196
Schon lange hatten die Kurfürsten von Brandenburg aus
dem Hause Zollern für die Cultur ihrer sandigen Mark und
ihrer Nebenländer gesorgt, sehr brauchbare Kolonisten aufgenommen,
wie die aus Frankreich vertriebenen Reformirten, die
um des Glaubens willen vertriebenen Salzburger Emigranten,
wozu sich Mennoniten und Herrnhuter gesellten. Unter Friedrich
dem Großen gewährte das System der Toleranz immer neuen
Einwanderern gastliche Aufnahme und zugleich wandte dieser
einsichtsvolle. Regent zum erstenmal das sog. physiokratische System
in ausgedehntester Weise auf seine Länder an. Diesem System
gemäß sollte nämlich dem Boden nicht nur aller in ihm verborgene
natürliche Reichthum durch Ackerbau, Bergbau, Production
nützlicher Nahrungs= und Culturpflanzen, Waldcultur,
rationelle Viehzucht 2c. abgewonnen werden, sondern auch der
bisher unfruchtbar gewesene Boden sollte fruchtbar gemacht werden
durch Anpflanzung und Canalisirung des zu trockenen, durch
Entsumpfung des zu nassen Bodens, durch Verwandlung überflüssigen
und verwilderten Waldlandes in Ackerland, durch Auffindung
von edlen Metallen, Kohlen, Salz r2c., durch Anlage
von Straßen, durch Erleichterung des Landmanns, weise Gerechtigkeitspflege,
Aufmunterung und Vermehrung der Einwohner.
Friedrich der Große hat darin Erstaunliches geleistet. So gewann
er dem Maduesee in Pommern 30,000, den Morästen
des Drömling bei Magdeburg 176,852 Morgen ab. In Oberschlesien
allein errichtete er 213 neue Dörfer. Von welchem Werth
der durch ihn eingeführte Kartoffelbau gewesen ist, wurde oben
schon erwähnt. Im Hungerjahr 1770 hatten die preußischen
Unterthanen zu essen, während die österreichischen in Böhmen zu
Tausenden verhungerten. Der Adel, zahlreich, aber auf kleine
Rittergüter vertheilt, vortrefflich zum Kriegsdienst geeignet und
geneigt, wurde zugleich vom König in guter Zucht gehalten, im
Jahr 1763 die Leibeigenschaft der Bauern „absolut und ohne