Volltext : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1832. (23)

—  71  —

alle  sonst  den  Konsistorien  zustehenden  Befugnisse  und  obliegenden  Pflichten
auf  den  Feldprobst  uͤber.  Der  jedesmalige  Feldprobst  versieht  in  der  Regel
zugleich  die  Funkrion  eines  Oberpredigers  des  Gardekorps.  In  wiefern
außerdem  die  Hof=  und  Garnison-Predigerstelle  zu  Potsdam  ihm  mit
übertragen  seyn  soll,  bleibt,  im  Fall  deren  Erledigung,  der  jedesmaligen
Königlichen  Bestimmung  vorbehalten.  Der  Feldprobst  ist,  als  solcher,  nur
den  Ministerien  der  geistlichen  Angelegenheiten  und  des  Krieges  unmittelbar
untergeordnet.

##3.  Der  Militair-Oberprediger  eines  Armeekorps  ist  dem
Generalkommando  desselben  zugeordnet,  bei  dem  er  die  militairkirchlichen  Angelegenheiten
  des  Armeekorps,  soweit  das  Generalkommando  in  militairischer  Beziehung
  darauf  Einfluß  haben  kann,  zu  vertreten,  auch  demselben,  auf  dessen
Aufforderung,  in  den  bei  dem  Generalkommando  in  Bezug  auf  jene  Angelegenbeiten,
  vorkommenden  Geschäften,  mündlich,  oder  den  Umstanden  nach  schriftlich,
Vortrag  zu  machen  hat.

Zu  den  Oivisionspredigern  des  Armeekorps,  so  wie  zu  den  in  dessen
Bezirk  sich  befindenden  Garnison=  und  sonstigen  Militairpredigern,  steht  er  in  dem
Verhältnisse  eines  Superintendenten  zu  den  geistlichen  seiner  Dicese.  In  dem
Konsisiorio  der  Provinz  hat  er  Sitz  und  Stimme  und  ist  bei  demselben,  Organ  und
Vertreter  für  alle,  die  milirairkirchlichen  Verhältnisse  des  Armeekorps  betreffenden
Angelegenheiten.

Aus  Vorstehendem  ergiebt  sich,  daß  die  bisherige  Unterordnung  der  Militairgeistlichen
  unter  die  Superintendenten  und  die  Aufsicht  der  letzteren  über
erstere  aufhört.

Von  Seiten  der  Ministerien  der  geistlichen  Angelegenheiten  und  des  Krieges
wird  den  Militair-Oberpredigern,  zur  Belehrung  über  ihre  eigenthümlichen  Amts-Obliegenheiten
  und  Verhältnisse  eine  besondere  Instruktion  ertheilt  werden.

Beim  Ausmarsche  des  Armeekorps  in's  Feld  bleibt  der  Milikair-Oberprediger
  am  Sitze  des  Generalkommando's  zurück,  um  sämmtliche  Militair-,
Kirchen=  und  Schulangelegenheiten  in  der  Prooinz  fortwährend  zu  beaufsichtigen
und  zu  leiten.  Seine  Pflichten  und  Befugnisse  in  Bezug  auf  die  kirchlichen  Angelegenheiten
  der  in's  Feld  rückenden  Truppentheile  des  Armeekorps  und  deren
Geistliche,  werden,  während  dieser  Zeit,  einem  der  Divisionsprediger  desffelben,
welcher  zu  diesem  Behufe  sich  stets  im  Hauptquartiere  des  Armeekorps  befindet,
vom  Feldprobste  überrragen.

§.  4.  Eben  so  wie  die  Militair-Oberprediger  den  Generalkommando's,
sind  die  Divisionsprediger  den  Divisionskommando's  zugeordnet,  und  dieselben,
  im  Kriege  sowohl  als  im  Frieden,  zu  begleiten  verpflichtet,  wogegen  der
Aufenthalt  der  Garnisonprediger  bleibend,  und  von  keinem  Wechsel  der
Ganrnison  abhängig  ist.

(No.  1347.)  L2  S.  5.