Metadata : Die Weltgeschichte. Erster Theil. Das Alterthum. (1)

102  Perser  und  Griechen.  Europas  Sieg  über  Asten.

Die  herrschenden  Spartiaten  arbeiteten  weder  auf  dem  Felde,  noch
trieben  sie  ein  Gewerbe,  und  eben  deßwegen  mußten  sie  Sklaven  haben;
ihre  Freiheit  war  auf  die  Sklaverei  der  Heloten  gebaut.  Sie  waren,
wie  alle  Dorer,  in  drei  Phylen  (Stämme)  getbeilt:  Hplleer,  Dymanen
und  Pamphylen;  jede  Phyle  in  10  Pratrieen  oder  Oben,  jede  Obe
wahrscheinlich  in  30  Geschlechter  und  jedes  Geschlecht  in  10  Familien
oder  Häuser.  Jede  Familie  hatte  einen  Kleren  (Grundstück),  der  dem
Familienhaupte  gehörte;  wenn  daher  eine  Familie  aus  mehreren  wehrhaften
  Männern  bestand,  so  mußte  das  Familienhaupt  sie,  sowie  ihre
Weiber  und  Kinder  unterhalten,  welche  Verpflichtung  die  Kleren  unsern
sogenannten  Majoraten  in  etwas  ähnlich  macht.  Auf  einen  Kleren
kamen  sechs  bis  sieben  Helotenfamilien.  Kein  Klere  durfte  verkauft,  verschenkt,
  vertauscht  oder  vertheilt  werden,  und  als  später  dieses  Gesetz.
aufgehoben  wurde,  nahm  die  Zahl  der  Spartiaten  rasch  ab;  sie  verarmten
  und  Sparta  ging  unter,  weil  es  zu  wenig  lykurgische  Bürger  besaß.
  Kein  Klere  durfte  nach  dem  Gesetze  Lykurgs  durch  Heirath  einer
Erbtochter  mit  einem  andern  Kleren  vereinigt  werden,  daher  sorgte  das.
Gesetz  für  die  Verheirathung  der  Erbtöchter  und  kinderlosen  Wittwen.

Bürgerliche  Verfassung.

Die  Bürgergemeinde  der  Spartiaten  versammelte  sich  zwischen  der
Brücke  Babyke  und  dem  Bache  Knakion,  hörte  die  Anträge  des  Rathes.
(der  Gerusia)  und  nahm  an  oder  verwarf;  auch  die  Wahl  der  Obrigkeiten
  lag  bei  der  Gemeinde.

Die  höchste  Gewalt  ruhte  bei  der  Gerusia;  diese  bestand  aus  den.
zwei  Königen  und  28  Geronten,  die  für  Lebensdauer  gewählt  wurden;
das  60.  Altersjahr  und  ein  tadelfreies  Leben  waren  unumgänglich  nothwendig
  zur  Erwählung.  Die  Geronten  entschieden  über  Krieg  und  Frieden,
  Bündnisse  (die  Genehmigung  der  Bürgergemeinde  vorbehaltend),
über  Leben  und  Tod,  Ehre  und  Unehre,  Freilassung  der  Heloten  u.  s.  w.
Die  zwei  Könige  (Sparta  hatte  immer  zwei  Könige  aus  dem  Geschlechte
des  Herakles,  von  den  Zwillingssöhnen  des  Aristodemus,  Eurysthenes.
und  Prokles  abstammend)  empfingen  die  Gesandten  fremder  Staaten,
hatten  in  der  Gerusia  den  Vorsitz,  ebenso  besaßen  sie  einige  richterliche
Befugnisse  und  verschiedene  Auszeichnungen  bei  Opfern  und  gemeinschaftlichen
  Mahlen.  Bei  einem  Feldzuge  im  Auslande  übte  der  König.
unbeschränkte  Feldherrngewalt  und  hatte  eine  Leibwache  von  300  Reitern;
  ihn  begleiteten  Priester,  Zeichendeuter,  Flötenspieler  u.  s.  w.,  aber
auch  obrigkeitliche  Personen,  deren  Rath  und  Dienst  ihm  zu  Gebote
waren.  Die  Exphoren,  auf  ein  Jahr  gewählt,  entstanden  wahrscheinlich
zur  Zeit  der  messenischen  Kriege;  ursprünglich  eine  über  bürgerliche  Fälle
richtende  Behörde,  fünf  an  der  Zahl,  die  Oberaufseher  des  Marktes  und