Aꝛme-r 65
— für kirchliche Zwecke bedauerte Abg.
Schmid (Soz.) im Interesse des Burgfriedens
die Veröfsentlichung einer Verfügung des Bischofs
von Passau un „Waldkirchener Anzeiger“,
wonach eine katholische Frau wegen ihrer Zivilehe
mit einem geschiedenen Mann von den
kirchlichen Rechten ausgeschlossen wurde. Das
genannte Blatt habe die Publikation gebracht
unter der Ueberschrift „Geächtet und mit der
Bemerkung versehen, daß diese Strafe in der
ganzen Bevölkerung große Genugtuung hervorgerufen
habe. — Abg. Gerichten (lib.) bat um
baldige Verlegung des Gesetzes betr. die Bedldungsregelung
der protestantischen pfälzischen
Geistlichen. Abg. Dr. von Pichler (Ztr.) konn#t
egenüber dem Abg. Schmid erklären, daß die
Publikation im Elielbalplirchener Anzeiger“ nicht
von kirchlicher Stelle ausgegangen sei. Kultusminister
von Kuilling erklärte, daß der Geschentwurf
für Errichtung eines pfälzischen rroiestant
sHen Prründestiftungsverbandes sertigg
stelll sei. Damit war auch der kirchliche #ein#
des Kultuselats erledigt.
Das Haus beschäftigte sich darauf wiederum
mit wirtschaftlichen Anträgen. in
Antrag Held und Gen. verlangt nach der Ausschuhfasfong.
daß die Bewirtschaftung von
Flachs, Wolle und Hauf selbständigen bayerischen
Landesstellen übertragen werde und die
hauswutschaftliczen Bestrebungen der Landwirke
auf dieseen Gebiete in jeder Weise unterntützt
werden.
vechte Anträge wurden nach lebhafter Kritik
r Abg. Dr. Schlittenbauer (3.) und Gan—
d (Bbd.) an der jetzigen Bewirtschaftungsart
mit diesen Rohĩtojsen und der Preispolitit
und nach einer Erwiderung von Regi: rungsse ie
angenommen. Ebenso fand Annahme ein Antrag
Munzinger und Gen., der verlangt. daß
bei Aushebung von Pferden der derzeitige
Marktpreis bezahlt wird, daß Pferdebesitzer brrücksichtigt
werden. bei denen schon mehrere
Pferde ausgchoben wurden und daß alle nicht
kriegsverwendungssähigen Pferde der Landwirtschaft
zur Verfügung gestellt werden.
Die Einführung kurzer Anfragen.
Forstetat.
Emem Antrag des Geschäftsordnungaausschusses
entsprechend beschloß das Haus, in die
Geschaftsordrung die ent prechenden Bestun.
mungen über die Einführung kurzer
Anfragen aufszunebinen.
Dann wurde die Beratung des Etats der
Forstverwaltung begonnen. Vom Ausschuß
sind die Einnahmen aus der Holznutung
von 106 210000 Mk. auf 116 000 100 Mk.,
allo fast um 20 Millionen erhöht worden.
In den allgerter nen Erörterungen war erster
Redner der Abg. Gerüenecker (Z.1. Er
wies auf den Lroßen Wert des banyer.
waldes hin und unterbreitete den Miniler eine
Reihe von cinschlägigen Wünschen. Abg.
Neuner (lib.) legte besonders großen Wert
Staatsne
kerkarten, und zwar
darauf, daß die Rachhalt gleit unser t heimischen
Walder erl’allen bleibt. Alles muß zusammenarbeiten,
demitl wir genugend Brennhelz für
den kommenden Winter beiommen. Die Preise
dürfen aber nicht unerschwingliche werden. Redner
verlangt weiter ausreichende Bereitstellung
von Bankolz für den Kleinwohnungsbau und
Uebernahme der Wiederherstellungspflicht von
durch die Holzabfuhr beschadigte Gemeindewegen
durch die Forstrerwaltung. Abg. Gölzer
(Soz.) besprach i#usbesondere die gewaliigen
Holzpreissteigerungen und deren Rückwirkungen
ausf die holzrerarbeitenden Betriebe und betonte,
daß Deutschland auch in Zukunft von der
Holzemfuhr aus dem Auslande abhängig sein
—
Rosenheimer Anzelger
Kriege vorhanden gewesenen Laubholzoorräte sei, deshalb in den Bach gebr
aufgearbeitet wurden. üuch dieser Rebner befürwortete
Personalwünsche. Um Uhr
wird die Sitzung bis lcãmnias 4 uhr unterbro
Mithener Leuiglellen.
* München, 16. März.
Darlehen= aufna me der Stadt
München. Wie die M. N. N. bernehmenzho
len die städtischen Kollegien beschlossen, 15 Millionen
Mark als Darlehen aufzunehmen. Das
Darlehen ist zu 4 Prcz. verzinslich, mit 14
Prczent zu tilgen und auf 30 Jahre unkündbar.
Der Begebungskurs ist 8712 Proz. Das Darlehen
ist zur Forderung des Kleinwohnungsbaues,
und 44 ar sowohl zur Errichtung
ron gemeindlichen leinwohnungsbauten wie zur
Hingabe von 2. Hypotheken bestimmt.
Besizwechsel. Eine der größten und
schönsten Besitzungen in Prinz Ludwigshöhe-München,
Villa mit großem Park, des verstorbenen
Konful Dr. Nordenholz ging durch Vermittlung
der Immobiliensioma Lorenz Thoma
und Co., G. m. b. H. in München an Direltor
*2 Weidle in Noenhoorn am Bodensee läufich
über.
#wwerische Nachrichten.
Beim Nachgießen von Vetroleum
n die dante ist eine 16-jährige Gütlerstochter
in Reith, bei Altötting, durch eine Explosion so
schwer verbrannt worden, daß sie alobald starb.
Wahnsinnstat. In Aliterting bei Plattling
Wurde der Anwesen: öberiger Fischer nachts
vom Wahnsinn besallen. Er drang mit einem
Messer au seine Schwiegertochter, und ernen ihr
zu Hilfe eilenden Dienstbuben ein und richteie
leide gräßllich zu. Nach dieser Tat versuchte er
sich die Kehle abzuschneiden. Auch seine Verletungen
sind schwerer Natur.
Durch einen großen Vrand ist die
prächtige neue Orgel der protest. Stadtkirche in
Bayreuth, rollitändig zerstört worden. Ueber die
Entsiehungsursache ist nichts bekannt; da die Kirche
elektrischen Antrieb besitzt, wird Kurzschluß
rermutet. Die Orgel war erst im Jahre 10913
mit einem Konenau wande von 32 500 Marl
neu erhaut worden, sie war ein Kunstwerk und
eine der größten und schönsten in Bayern.
Greuzlande. —
Uufstein, 15. 3. Einem Lebensmittelschwindel
ist der hiesige Stadtmagistrat aur
die Spur gelemmen. Eine Kufie'ier Famkie,
die aus 6 Kör ien bestehtl, verschaffte sich auf
umechtmästigem Wege Brot·, Mehl. und Zulür
nicht weniger als 63 Personen.
ür welche sie die genanaen Lebenomittel
in 7 Ferschiedenen Geichä- ten einlaufte. Nach
einer Wech kam die Sache aut und die Familie,
die auf diese Weise die übrige Beröllerung
emi lindlich benachteiligte, u##de ang- Pigt und
ihr Für die nächsien 2 Monate der Bezug von
Meou d Zucker en’zazen: auserdem sieht sie
er Strale entgegen.
Kirchbichl, 15. 3. Die Kindsleiche im
Sack. Am Eiinnan den 10. März wurde bei
Luech im Mühllalbach in einem zugenähten Sack
die Leiche eines 5- bi„ Gliälmigen Mädchens aufge#unden.
Anfänglich wuste man nichl, wem das
Kind gehörte und unter welchen Umntänden darselle
dorthin gelommen i'l. Die weiteren Erhelungen
ergaben nun, daß es sich um das Kind
Rodta eines gewissen Jose' Nied handell, der si.h
Di
—
. wicklcch den
wirtschaftlichen Tagfahrt, welche am
den 17. März nachmittags 3 Uhr im
ache habe, daß ihm
und seiner Familie die Mehlkarte fürs Kind
erhalten bleibe. Diese Auss, ,
Tatsachen; denn ärztlicherseits wurde
als Todesursache Lungenentzündung estgesteltt,
so dabß ein Verbrechen hier nicht vorliegt.
land.
Hrien, 15. 3. Landwirtschaftliche
Tagkahrt. Infolge Verhinderung des Landtagsabgeordneten
Scharnagl wird in der land-Sonntag,
Saale des
Gasthofs zum Bayer. Hof in Prien abgehalten
wird, Abgeordneter Ruedorifer von Rosenheim
über die
Schlachtoieh, Heu und Stroh sprechen.
Bad Aibling, 15. 3. Mag
siitzung vom 14. März. Das gefallene.
Holz in den Mangfallauen wird dem Zimmermeister
Seb. Milkeihher überlassen. Die
Ortskrankenkasse teilt mit, daß sie mit dem
neuen Krankenhaustarif einverstanden ist und
war mit Wirkung vom 23. Februar de. Js.
Der Magistrat bleibt indessen auf seinem Beschluß
stehen, wonach der Tarif am 1. Jannar de.
Is. in Wirksamkeit zu treten hat. Die erleiene
Erhöhung des Stundenlohnes d:i# Wasserwartes
Martin Pertoll wird genehmigt.
Den Kriegsteilnehmern Taglöhner Jese# Kinler
und Malermeister Seb. Schlehaider wird
das Bürgerrecht unentgeltlich verlich#en. Der
neue Tarif für die Begräbnisgebühren wird
unter Reduzierung von 7 au 4 Hlasien und
1 Armenklasse genehmigt. Die Armenkassenrechnung
o“. 1915 wird ollne Srinncru
genehmigt. Dem Magisrratsessiitenten Rit.
Kogelsperger wird unter Berücksichtigung ber
außergewohnlichen Verhältnisse eine monatliche
Teuerungszulage von 30 Mk. rückwirkend rom
1. Januar 1918 ab bewilligt. In der verstärkten
Magistratssitzung wurde dem Lebrer
Perzlmayer als Entschädigung ür einen zweiten
Schulkurs eine monatliche Teuerungszulage von
30 Mk. ab 1. Nov. 1917 bewilligt. Das
Dankschreiben der Lehrer für Aufnahme in den
Versorgungsverband wird rerlesen und ein Gesuch
der letzteren um Erhöhung der Miecten:schädigung
abgelehnt.
#miesbach, 15. 3. Einbruchdiekl.
In der Nacht vom 13. auf den 1J. 9## Muz.
wurde in dem Gärtnerhaus an der Saidmühlstraße
den Sädklermeisters seheleuten Aablet Je·
börig, eingebrochen und zwei schöne, leite Schaflämmer
abgestochen. Die Fleischteile nahmen
die Räuber mit, die beiden Häute und Eingeweiden
ließen sie liegen. Auch zwei Hähner rauen
die Einbrecher. In Aurach wollien in rergangener
Nacht Nachträuler Fentterstöcke auz der
Wol „zimmermauer beraustrechen, wurden aber
te sich
neugeborene Knäblein der Die:r nitmagd
rm Frau Oberneier.
die Kindsmörderin ihre Untat ein.
in
rerscheucht. Ebenso war ein Räuber in der nämllichen
Nacht in das Anwesen des Hansenbauern
Enain ler in Hagenberg engedrungen. Er machim
Schasfstall zu schaffen, wurde ader
von der Bäuerin verscheucht.
mühldorf, 15. 3. Die Leiche des am
Mittwoch aus dem Inn ge ischten Kindes i't das
Mi. na
Winkler, derzeit bei Obermeier in Guitend##3
Stellung. Die Rabenmutler, die am 7. Mer
nachts an ihretl Dien'is#elle le nmiich cunlunden
ha#f, soll ihr Kind unmittelbar nach der Gedur:
erdrofelt und unterm Stad: litroh ver'eckt ba.
ben. Dort sand es letzten Sonntag die Dien
Au' Voerhalt gestand
Sie trug
die Kindsleiche dann in die Wohnung ihrer
Eltern nach Jette nbach, o sie dan? vom Vater
Versorgung des Feldheeres mit
istratsa
Fremdenrerkelr e en im Jahre
loren
die Masnahmen
Fonntag, 1X7. Alärz 1916
Kommunsies.
TSitzungebericht des Stadtmagistrats
Rosenheim
rom 9. März 1918.
Für die Abgabe von Mehl an die Bäcker werden
die Preise mit Wirkung ab 11. März wie
sogt setgeĩett: Roggen nd 42 Mk., 94 Proz.
Weizenmehl 46 Mk. pro Sa
Der Kochmehlpreis ko e wie bieher 52 Mk.
Baupol zeiliche Genehmigung wurde erteilt zer
Lauung einer zerleabaren transportablen Notarbeitsbaracke
durch die Paopierwaren abr M.
Niedermayr, hier.
Lel
*Rosenheim, 16. März.
Der Fremdenverkehr in Rosenheim
im Jahre 1917.
In der vorgestrigen Generalversammlung des
Fremdenverkehrsvereins im Bräu am
Anger gab der Vorsigende, Herr Bankdirektor
Beßttler, einen Rückblick über den Fremdenverkehr
und die reineicicgerit
Er übrte aus: Die Erschwern risse, welche dem
1916 en!gegenim
verflassene: Jalr noch
Verich r’ ung. Rich:t ner die Verromn
arem benrerieler abhangigen
standen. er ul, ren
cire weisere
sorgung der
Betrieb: milt Lebenem trein nies, u besonders
große Schwieri keilen, sondern auch der Babnverkehr
hatte unter den durch die Kricze-Ver
hälinisie bedingten Beschränlunden 1 leiden.
die tinen um Jahresschlun im emer noch neeigenden
Grad erreich'en. Beidi hei.mmende Faslieten
joger eine böllie Unterdindung
des Fremenverkelr# b. ürchien, die g'üdlichenweisc
aber nicht eintral. Die Bel.#den, weldie
zur Verorgur der ganzen
Bevöllerung und ran der einheimischken Bevölkerung
z'u te fen hahen. wurden ver schwere
Au'gaben geselli: auch die Fremdenver kellre
Ocganisalienen hatten und haben weilerbin in
dem Widerpreit der Interessen der vom Erem
denverkelr abhMRngigen Kreise e nerseit#5 und dr
Lieran nicht oder koch nicht unmiteidar inter
sierten, Uür ###re Lebenemmtelveriorgung furcn
lenden einheimischen Bevöôllerung andererseit
keinen leichten Standrunit. Man wird cut 14
sich dies ror UAugen zu hallen bei der Fen.
itellung, daß manch: Würsche nicht er'ürlt wer
den konnten. Auch in Rosenbeim wurde von deu
Hotelketrieben u'w. uber unzureitend’ Zumesungen
ven Lebenteln bitter gctlagt und d-Beköfligung
der Fremden, wevon ein grober
Teil au Acngel örire ven durchrassierenden d#im.
sich vorüler#n. gehend hie au hallenden Krieateilnehmer
rai, leyennete erber lic#Schwieri:
keilen. Die Fremden Frequen; wat in
den ei#zeinen Vertrielen sehr rerchieder. Zur:
Teil war sie recht ber riedigend, bei a#deren ließ
sie mehr oder Geni ser zu wünsc.n übrig. Es wur
den angemelde: m Juli 1017: 585 Fremd:.
im Augun 6821, im Seniember 826. im Oklo
Uer B. un (öanzen 2900 Fremde. Der Win
terfroriverkehr var brch die itart ein.
schänken den Bersckreecn#dder Nerle# Atarerwe.
cin ietr beich: iden ies Men
schranl:: Der l####: iden
man nicht -
#PSIne Be- **
Kriege urie ran weiter und er in nich:
sehen 1i, Do-’ Die Ich: Noin- ende aleiten die Erna!t
rung: 14 r itil der Landeth###rd. n ge wer
den ird. S it zu bo’fen. daß der Fremden
erlel.. derern wer:icha Niche Bedeut#ur usch:
ct ge# un herrorgehob#en werden kann, wobdei
die Fernhalzung bur- Mab#regelung datloser
nurd. Wünschenswert wäre es, wenn die Forst- rr lm zem beim „Luecherschmied“ angekauft hat. in den Inn gewor'en wurde. Di: Winkler wur-Hamterer melche die Verorgung der anĩässigen
orrwaltung Mahnalimen trefsen würde zur Ber7 Die Angatben derselden gehen dahn, daß er das de auf erstaticte Anzeige rerhaftet und ins: Bevölkerun a ge kzährden, durnu dem Stand
mehrung der Laubholzwälder, da die vor dem Kind, das an einer Lungenkrankheit gestorben Amtsgerichtege- ängnis nach Mühldor' gebrackm. #runkt des Fremdenverkehrs Vereins gerech
Man dar' Frauen nie sagen, da sie nicht schoner zog Frack und Weste aus, löse den würgenden . ten Steinen? Wer wird sich seiner erbarmen? da humten c## d. andern Bürzerein (i#
sein lönnen. Schöne Frauen namenklich, in Aragen und lieh sich schwer auf das Bett nie.] Zuerst lommen zwei kieine Mädelchen. Zie verkrut pelter Feldarauer lera. V.11 van
der Blumenblüte ihrer Reize, finden in einer,dersallen (Forts. folgt.) ituten vor dem Höschen und b#trachten es ssuch schlezpt er sich an zwei Stöcken dorwert:e Jeöt
solchen Behauptung einen Stachel ihrer Eitel- (ig, dann lichern sie und gehen weiter. Zietrauensturt er ar siel.1 Dren das Hö- 7 Ohne
leit und verstehen es, zu gelegener Zeit Das Kriegshöschen sichn nicht langes Besinnen über anuer: er die Straße, ds
Mittel und Wege zu finden, um den kühnen “ Danun lommt ein hallwüchsiger Schuljunge. sich und hebt es aur- das Hoslein eines
Berlcumder Lügen zu strafen. Schöner als in
diesem Augenblick Batte Balmer Livia gewiß
noch nie gesehen.
Eine wilde Glut batte ihn ersfaßt. Die Kraft,
welche Jahrzehnte in ihm unverbraucht schlummerte,
brach mit elementarer Gewalt durch. Mit
eisernem Gri#fe erfaßte er die sich ihm bietende
Schönheit und sog sich an ihren Lippen sest.
Willig ükerließ see sich der ausschiebenden Flamme,
selbst verzündet in der versengen Glut einer
Leidenscha't, die keine chranken?“ mehr zu kennen
schien.
r*—½
Im ersten Morgengrauen wanderte Balmer
seiner Wohnung zu. Dumrf und schwer lag es
auf ihm. Er hatte viel getrunken, unmäbig ge-4&
cochen und bis zum Wahnsinn geküßt. Aber
keine Klarheit, keine Sältigung war über ihn
gelommen. Denn so heiß die schöne Italienerin
seine Küsse auch erwiderte, 8 vergaß sie doch
beinen Augenblick die erste Klugheit des Weisich
nie ganz zu geben, bevor nicht die
— der schrankenlosen Unterwerfung
verbricst und verllausuliert waren.
In seinem Jimmer angelangt, riß er das
Fenster weit auf. Seine Schläfen pochten wie
schwere Hämmer und in der Kehle brannte ein
Durst, den kein Wosser zu stillen vermochte. Er
I
VonPeterHub:tthckkt-(München).1
Man kennt sie und shan sie auf dem Strich,
diese heimtückischen, ötzlich dahersausenden
Windstöße, die mit Hten Regenschirmen, Unterröcken
u. dgl. so gern ihren Schabernack treiben.
So einer war's, der gestern morgens vom
zweiten oder dritten Stiock meines Nachbarhauses
eine Hose herunterholte. Ich sah gerade, wie
sie in tadellosem Gleitflug heruntersegelte und
sich mit ausgestreckten Beinen platt aur den Gehsteig
niederlegte.
Es war tatsächlich eine Hose, aber keine gewöhnliche,
keine alltägliche Hose im Gegenteil,
es war eine feldgraue Soldatenhose, allerdings
eine ganz lleine, eine ganz kleine feldgraue Soldatenbubihose
mit knallroten Seitenttreifen. Also
eine Hose, die ihr Dasein offenbar der im Hirn
eines kleinen Dreikäsehoch unbewußt schlummernden
Kriegsbegeisterung verdankt.
Wer weiß, dachte ich, was dieses Liliputanerhöschen
schon alles erlebt hat, was für kühne,
bloß noch der Verwirklichung harrende Pläne ihr
kriegsbegeisterter Träger darin schon ausgebrü
tet haben mag! Wird wohl der lleine Soldat.
am Ende gar ein zünktiger General, sein Höslein
jetzt vermissen? Und wie lange wird es wobl
da liegenbleiben müssen, da unten auf den kal-
Er stellt sich preifend vor das Höslein, hebt es
vorsichlig an den Beinen in die Höhe, betrach.
let es sinnend hinten und vorn und legtes ebenso
behutsam wieder hbin. 9m mag er denken, was
geht's mich an? Du han lein Soldatenb#ut
in dir, mein Junge!
Nun kommt er der grose schwarze Schnauzer
vom Krämer drübe. Eingehend beschnuppert
er das Höslein und Nun# hie und da mit der
Nase draur. Dann trottet er weiter, aber nicht.
ohne dem armen Höslein vorher noch mit der
bekannten verächtlichen Gebärde seine Geringschätiung
ausgedrückt zu haben. Was schert so ein
Hundsvieh das erste erhabene Ge#uhl überlegener
männlicher Würde, das dieses Höelein in
Seele eines pläneschmiedenden So. datenbubi
erzeu. hat?
Jetzt nähern sich zwei junge Damen. Aus
ihret Haltung spricht Vornehmheit und gute Erziehung.
Sie tun, als ob sie die Hose wicht sähen,
und gehen naserümpxfend und im Bogen an ihr
orüber. Mein Gott, eine Bubenhose es
ot sich nicht
Und noch andere Menschen gehen teilnahmslos
an den Höslein porbei. Wer wird lich seiner
erbarme
Und eesmer v061 lest es wie tot auf ben Lalten
Steinen.
lleinen Kameraden. Tin Lacheln huscht urer dar
lliche Gesichr. Er Künt sich mit dem Rucken gegen
den Laternen: abl, heb: den härtiten Leideneoko;
und mustert die langen Fensterreiben
Hier irgendwe, denkt er, wird der wohl zu in
den sein, der leine Kriegersmann. Dann wair#1
er die Hose uh#er die Schulter und humpel #n
Haus HLinein.
Erit nach einer halben Slunde kehrt er zuruck.
Ich weif.. er hat den kleinen Kameraden Ne unden.
in seinen Augen schimmert ein Leuchten.
Auch er hat weh'’ so ein Bublein 3u Sause und
weeis, wie tie es den kleinen Soldaten geträu#t
läite, wäre sein Krie qehöslein verloren gegangen.
Er weif, an diesen Kieinen ruht die Hoffnung
des rindenden Volkes, lie sind die zukün“
tigen Männer und itehen schon heute hoch im
Achlungekurs.
Nun lumpeit er mähfam weiter, di: Straße
binunter.
Oben auf dem Balkon aber steht eine schone
junge Frau und schaut ihm nach. Au ihre-Armen
huppit ein, bausbaqiges, tohliches
Bürschlein in voller Unisorm und kräht ununterbrochen,
Lbis der Feldgraue um die Ecke verschwunden:
„Leb wohl, Herr Soldat, leb wohl!“
1