Erste Mitteilungen Preußens an Rußland. 691
Hsterreich abgelehnte Kongreßplan erörtert worden sei, alle drei Mächte gemeinsam
gehandelt hätten. Offenbar fürchtete man, daß Frankreich sich auf
diese Weise einseitig einen Vorteil sichern und die übrigen Großmächte von
jedem Einfluß auf die Feststellung der Friedensbedingungen ausschließen
wolle. Auf die Haltung Rußlands hatte also jener Schritt Napoleons zunächst
eine für Preußen günstige Wirkung.
Im preußischen Hauptquartier empfand man natürlich das Bedürfnis, mit
Rußland Fühlung zu behalten; daher sandte König Wilhelm am 7. Juli,
als er den Prinzen Reuß an Napoleon schickte, auch einen eigenhändigen Brief
an den Zaren, den er durch den Oberstleutnant von Schweinitz nach Petersburg
überbringen ließ. Auch in diesem Schreiben' konnten natürlich genauere Mitteilungen
über die Friedensbedingungen noch nicht gemacht werden, da über
diese, wie wir wissen, damals noch kein bestimmter Entschluß gefaßt war. Es
wurde nur Wert darauf gelegt, dem Zaren klar zu machen, daß Preußen einem
Bündnis Hsterreichs und der größeren Mittelstaaten gegenüber gestanden
habe, und im Interesse seiner Verteidigung und Selbsterhaltung die Waffen
habe ergreifen müssen, um den Gegnern nicht die Zeit zur Beendigung ihrer
Kriegsvorbereitungen zu lassen. Der König versicherte dann, daß die bisherigen
Siege seine Pläne nicht geändert und keinen ungemessenen Ehrgeiz in ihm
erweckt hätten. Jedoch müsse er unbedingt fordern, daß der Friede die nötigen
Garantien gegen die Wiederkehr ähnlicher Gefahren biete. Das jetzige Hervortreten
Frankreichs habe offenbar den Zweck, die Einigung Deutschlands, sei
es unter österreichischer, sei es unter preußischer Führung zu verhindern, und
das Gleichgewicht zwischen beiden Mächten in Deutschland aufrechtzuerhalten.
Er habe geglaubt, den Vorschlag nicht ohne weiteres von der Hand weisen zu
sollen, und sei der Ansicht, daß der Kaiser es richtig finden werde, wenn er kein
Mittel zur Herstellung des Friedens unversucht lasse; jedoch sei er fest entschlossen,
keinen Frieden anzunehmen, der nicht Deutschland die bezeichneten
Garantien gebe und der großen Erfolge würdig sei. Er hoffe auch in dieser
Lage auf die Unterstützung des Kaisers und die Fortdauer des gegenseitigen
Wohlwollens, wie es bisher zwischen beiden Dynastien und Ländern bestanden
habe.
Noch bevor dieser Brief in Petersburg angelangt war, hatte der Zar, wenigstens
wenn die Angaben Napoleons dem Grafen Goltz gegenüber richtig sind,
gemeinsam mit England in Paris vorgeschlagen, die drei Mächte möchten zusammen
in Berlin die Erklärung abgeben, daß sie den deutschen Bund noch als
fortbestehend betrachteten.“ Es würde dies an sich den uns bekannten Tendenzen
der russischen Politik entsprechen; unklar bleibt es aber, ob dieser Schritt
1 Schreiben König Wilhelms an Kaiser Alexander v. 7. Juli.
:2 Bericht des Grafen Goltz v. 8. Juli.
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