Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

209  —211.  1611  503

Befehlshaber  verhindert  würden.  Da  ich  nicht  zweifle,  dass  zumal
E.  L.  Ihr  äusserstes  dabei  tun  und  Ihren  Kaiser  nicht  unterdrücken
  lassen  werden,  so  habe  ich  mich  wegen  dieses  rechtmässigen
Vorhabens  der  deutschen  Fürsten  bei  E.  L.  erkundigen  und  Derselben
andeuten  wollen,  dass  Sie  versichert  sein  können,  es  werde  bei  den
hohen  Befehlshabern  kein  Hindernis  sein  sondern  den  Fürsten  |freistehen,
  zunächst  mich  und  dann  die  übrigen  hohen  Befehlshaber
samt  und  sonders  zur  Erhaltung  der  kaiserlichen  Autorität  zu
gebrauchen  oder  auszuschliessen.  Doch  bitte  ich  E.  L.,  mir  der  ganzen
Sache  Beschaffenheit  anzuvertrauen.  Datum  Budtweis  den  26.  maii
a.  1611.

Ib.,  Ambraser  Akten,  Leopoldinische  Hofkonzepte  von  1611,  f.  232;  Kpt.

210.  Der  Administrator  der  Kurpfalz  an  Melchior
|  Khlesl.

Colli  hat  uns  nach  seiner  Rückkehr  von  Prag  berichtet,  dass  er  an
Euch  vermerkt  und  Ihr  Euch  dahin  erklärt  habet,  „dass  Ihr  nunmehr  in
religionssachen  andere  gedanken  gefast  und  ad  moderatiora  consilia
geneigt  seiet,  mit  dem  anhang,  dass  man  sich  hinfurter  dessen  und
keines  andern  zu  versehen  haben  solte.“  Das  haben  wir  umso  lieber
vernommen,  „weiln  bissanhero  das  widerige  fast  alleuthalben  davor
gehalten  werden  wollen.“  Da  die  Erfahrung  lehrt,  dass  die  Gewissen
mit  äusserer  Gewalt  nimmer  bezwungen  werden  können  und  daraus
nur  Ungelegenheit  und  Landverderben  folgt,  so  hoffen  wir,  Ihr  werdet
künftig  auf  dem  Weg,  den  Ihr  nunmehr  gehen  zu  wollen  erklärt,
beständig  verharren;  denn  dadurch  allein  wird  Frieden  und  Ruhe
und  das  Aufnehmen  der  Länder  erreicht.  --—  Beglaubigung  für  Colli.
Datum  Heidelberg  den  16.  maii  a.  1611.

ib.  101/4;  —  Kpt.  von  Hausmann.!

21l.  Bescheid  des  Kurfürsten  von  Mainz  auf  die
Werbung  der  kurpfälzischen  Gesandten.?

Der  Kurfürst  weiss  sich  seiner  Erklärung  wegen  der  Administration
  wol  zu  erinnern  und  hat  für  seine  Person  auch  jetzt  noch  keine
andere  Meinung  als  den  Administrator,  den  er  nach  seiner  Rückkehr  aus
Prag  im  Besitz  der  Administration  gefunden  hatte,  auch  von  andern  Kurfürsten
  und  Fürsten  anerkannt  sah,  als  solchen  anzuerkennen,  wie  er  ja
auch  wegen  der  rheinischen  Angelegenheiten  stets  mit  ihm  kommuniziert
hat,  Die  Gesandten  werden  aber  wissen,  dass  er,  Kurfürst,  wegen  des
starken  Widerspruchs  des  Neuburgers,  der  scharf  und  bedrohlich  an  ihn
geschrieben  hat,  und  wegen  der  Interessen  der  andern  Kurhäuser  immer
zu  Mitteln  geraten  hat,  diesen  Misverstand  beim  Kaiser  und  wegen

ı  Vgl.  dazu  no.  106.
?  Vgl.  no.  199.

Mai  26.

Mai  26.