Heilkräuter. 875
land werden die getrockneten Stengel zum Putzen des zinnernen Geschirrs
und von den Tischlern beim Polieren gebraucht. Es soll einen zusammen—
ziehenden Stoff enthalten und wirkt harntreibend. Die Oberhaut der Halme
enthält angeblich viel Kieselsäure. Seiner leicht zusammenziehenden Eigenschaften
wegen eignet sich seine Abkochung auch zu Ausspülungen bei eitrigen
Ausflüssen, und seiner harntreibenden Wirkung wegen kann es hin und
wieder auch bei Wassersucht, wenn die Nieren nicht krank sind,
oder bei Nierenträgheit mit Nutzen zur Anwendung kommen. Daß es
aber auch auf den Darm reizend wirkt, beweisen die Durchfälle der genannten
Haustiere.
Wacholderbeeren (Juniperus). Die schwarzen Beeren des Wacholders
sind als Fructus Juniperi offizinell und enthalten ein ätherisches Ol, Harz,
Wachs, Zucker und Gummi. Sie wirken kräftig auf alle Ausscheidungen
und werden daher vielfach zu Frühlingskuren angewendet oder bei chronischen
Krankheiten, wie Steinleiden, Flechten, Harnverhaltung und Hämorrhoiden.
Wacholderbeeren, roh gekaut, nehmen üblen Mundgeruch und machen „einen
guten Magen“". Man gebraucht sie als Aufgüsse, Tinkturen, Salben,
Weine usw. Der Wacholder wächst im ganzen nördlichen Europa, seine
Beeren reifen erst im zweiten Jahre. Der Wacholder ist eine altehrwürdige
Pflanze, die als „Heilkraut“ hohes Ansehen besitzt.
Haut- oder schweibßtreibende Kräuter. Viele „Selbstgifte“, die
sich im Organismus des Menschen entwickeln, werden durch die Haut ausgeschieden
und machen uns krank, wenn sie durch dichte Kleiderhüllen oder
durch Erschlaffung der Haut zurückgehalten werden. Bei Erkrankungen der
Lunge, Niere, des Darmes usw. ist es die Haut, welche stellvertretend eintritt
und durch vermehrte Schweißerzeugung Besserung bringt, indem sie angesammelte
Stoffwechselprodukte abgibt. Der Eintritt des Schweißes ist daher zuweilen
lebensrettend; Fieber und schwere Symptome verschwinden darnach. So bei
Lungenentzündung, Nierenkrankheiten, Influenza, Typhus usw.
Wo man aber durch heiße Dämpfe, Packungen usw. tüchtigen Schweiß nicht
erzielen kann, da ist ein schweißtreibender Tee wirklich oft recht willkommen.
Wir führen daher hier auch einige schweißtreibende Kräuter an. Das sind: Der
schwarze Holunder, Kamillen, Lindenblüte, Pfefferminze.
Lindenblüte (Tilia). Die Blüten des Lindenbaumes enthalten viel
Wachs und Honig, Itheröl, Zucker, Gummi und Gerbstoff; man gebraucht sie
seit altersher zur Herstellung eines schweißtreibenden Tees. Auch das Lindenkohlenpulver
wird gegen Sodbrennen und bei Lungenleiden sehr gerühmt,
ferner gegen Mundgeruch und als zahnpulver verwendet. Man sammelt
die Blüten im Inni und Juli und trocknet sie. Der warme Aufguß ist nicht
nnangenehm zu nehmen und wird meist versüßt. Wickelt man nach dem
Genuß einer großen Tasse den Kranken in wollene Decken ein, so sängt er
alsbald zu schwitzen an.