Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LIX. Band. (59)

294  Das  Reichsgeseh  über  die  Abzahlungsgeschäfte.

tragen  seib  Z.  B.  Die  auf  Abzahlung  gekaufte  Waare
ist  im  Moment  des  Kaufes  200  Mark  werth,  im  Zeitpuncte
  des  Rücktritts  aber  wegen  inzwischen  eingetretener
Verbesserungserfindungen  nur  mehr  150  Mark;  der  Werth
des  Gebrauchs,  welcher  dem  Käufer  zwischen  diesen  beiden
Zeitpuncten  zustand,  beträgt  20  Mark,  —  muß  nun,
wenn  der  Rücktritt  gewählt  wird,  der  Käufer  nur  die
20  Mark  oder  neben  diesen  auch  noch  jene  50  Mark  bezahlen?
  Der  Antragsteller  Enneccerus  hat  mehrere  Beispiele
  angeführt,  aus  welchen  die  Bejahung  des  zweiten
Theils  dieses  Alternative  sich  ergeben  könnte.  Er  hat
insbesondere  Folgendes  vorgetragen:  „Jemand  hat  um
eine  erhebliche  Summe  eine  Maschine  auf  Abzahlung  gekauft;
  diese  Maschine  ist  inzwischen  im  Werthe  dadurch
außerordentlich  gefallen,  daß  eine  Neuconstruction,  welche
billiger  und  weit  besser  dasselbe  erreicht,  erfunden  worden
ist.  Der  Käufer  bleibt  nun  mit  seinen  Zahlungen  vielleicht
  absichtlich  rückständig;  der  Verkäufer  sieht  sich,  weil
er  nicht  anders  zu  seinem  Gelde  kommen  kann,  genöthigt,
das  Geschäft  zu  lösen.  Soll  er  nun  den  Schaden  der
Entwerthung  jener  Maschine  tragen?  Ich  meine,  die
Gerechtigkeit  kann  dahin  nicht  führen“  (Stenogr.  Ber.
S.  2031,  2032,  Sitz.  vom  16.  April  1894).  Troß  dieses
Beispiels  und  trotz  der  weiteren  Anusführungen  desselben
Abgeordneten,  daß  für  den  Schadenersaß  nicht  der  Nutzen,
den  der  Käufer  hatte,  sondern  der  Schaden,  den  der
Verkäufer  wegen  der  Saumsal  des  Käufers  hatte,  für
die  Höhe  der  Entschädigung  maßgebend  sein  müsse,  muß
man  doch  annehmen,  daß  der  Käufer  nicht  das  ganze
Risico  des  Werthrückgangs  zu  tragen  habe.  Man  wird
dies  auch  nach  der  Bestimmung  des  Gesetzes,  so  wie  sie
nun  in  82  vorliegt,  annehmen  müssen  und  zwar  deshalb,
weil  von  anderer  Seite,  insbesondere  von  Seiten  des
Vertreters  des  Reichsjustizamts  darauf  hingewiesen  wurde,
daß  durch  den  von  Enneccerus  beantragten  und  vom
Reichstag  schließlich  angenommenen  erwähnten  Zusatz  nichts
in  der  Tragweite  der  Vorlage  geändert  sei.  In  den