Metadata : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1871. (48)

Nr.  68.  1918.  517

sind,  die  volle  Verantwortlichkeit  zu  übernehmen  (siehe  auch  §  4  Abs.  1).  Ist  aus  besonderen
  Gründen  anderen  Personen  der  Zutritt  zu  den  Räumen  zu  gestatten,  so  hat
der  Leiter  die  zur  Sicherung  gegen  Ansteckungsgefahr  erforderlichen  Maßregeln  zu  treffen.
Es  ist  darauf  hinzuwirken,  daß  die  in  Pestlaboratorien  zu  beschäftigenden  Personen
  (Leiter,  Vertreter,  Diener)  sich  aktiv  gegen  Pest  immunisieren  lassen.

1  Vorschriften  über  die  Versendung  von  Krankheitserregern.

§  9.

Die  Versendung  von  lebenden  Kulturen  der  Erreger  der  Cholera,  der  Pest  oder
des  Rotzes  oder  von  Material,  das  die  Erreger  der  Maul=  und  Klauenseuche  oder  der
Schweinepest  enthält  oder  zu  enthalten  verdächtig  ist  —  dieses  nur  insofern,  als  es
nach  seiner  Beschaffenheit  für  eine  solche  Versendungsart  in  Betracht  kommen  kann
G.  B.  Bläscheninhalt,  Serum)  —,  hat  in  zugeschmolzenen  Glasröhren  zu  erfolgen,
die,  umgeben  von  einer  weichen  Hülle  (Filtrierpapier  und  Watte  oder  Holzwolle),  in
einem  durch  übergreifenden  Deckel  gut  verschlossenen  Blechgefäße  stehen;  das  letztere
ist  seinerseits  noch  in  einer  Kiste  mit  Holzwolle  oder  Watte  zu  verpacken,  es  empfiehlt
sich,  nur  frisch  angelegte,  noch  nicht  im  Brutschrank  gehaltene  Aussaaten  auf  festem
Nährboden  zu  versenden.

Die  Sendungen  müssen  mit  starkem  Bindfaden  umschnürt,  versiegelt  und  mit
der  deutlich  geschriebenen  Adresse  sowie  mit  dem  Vermerke  „Vorsicht“  versehen  werden.
Zur  Beförderung  durch  die  Post  sind  die  Sendungen  als  „dringendes  Paket“  aufzugeben;
  sie  sind  den  Empfängern  telegraphisch  anzukündigen.  Bei  Sendungen  an  Anstalten
  ist  nicht  deren  Leiter,  sondern  die  Anstalt  als  Empfänger  zu  bezeichnen.  Dasselbe
  gilt  hinsichtlich  der  telegraphischen  Ankündigung.

Der  Empfänger  hat  dem  Absender  den  Eingang  der  Sendung  sofort  mitzuteilen.

8  10.

Die  Versendung  von  lebenden  Kulturen  anderer  als  der  im  §  9  bezeichneten  Erreger
  von  Krankheiten,  welche  auf  den  Menschen  übertragbar  sind,  oder  von  Tierkrankheiten,
  deren  Anzeigepflicht,  sei  es  auch  nur  für  einen.  Teil  des  Reichsgebiets,  eingeführt
  ist,  hat  in  wasserdicht  verschlossenen  Glasröhren  zu  erfolgen.  Diese  Röhren  sind
entweder  in  angepaßten  Hülsen  oder,  mit  einer  weichen  Hülle  (Holzwolle,  Watte  oder
dergleichen)  umgeben,  derart  in  festen  Kasten  zu  verpacken,  daß  sie  unbeweglich  liegen
und  nicht  aneinanderstoßen.  Die  Sendungen  müssen  fest  verschlossen  und  mit  deutlicher
Adresse  sowie  mit  dem  Vermerke  „Vorsicht“  versehen  werden.  Bei  Sendungen  an
Anstalten  it.  nicht  deren  Leiter,  sondern  die  Anstalt  als  Empfänger  zu  bezeichnen.

Der  Empfänger  hat  dem  Absender  den  Eingang  der  Sendung  sofort  mitzuteilen.

§5  11.
Sonstiges  Material,  welches  lebende  Erreger  von  Krankheiten,  die  auf  den  Menschen
  übertragbar  sind,  oder  lebende  Erreger  von  Tierkrankheiten,  deren  Anzeigepflicht,
sei  es  auch  nur  für  einen  Teil  des  Reichsgebiets,  eingeführt  ist,  enthält  oder  zu  ent-