichen Erklärung, „daß der innere Frieden und die Kraft nach außen dem
Lande nur durch die Rückkehr zu verfassungsmäßigen Zuständen wiedergegeben werden könne“.
Es verstand sich nach so scharfen Ausdrückeen von selbst, daß Bismarck dem Könige riet, eine
persönliche Überreichung der Adresse durch eine Deputation des Abgeordnetenhaufes abzulehnen.
Berlin, den 30. Januar 1863.
Ew. Hochwohl geboren gefälliges Schreiben vom 29. d. M.,die Überreichung der"
Adresse des Abgeordnetenhauses betreffend, habe ich zur Kenntnis Seiner Majestät des
Königs gebracht. Allerhöchstderselbe hat mir befohlen, Ew. Hochwohlgeboren m erwidern,
daß Seine Majestät sich nicht bewogen finden, eine Deputation des Hauses der Abgeordneten
zu empfangen. Ew. Hochwohlgeboren stelle ich daber ergebenst anheim, die Adresse
auf schriftlichem Wege, entweder direkt oder durch meine Vermittlung, in die Hände
Seiner Mojestät gelangen zu lassen.
Stenographische Berichte des Hauses der Abgeordneten, 1863, I, 146 f.
*30. Schreiben an den Generaladjutanten von Alvensleben.
[Konzept.]
Im ehemaligen Königreich Polen, das seit Mai 1862 unter dem Großfürsten Konstantin
Nikolajewiisch als Statthalter und dem Grafen Al. Wielopolski als Chef der Zivilverwaltung
stand, war es trotz der von diesen beiden Männern inaugurierten liberalen Reformen
im Januar 1863 zu einer revolutionären Erbebung gekommen, deren Ziel auf die Befreiung
Polens in den Grenzen von 1771 gerichtet war. Es stand nach dem Vorgeben des polnischen
Nationolkomitees zu befürchten, daß die Bewegung wie bei der früheren Erhebung von 1830
auf die preußisch-polnischen Gebietsteile übergreifen würde. Unter diesen Umständen entschloß
sich König Wilbelm I. auf den Rat Bismarcks, der die ihn leitenden Gesichtspunkte später in
einem eigenen Kapitel der Gedanken und Erinnerungen niedergelegt hat (I, 307 ff.), den Generaladjutanten
General G. von Albensleben mit einer auf eine militärische Kooperation Preußens
und Rußlands gerichteten Mission nach Petersburg und Warschau zu betrauen.
Berlin, den 1. Februar 1863.
Schon mündlich habe ich mich beehrt, Curer Exzellen; mitzuteilen, daß es uns bei Ibrer
Sendung vorzugsweise auf zwei Gesichtspunkte ankommt.